Kultur

Klassische Musik mit Erlebnis-Charakter in Gevelsberg

Mit Christian Ludwig hat das Studienstiftungsorchester NRW einen ausdrucksstarken Dirigenten bekommen.       

Mit Christian Ludwig hat das Studienstiftungsorchester NRW einen ausdrucksstarken Dirigenten bekommen.       

Gevelsberg.   Das Studienstiftungsorchester NRW schließt seine Probenzeit in der Gevelsberger Musikschule mit einer feurigen Reise durch Europa musikalisch ab.

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Es ist schon ein eindrucksvolles Stück Kultur, das den Gevelsbergern sozusagen als Geschenk vor die Haustür gestellt wird. Zum sechsten Mal trat das Studienstiftungsorchester NRW im Zentrum für Kirche und Kultur auf. Und mit dem Programm „Feurig durch Europa“ wurde noch einmal eine andere Dimension erreicht.

Seit drei Jahren zu Gast

Seit drei Jahren treffen sich die Musiker aus ganz Deutschland zweimal im Jahr in der Gevelsberger Musikschule. Samstag waren sie angereist, drei Tage haben die Proben gedauert und am Tag der Deutschen Einheit folgte dann das Konzert vor dem Gevelsberger Publikum. Da sitzen professionelle Musiker neben klassikbegeisterten Laien. Alle eint, Stipendiaten der Studienstiftung zu sein. Dank der Konzertgesellschaft hat das Orchester den Weg nach Gevelsberg gefunden.

Einleitung mit „Nationalmusik“

Und dank des neuen, ausdrucksstarken Dirigenten Christian Ludwig wird dem Publikum neben musikalischer Qualität auch noch ein Erlebnis geboten. Das Konzert am „Tag der deutschen Einheit“ eröffnete er mit „Nationalmusik“. Der inoffiziellen finnischen Nationalhymne – „Finlandia“ von Jean Sibelius – folgte die inoffizielle ungarische „Marche Hongroise“ von Hector Berlioz. Und weil sie an diesem Tag nicht fehlen durfte, spielte das Orchester noch die offizielle deutsche Nationalhymne.

Solistin als Bindeglied

Ausgerechnet die Solistin setzt Ludwig dazu ein, die Verbindung zwischen Publikum und Orchester zu intensivieren. Bei „Danse Macabre“, dem Totentanz von Camille Saint-Saens, marschiert Samira Spiegel mit ihrer Geige durch das Publikum ein und findet ihren Platz nicht auf, sondern vor der Bühne. So bekommt dieses eindrucksvolle Stück Musik einen zusätzlichen farbigen Tupfer. Auch die junge Pianistin und Geigerin wurde 2013 in die Studienstiftung des Deutschen Volkes aufgenommen. Inzwischen gibt Samira Spiegel Konzerte im ganzen Bundesgebiet und im Ausland. Beeindruckend ist die Solistin auch bei „Méditation von Thais“, komponiert von Jules Massnet, das einzige Stück in dem Programm, das so gar nicht zu dem Titel „Feurig durch Europa“ passt. Es interpretiert musikalisch die Verwandlung von der Titelheldin Thais. Aus einer Hure wird eine Heilige. Trauhaft schön, voller Romantik wurde des Thema von Samira Spiegel und den Streichern des Orchesters transportiert.

Klassik zum Nulltarif

Die „Ungarischen Tänze“ von Johannes Brahms eröffneten das Konzert und mit dem temperamentvollen „Danse Bacchanale“ von Saint-Seans wurde es beendet. Das Orchester hatte nicht die Gassenhauer der Klassik ausgewählt, aber Werke, die den Zuhörern den Weg zu der Musik einfacher öffnen. Und die bekamen die Gevelsberger auch noch bei freiem Eintritt serviert.

Und nach dem Konzert, das bereits ungewöhnlich früh um 16 Uhr begonnen hatte, verließen die Musiker das Zentrum für Kirche und Kultur noch schneller als ihr Publikum. Schließlich wollten sie ihre Züge noch erreichen, um am nächsten Morgen irgendwo in der Republik an die Arbeit zu gehen. Wer also eine junge Dame im schwarzen Abendkleid mit einem Wanderrucksack zum Gevelsberger Bahnhof hetzen sieht, der weiß dann, dass er ein Konzert des Studienorchesters NRW verpasst hat.

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