Matinée

Ibach-Straße in Schwelm nicht ausgeschlossen

Das Ibach-Haus kann auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken. Die Besucher der Matinee am Sonntag erfuhren sie u.a. von Sabine Falke-Ibach.

Foto: Arno Kowalewski

Das Ibach-Haus kann auf eine wechselvolle Geschichte zurückblicken. Die Besucher der Matinee am Sonntag erfuhren sie u.a. von Sabine Falke-Ibach. Foto: Arno Kowalewski

Schwelm.   Nicht nur in Köln soll es eine Ibach-Straße geben, sondern in Zukunft möglicherweise auch in Schwelm. Es liegt ein entsprechender Antrag vor.

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Die „5. Matinee am Sonntag“ im Haus Martfeld drehte sich im ersten Teil rund um das Thema „Ibach“ - von gestern bis heute. In einem zweiten Block am Nachmittag ging es mit dem Schwelmer Verschönerungsverein zur Martfeld-Kapelle. Bürgermeisterin Gabriele Grollmann, die durch die Matinée führte, begrüßte die zahlreichen Gäste u.a. die Familie Ibach.

Richard Strauß und Richard Wagner

Einblick in die Geschichte der Klavierfabrik und in die Familie gab die jetzige Geschäftsführerin Sabine Falke-Ibach. Sie übernahm 2006 von ihren Eltern in siebter Generation die Leitung des Unternehmen Rud. Ibach und Sohn. 2004 trat die gelernte Versicherungskauffrau und Kunsthistorikerin in das über 200-jährige Unternehmen ein und bereits 2007 musste sie die Entscheidung zur Schließung der Produktion fällen. Sie gestand: „Es war eine bittere Entscheidung, die mir vielleicht leichter fallen konnte als andere Generationen vorher, da ich kein Klavierbauer bin.“

Das Unternehmen existiert jedoch weiter und beschäftige sich heute mit der Entwicklung eines Produktes im Bereich der „Virtuellen Realität“. Sympathisch, sichtlich bewegt nahm sie die interessierten Besucher mit auf die Zeitreise. Angefangen von der Erfindung des Klaviers (1709), der Gründung des Unternehmens (1794, Johann Adolph Ibach baute das erste Tafelklavier in Wuppertal-Beyenburg), Trennung von Orgel und Klavierbau (1869, Klavierbau wurde unter Rud. Ibach Sohn weitergeführt), Gründung des Ibach-Museums in Köln (jetzt im Grassimuseum in Leipzig integriert), die Verbindung zu Schwelm (1884), bis zur Einstellung der Produktion.

Die Frauen in der Familie Ibach haben bei der Entwicklung des Unternehmens immer eine große Rolle gespielt – von der Witwe Hulda Reyscher (Ehefrau von Rudolf Ibach) bis hin zu ihrer Großmutter, die den internationalen Vertrieb aufgebaut hat. „Verkaufen konnte sie extrem gut“ . Sie verriet, dass es zwei große Künstler gegeben hat, die ihren Namen für Konzertflügel zur Verfügung gestellt haben: Richard Strauß und Richard Wagner. So ganz nebenbei hat sich die Familie Ibach in jeder Generation sozial engagiert (u.a. Gründung des Wettbewerbs „Ewig junges Klavier“, dem Vorläufer von „Jugend musiziert“).

Sie erklärte den Zuhörern, darunter auch sehr viele, die selbst bei Ibach gearbeitet haben, anhand der historischen Entwicklung, wie es mit dem Zerfall der Klavierindustrie vor sich ging. Der Niedergang der Klavierproduktion startete bereits nach 1919 und zog sich bis in die 80er, 90-er Jahre durch. Die Märkte fielen ab, das Auto löste das Klavier als Statussymbol ab, die Freizeitgewohnheiten änderten sich, Radio und Grammophon entwickelte sich. Es wurde weniger selbst gespielt – man ließ spielen.

Sie bedankte sich bei dem 6-jährigen Schwelmer Philipp Sommerfeld, der mit den „Donauwellen“ am Klavier die Vortragsreihe eröffnet hatte und gab zu, „in unserer Familie hat es nie jemand zu Ruhm mit Klavierspielen gebracht.“ Philipp hingegen hat da schon einige Preise und Wettbewerbe gewonnen.

Gabriele Grollmann, die die Moderation übernommen hatte, verriet der anwesenden Familie: „Ich habe einen Antrag – eine Schwelmer Straße nach Ibach zu benennen - erhalten, und ihn in die politische Ebene weitergeleitet.“ Nicht nur in Köln soll es in Zukunft eine Ibach-Straße geben.

Dr. Hans Joachim Vits (Vermögensverwaltung Vits) sprach als jetziger Eigentümer über das Ibach Haus und seine Mieter. 1989 übernahm seine GmbH das Gebäude und investierte seitdem rund sieben Millionen Euro. „Sie müssen dran bleiben, wenn man nichts tut, verfallen Gebäude.“

Vits war lange Zeit im Beirat des Unternehmens Ibach. Am Anfang habe er das Gebäude gekauft und wieder an Ibach vermietet und das Recht zur Untervermietung eingeräumt. Rückblickend stellte er fest, dass aufgrund des Rückgangs der Produktionsfläche Ibach selbst mehr Mieteinnahmen gehabt hätte als sein Unternehmen von Ibach erhalten habe. Er freute sich darüber, dass der ehemalige Tastenbau (zwischendurch beherbergte er die Herrengürtel-Fabrik Wülfing und Asylbewerber) wieder zum Ibach-Areal gezählt werden kann. Bis vor kurzem war dort noch eine Lackiererei ansässig, die damals von Ibach an den Mitarbeiter outgesourct wurde und die sich mittlerweile zum „Hoflieferanten für Steinway“ gemausert hat und auf das Eisenwerkgelände umgezogen ist.

Im Ibach-Haus ist noch ein wenig Ibach zu finden. Die letzte Miete zahlte Sabine Falk-Ibach damals in Form eines Konzertflügels. Dieses Instrument würde von den Künstlern (u.a. Teilnehmer von „Best of NRW“) immer wieder sehr gelobt und sei über die Stadtgrenzen bekannt. Ulrike Brux nahm den Ball auf und stellte in ihrer Funktion als Vorsitzende die 2004 gegründete Kulturfabrik Ibach-Haus vor. Neben der Klassik-Reihe „Best of NRW“ bieten sie ein breit aufgestelltes Programm (Kabarett, Rock & Pop, Jazz, Lesungen). Mittlerweile „haben wir den Schlüssel abgegeben und sind im Leo-Theater Gäste oder im Haus Martfeld“. Erfreut berichtete sie, dass sie 2018 (15. März) den Jazz-Pianisten Pablo Held gewinnen konnten. Held käme nach Schwelm, da seine Mutter einmal selbst bei Ibach gearbeitet habe. Ihr besonderer Dank ging an Wilhelm Erfurt, der ein treuer Sponsor sei.

Seit vier Monaten Leo-Theater

Ein weiterer Kultur-Mieter im Ibach-Haus, das Leo-Theater, wurde von dem Leiter Andreas Winkelsträter vorgestellt. Der gebürtige Schwelmer gab einen kurzen humorvollen historischen Abriss über das Theaterleben in der Stadt. Sein Resümee über das Ibach-Haus: „Wir sind seit 4 Monaten hier und fühlen uns pudelwohl. Frau Grollmann, sie werden uns nicht wieder los – das hoffe ich zumindest.“ Die ersten drei Premieren sind erfolgreich über die Bühne gegangen und die Abonnentenanzahl wächst. „Das Leo wird in Schwelm wahrgenommen.“ Er bedankte sich bei Vermieter Vits, der sehr viel für das Theater investiert habe. Er wies darauf hin, dass die Räumlichkeiten auch für andere Veranstaltungen zur Verfügung gestellt werden – von der privaten Party bis hin zu Tagungen.

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