Kultur in Gevelsberg

Inszenierung mit Lilo Wanders spaltet Gevelsberger Publikum

Die Schauspieler begeistern in der bekannten Komödie: Gregor Eckert und Lilo Wanders (von links) als unkonventionelles Paar in Gevelsberg.   

Die Schauspieler begeistern in der bekannten Komödie: Gregor Eckert und Lilo Wanders (von links) als unkonventionelles Paar in Gevelsberg.   

Foto: Heike Büchsenschütz

Gevelsberg.  Ein „Käfig voller Narren“ in Gevelsberg mit Lilo Wanders war vielen Besuchern zu klamaukig. Die meisten blieben nach der Pause trotzdem.

Im Rahmen des städtischen Theaterprogrammes hat sich die Aula West in einen „Käfig voller Narren“ verwandelt – mit der bekannten Kult-Diva Lilo Wanders. „Wir sind über 400 – fast ausverkauft“, strahlte Marco Marcegaglia (Veranstalter) und verriet: „Wir haben damals einen der letzten Tournee-Termine buchen können.“

Er hatte an diesem Abend noch einen Grund zur Freude, denn er wurde tatkräftig von Franziska Hammerschmidt unterstützt. Die 19-Jährige, die aus Wetter stammt, absolviert im Fachbereich ein freiwilliges soziales Jahr, und dies war ihre erste große Abendveranstaltung. Marcegaglia verriet: „Franzi und ich haben uns gemeinsam auf dem Inthega-Theatermarkt in Bielefeld umgesehen. Wir planen gerade die Saison 2020/2021.“ Der Theatermarkt ist die Leitmesse für deutschsprachiges Tourneetheater.

Weltbekannte Komödie

An diesem Abend gab es die weltbekannte Komödie von Jean Poiret (uraufgeführt 1973 in Paris, 1983 als Musical an den Broadway gekommen) in einer schrillen Version von Regisseur Florian Battermann. Zum Inhalt: Zwei Elternpaare, die nicht gegensätzlicher sein könnten, treffen sich zum ersten Mal, da ihre Kinder heiraten wollen. Auf der einen Seite das homosexuelle Paar, der Besitzer des Nachtclubs „Der Narrenkäfig“ (Gregor Eckert) mit seiner großen Liebe, dem Travestie-Star (Lilo Wanders, bürgerlich Ernst-Johann Reinhardt). Und auf der anderen Seite die erzkonservative Familie (Isabella Nagy, Hannes Ducke).

Ihrem Sohnes (Michael Jäger) zuliebe wollen die beiden Männer ein konventionelles Paar spielen und verwandeln sogar ihr verspieltes Damenzimmer in ein echtes Herrenzimmer. Klar, dass es dabei ziemlich durcheinander geht.

In der Pause wurde in einigen Gruppen diskutiert: „Wollen wir gehen?“ Aber die Entscheidung ging in den meisten Fällen zu Gunsten des Stücks aus.

Die Besucher waren sich einig, auch wenn es ihnen an einigen Stellen zu schrill, zu klamaukig, zu tuntig war – die schauspielerische Leistung sei großartig. So hieß es bei den drei Frauen Ingeborg, Waltraud und Renate: „Wir bleiben. Wir wollen sehen, wie es ausgeht. Wo hat man schon mal Lilo Wanders als Mann gesehen.“ Reinhardt wechselte gekonnt zwischen Mann und Frau.

Renate Noßmann (82) brachte es auf den Punkt „Die Menschen haben keinen Humor mehr. Dabei wird das noch richtig spannend. Einfach ‘mal lachen.“

Gelacht werden konnte viel und herzhaft – und wer den Inhalt Revue passieren ließ, stellte fest, dass wir in diesem Jahrtausend ein bisschen weiter sind, aber Toleranz immer noch ein großes Thema ist.

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