Prävention

Innenminister stellt Projekt „Kurve kriegen“ in Schwelm vor

Sozialarbeiterin Kristin Beer (26)

Foto: WP

Sozialarbeiterin Kristin Beer (26) Foto: WP

Schwelm.   Um kriminelle Karrieren von jugendlichen Intensivtätern zu verhindern, läuft auch im EN-Kreis das NRW-Präventionsprojekt an.

Prügeln, rauben, erpressen – und das mit 13 Jahren. In diesem Alter haben viele jugendliche Straftäter schon eine meterlange Liste mit Delikten angehäuft. „Sechs Prozent der straffälligen Jugendlichen sind solche Intensivtäter, aber sie machen 40 Prozent der Verbrechen in der Altersgruppe aus“, sagte Innenmister Ralf Jäger, als er in Schwelm das Projekt „Kurve kriegen“ für den EN-Kreis vorstellte. Jäger verdeutlichte damit, wie wichtig es ist, solche kriminellen Karrieren frühzeitig zu verhindern.

Anti-Aggressions-Training

Das soll nun auch im Kreis mit dem NRW-Präventionsprojekt gelingen. „Wir stehen noch ganz am Anfang, aber die Grundpfeiler stehen“, bekräftigte die Projektverantwortliche Jessica Morgala. Ein zentrales Element sei vor allem die Kooperation zwischen Polizei, Jugendhilfe, Schulen und Kommunen. Zum „Kurve kriegen“-Team im EN-Kreis gehören darum sowohl Kriminalhauptkommissar Michael Zimmermann als auch Sozialarbeiterin Kristin Beer von der AWo, die in Zukunft eng zusammenarbeiten. „Früher mussten Polizisten die Jugendlichen an das Jugendamt verweisen. Durch das Projekt arbeiten Sozialarbeiter direkt im Team der Polizei mit“, sagte Jäger.

Auch Kristin Beer ist von diesem Konzept überzeugt: „Wir haben sehr früh die Chance, zu erkennen, wenn Jugendliche Probleme haben und können sie vor der Straffälligkeit erreichen.“ So läuft das Präventionsprojekt für Kinder von acht bis 13 Jahren. Schon im Kindesalter können sich kriminelle Karrieren entwickeln, Jugendliche fallen dann zum Beispiel durch aggressives Verhalten in der Schule auf. Kriminalhauptkommissar Zimmermann führt in so einem Fall mit den Jugendlichen ein Screening durch, ob eine Kriminalitätsgefährdung vorliegt und „Kurve kriegen“ im Einzelfall helfen kann. „Die Teilnahme ist völlig freiwillig.

Wir erleben, dass die Jugendlichen sehr dankbar sind“, berichtet Jessica Morgala. Sozialarbeiterin Kristin Beer nimmt dann in Absprache mit dem Jugendamt Kontakt zu den Schülern auf und überprüft konkret vor Ort, wo Hilfe nötig ist. „Das ist eine Riesen-Chance und bietet enorme individuelle Gestaltungsmöglichkeiten“, betont Jessica Morgala. Ob Anti-Aggressionstraining, Förderprogramme, Erziehungshilfe in der Familie oder Sport – die Möglichkeiten zur Hilfe sind vielfältig und werden dankbar angenommen. „Endlich kümmert sich mal Jemand“ - diesen Satz hören Sozialarbeiter laut Ralf Jäger häufig von betroffenen Familien. Denn oft sind sie mit den aggressiven Kindern überfordert.

Seit 2011 läuft das Programm schon an acht Standorten wie Hagen und Dortmund. Und das erfolgreich. Laut einer Prognos-Studie im Auftrag der Landesregierung werden 40 Prozent der Teilnehmer nicht mehr straffällig.

40 Prozent weniger Straftäter

Das zahlt sich auch finanziell aus, denn laut Jäger belaufen sich die Kosten für einen Intensivstraftäter auf 1,7 Millionen Euro zwischen seinem 14. und 25. Lebensjahr. Für jeden in das Projekt investierten Euro erhalte die Gesellschaft zwischen drei und zehn Euro zurück. „Der Erfolg von Kurve kriegen ist trotzdem in erster Linie nicht ein wirtschaftlicher, sonder ein gesellschaftlicher“, betont Jäger. Bereits drei Teilnehmer sind im EN-Kreis dabei und es sollen noch mehr werden. „Das Projekt wird auch hier sehr gut laufen“, ist sich Jäger sicher.

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