Azubi-Projekt

Ennepetaler Klima-Scouts siegen bei Bundeswettbewerb

„Das macht die Stadt Ennepetal auch über Landesgrenzen hinweg als klimaaktive Kommune bekannt“; (von links) Cornelia Rösler (Difu), Leiterin des Bereichs Umwelt des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu), Dagmar Ellerkamp-Heidemeyer, Anika Freitag und Margarita Kropko.   

„Das macht die Stadt Ennepetal auch über Landesgrenzen hinweg als klimaaktive Kommune bekannt“; (von links) Cornelia Rösler (Difu), Leiterin des Bereichs Umwelt des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu), Dagmar Ellerkamp-Heidemeyer, Anika Freitag und Margarita Kropko.  

Foto: Peter Himsel

Ennepetal.  „Drück mich mal öfter“: Mit ihrem Energiespar-Projekt haben die Klimascouts nicht nur die Rathaus-Belegschaft überzeugt, sondern auch die Jury,

„Tu Du’s! – Wir tun’s und geben’s weiter!“ Wer diesen Spruch kennt, arbeitet höchstwahrscheinlich im Ennepetaler Rathaus, könnte ihn aber auch zuhause in der Familie oder sonst wo gehört haben. Es ist der Slogan einer Kampagne, mit der die beiden städtischen Auszubildenden Anika Freitag und Margarita Kropko die Mitarbeiter der Verwaltung zur Energieeinsparung und -vermeidung in den Büros und am Arbeitsplatz motiviert haben – so erfolgreich übrigens, dass sie jetzt als Sieger des bundesweiten Wettbewerbs „Kommunale Klima- und Energiescouts 2019“ ausgezeichnet wurden.

Im Rahmen der Klimakonferenz

Die Preisverleihung fand Mitte der Woche im Rahmen der 12. Kommunalen Klimakonferenz in Berlin statt, und die Augen der beiden leuchten, wenn sie von dem Moment erzählen, als sie vor 200 Menschen hoch auf die Bühne mussten. „Ich war aufgeregt“, berichtet Margarita Kropko. Schließlich mussten die Auszubildenden ihr Projekt noch einmal persönlich vor großem Publikum vorstellen. „Als ich das Mikro in der Hand hatte, war zum Glück alles weg“, erinnert sie sich. „Von da an hat man alles nicht mehr wahrgenommen, weil man nur noch damit beschäftigt ist, sich nicht zu versprechen“, erzählt Anika Freitag. Die Präsentation war ein voller Erfolg, und Dr. Sven Reinhardt vom Bundesumweltministerium und Cornelia Rösler vom Deutschen Institut für Urbanistik (Difu) überreichten ihnen anschließend den begehrten Preis.

„Die beiden haben das super hinbekommen“, freut sich auch Ennepetals Klimaschutzmanagerin Dagmar Ellerkamp-Heidemeyer. Sie initiierte die Teilnahme am Wettbewerb, stand den Auszubildenden bei der Umsetzung ihres Projekts als Mentorin zur Seite, und begleitete sie Mitte dieser Woche auch nach Berlin. Was die Bedeutung der Auszeichnung angeht – das Ennepetaler Projekt wurde als eines von drei Siegerprojekten aus 51 Beiträgen aus der ganzen Republik ausgewählt – sagt sie: „Wir freuen uns riesig, dass wir mit unserer Motivationskampagne bundesweit punkten konnten. Das macht die Stadt Ennepetal auch über Landesgrenzen hinweg als klimaaktive Kommune bekannt.“

Bis dahin war es jedoch ein langer Weg, und er fing an mit der Frage: Was ist zu tun, um die Themen Klimaschutz und Energieeinsparung in der Kommune dauerhaft zu verankern? Die Stadt will schließlich klimafreundlich sein und das Rathaus soll klimaneutral werden. Das gelingt nur, wenn wirklich alle Mitarbeiter mitmachen, dachten sich Anika Freitag und Margarita Kropko. Ihre Idee einer Motivationskampagne war geboren.

Einfach umsetzbare Einspartipps

Schnell war Beiden klar: Das Klimabewusstsein zu schärfen, gelingt nur, wenn die Einsparungen für alle einfach umzusetzen sind. Kleine Einspartipps also, die im Büro genauso wie zuhause funktionieren. „Es geht um so Dinge, wie, das Licht auszuschalten, wenn man aus dem Büro geht, die Heizung runterzudrehen, oder den Drucker auszuschalten, wenn man ihn nicht braucht“, erzählt Margarita Kropko.

Das Ziel war klar, die Botschaft musste nun nur noch richtig verpackt werden. Wobei der erhobene Zeigefinger für die jungen Frauen nicht infrage kam. „Wir wollten lustige Sprüche“, erzählt Anika Freitag. Und positiv sollte die Botschaft sein. Dies ist ihnen in bemerkenswerter Art und Weise gelungen. Dass man durch das Herunterfahren des PCs in der Pause oder zum Feierabend bis zu 50 Prozent der Energiekosten sparen kann, klingt dann so: „Fahr mal richtig runter.“ Und was die klimafreundliche Stoßlüftung im Büro betrifft, lautet die Empfehlung: „Mach Dir mal Luft“. Und was steckt hinter dem Spruch: „Drück mich mal öfter“? Na klar, der Hinweis, die Bürobeleuchtung auszuschalten, wenn es draußen hell genug ist. Heraus kamen sechs Slogans zu sechs verschiedenen Einsparbereichen, dies sich Margarita Kropko und Anika Freitag für die Kollegen ausdachten.

Pop-ups und Postkarten

Auch darauf wären alte „Verwaltungshasen“, die mit Dienstvorschriften und Papierablagen groß geworden sind, eher nicht gekommen: Um alle Mitarbeiter im Rathaus zu erreichen, setzten die beiden Azubis auf moderne Kommunikation, auf sogenannte Pop-ups. Jeden Morgen, beim Hochfahren des PCs, erscheint ein kleines „Fenster“ auf dem Bildschirm mit einer kleinen Einspar-Erinnerung der Azubis. Zusätzlich verteilten sie an jeden Mitarbeiter ein Postkarten-Set, sozusagen Motivationskärtchen, mit besagten Sprüchen und ihrer Bedeutung. Bei der Gestaltung und Umsetzung gab’s professionelle Hilfe von einer Medienagentur.

Am Anfang gab’s dafür nicht nur Applaus, wie die beiden berichten. „Einige waren genervt, klar“, erzählt Margarita Kropko. Doch schon nach kurzer Zeit hätten alle im Rathaus mitgezogen. Heute weiß die Auszubildende: „Es hat wirklich was gebracht.“

Der Einsparungseffekt ist messbar und liegt in Zahlen vor. Im Kampagnen-Zeitraum März betrug die Einsparung bei Strom 1.060 Kilowattstunden, beim Gas 1187 Kilowattstunden und beim Wasser fünf Kubikmeter (im Vergleich zum Vorjahresmonat).

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