Oelkinghausen

Ennepetal: In Löwenzahnproben war auch dioxinähnliches PCB

Der Ennepe-Ruhr-Kreis hat für diesen Bereich eine Empfehlung ausgesprochen, auf den Verzehr von Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten vorläufig zu verzichten.

Der Ennepe-Ruhr-Kreis hat für diesen Bereich eine Empfehlung ausgesprochen, auf den Verzehr von Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten vorläufig zu verzichten.

Foto: Manuela Nossutta Funkegrafik NRW

Ennepetal.  Der Ennepe-Ruhr-Kreis hat am Donnerstag Mittag die Ergebnisse der Untersuchung der Löwenzahnproben veröffentlicht.

Vermutet wurde es schon länger. Jetzt ist es öffentlich. Bei den Löwenzahnproben im Gewerbegebiet Oelkinghausen wurde nicht nur PCB 47, sondern wurden auch andere PCB-Stoffe, darunter dioxinähnliche PCB-Verbindungen gefunden.

Der Ennepe-Ruhr-Kreis hat das Ergebnis der Laboruntersuchung am Donnerstag Mittag auf seiner Homepage veröffentlicht. Es handelt sich dabei um das Antwortschreiben des LANUV vom 4. September an den Kreis, in dem das Landesamt die Ergebnisse der Löwenzahnbeprobung vom 9. Juli und der anschließenden Laboruntersuchung mitteilt. Zwei Tage später hatte der Kreis die Verzehrempfehlung für die Bereiche Oelkinghausen und Büttenberg ausgegeben.

Für Laien schwer verständlich

Die Rede ist von den acht Messpunkten, an denen die Löwenzahnblätter geerntet wurden, davon, wie die Proben analysiert wurden, eingebunden in für Laien schwer verständliche Ausführungen zum Untersuchungsvorgang. Darin heißt es unter anderem: „Außerdem wurden die sogenannten „dioxinähnlichen“ PCB (di-PCB) erfasst. Dabei handelt es sich um PCB-Kongenere, die aufgrund ihrer Struktur ähnlich wie Dioxine und Furane wirken, weshalb die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihnen ebenfalls Toxizitätsäquivalenzfaktoren (TEF) zugeordnet hat.“

Damit steht fest, dass auch andere, weitaus gefährlichere Stoffe als das PCB 47 in den Löwenzahnproben gefunden wurden. Der Ennepe-Ruhr-Kreis hat bisher immer nur über den Fund von PCB 47 in erhöhten Werten informiert.

Beim Kreis angefragt

Unsere Redaktion hatte vergangenen Donnerstag beim Ennepe-Ruhr-Kreis nachgefragt, ob bei den Löwenzahnproben auch andere PCB-Stoffe gefunden wurden und wenn ja, in welchen Mengen. Anfang dieser Woche hatte die Redaktion auch beim LANUV nachgehört. Dort wollte man mit Verweis auf die Zuständigkeit des Kreises zwar keine Zahlen nennen und keine konkrete Angaben machen. Das Landesamt ließ telefonisch jedoch wissen, dass auch andere PCB-Stoffe gefunden worden seien.

Zur Einordnung erklärte das LANUV am Telefon: Wenn man die erhöhten Werte des PCB 47 herausrechnet, würde die Summe aller anderen ermittelten PCB-Werte unterhalb des Hintergrundwertes bleiben. Bei dem Hintergrundwert handelt es sich vereinfacht gesagt um den Wert an PCB-Vorkommnissen, der an vielen Stellen in NRW zu finden ist.

Fachmann zu Rate gezogen

„Die Aussage des LANUV ist so auch richtig“, teilte Diplom-Biologe Utz Kowalewski am Donnerstag nach Durchsicht des Schreibens mit. Aus der Mitteilung des LANUV an den Kreis gehe aber auch eindeutig hervor, dass die Werte der „dioxinähnlichen PCB“, die in der mitgereichten Ergebnis-Tabelle gesondert aufgeführt sind, an fünf der acht Messpunkte über den sogenannten Orientierungswert für NRW liegen. „Das ist etwas, was nicht sein sollte“, erklärte Utz Kowalewski. Unsere Redaktion hatte den Experten, der vor Jahren maßgeblich an der Aufdeckung des PCB-Skandals bei Envio in Dortmund beteiligt war und vergangene Woche in der Info-Veranstaltung der Ennepetaler Linken zum Thema referierte, um eine Einschätzung gebeten.

Ein weiteres Thema, was angegangen werden muss

„Das war leider zu erwarten“, erklärte der Diplom-Biologe. Sein bisheriges Fazit: Neben dem PCB 47 gebe es jetzt auch ein anderes PCB-Thema in Oelkinghausen. Es müsse nicht zwingend ein Zusammenhang mit dem bisher bekannt gewordenen Fall bestehen. Die über den Orientierungswert liegenden Werte der dioxinähnlichen PCB könnten auch eine andere Ursache haben. Aber: „Auch da muss man jetzt ran“, so Utz Kowalewski.

Was das Gesundheitsrisiko für die Anwohner betrifft, bleibt Utz Kowalewski nach Kenntnis der nun veröffentlichten Ergebnisse bei seiner Einschätzung, die er schon vergangene Woche ausführte: Die Werte seien nicht so hoch, als dass er den Gang zum Arzt empfehlen würde. Er rät vielmehr, Ruhe zu bewahren und beharrlich an der Sache zu bleiben. Was jetzt nötig sei, seien Aufklärung und Informationen.

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