Jubiläum

Ennepetal: Geburtsstunde des CVJM Milspe war vor 125 Jahren

Das Waldheim ist so etwas wie das Hauptquartier des Milsper CVJM. Der christliche Verein feiert an diesem Wochenende seinen 125. Geburtstag.

Das Waldheim ist so etwas wie das Hauptquartier des Milsper CVJM. Der christliche Verein feiert an diesem Wochenende seinen 125. Geburtstag.

Foto: Marko Dowald Fotografie

Ennepetal.  1894 wurde der Evangelische Männer- und Jünglingsverein zu Milspe gegründet, der heutige CVJM. Seine Geschichte ist bewegt und bewegend.

Wie feiert man einen Geburtstag mit viel Freude und Zuversicht und bekundet sein Anliegen? Der CVJM Milspe, der in diesen Tagen 125 Jahre alt wird, hat die Lösung gefunden. Er veranstaltete ein Konzert im vereinseigenen Waldheim am Neuenlande, das musikalische Genüsse bot und zugleich eine deutliche Positionierung war für das Anliegen des CVJM: für ein christliches und verantwortungsbewusstes Leben.

Das Duo „WindWood & Co“ bot den zahlreichen Besuchern einen recht erbaulichen Abend mit vielen musikalischen Überraschungen und deutlichen Bekenntnissen zur christlichen Religion. Vanessa Feilen und Andreas Schuss beherrschen zahlreiche Instrumente, locken aus ihnen die „verrücktesten Töne“ und peppen auch traditionelle Kirchenmusik auf.

Und? Man lernt sie wieder kennen, die Choräle und christlichen Lieder aus vergangener Zeit, spürt ihre Schönheit und ihr Anliegen, Gott zu loben. Sogar Johann Sebastian Bachs „Jesus bleibet meine Freude“ erklang, vielleicht nicht so sakral, aber wohl geeignet für jeden Kirchentag.

Spielleute Gottes

Vanessa Feilen und Andreas Schuss sind ein Ehepaar, die „Spielleute Gottes“, wie der Musiker und alte CVJMer Schuss über sich selbst sagte. Klezmer, Gospel, Blues und Lieder zum Lobe Gottes erklangen, immer mit einem gewissen musikalischen Etwas. Das Duo spricht von „Überraschungen“, sie sind wohlgefällig für das Ohr.

Andreas Schuss ist auch ein guter Plauderer, warnte vor dem Rechtsradikalismus, lobte die Demokratie und rief zur Toleranz auf. Er berief sich auf Jesus, auf dessen Umgang mit Fremden. Mit dem gemeinsam gesungenen Lied „Kein schöner Land in dieser Zeit“ endete das Konzert zum Jubiläum. CVJM-Vorsitzender Thomas vom Brocke dankte dem Duo mit einem Geschenk, das Publikum dankte mit Beifall.

Erste Treffen in Schule Friedenstal

Hier ein Blick in die Chronik: Im Jahre 1894, ein Jahr nach der Gründung der Evangelischen Kirchengemeinde Milspe, wurde der Evangelische Männer- und Jünglingsverein zu Milspe, der heutige CVJM, ins Leben gerufen. Pfarrer Dietrich Merten und der Milsper Amtssekretär Heinrich Schmidt gründeten mit weiteren Männern den Verein. 16 Mitglieder trafen sich zunächst in der Schule Friedenstal.

Als das erste Pfarrhaus gebaut wurde, das war 1898, hatte der Verein bereits 42 Mitglieder. Der Posaunenchor wird gegründet. Ein eigener Jugendverein folgt. Die Mitglieder, so heißt es, kommen aus dem Konfirmandenunterricht.

Abschiedsfeiern in Kriegsjahren

Der Verein mit enger Bindung zur Kirchengemeinde hat 1909 mehr 100 Mitglieder. Der Erste Weltkrieg droht. Die Jungmännerabteilung veranstaltet Rekruten-Abschiedsfeiern. Im Kriegsjahr 1914 erscheint der erste gedruckte Monatsbericht. „Er fungiert auch als Bindeglied zwischen dem Verein und den Mitgliedern an der Front!“, so steht es in der Chronik. Von 76 Mitgliedern kehren fünf nicht wieder zurück.

Die 1920er Jahre werden heute vom CVJM als Blütezeit angesehen. 320 Mitglieder hatte zu dieser Zeit der Verein. Fahrten und Ausflüge und Turnveranstaltungen zählen schon lange zum Vereinsleben, der Verein hat einen eigenen Männerchor. 1924 wird das Waldheim gebaut. Auf der dortigen Freilichtbühne wird mit 80 Darstellern „Wilhelm Tell“ aufgeführt vor 1500 Besuchern.

1930 wird aus dem Jugendverein das Jungvolk. „Man trägt Uniform, das christliche Bekenntnis steht jedoch weiterhin im Vordergrund!“ so sagt die Chronik. Als 1934 auf Beschluss der Nazis das Jungvolk in die Hitlerjugend überführt werden soll, beschließt der Verein, das Jungvolk aufzulösen.

Die übrige Vereinsarbeit wird erschwert: Durchsuchungen, Verhöre und Verhaftungen finden statt. 23 Mitglieder fallen an der Front.

Seit 1948 unter dem Namen CVJM

1948 erfolgt die Umbenennung in CVJM. Die Jugendarbeit blüht wieder. Die Freizeiten sind beliebt, 1954 wird das Waldheim zum Jugendferienheim erweitert. Es gibt viele Sportangebote. Gottesdienste werden im Waldheim gefeiert.

In den 80er und 90er Jahren führt der CVJM große Reisen ins Ausland durch, die Übernachtungszahlen im Ferienheim Waldheim sinken. Das Haus wurde dann für einige Zeit als Aussiedlerunterkunft genutzt. Im Jahre 1999 übernahm die Kirchengemeinde große Teile der Jugendarbeit, und 2014 löste sich nach 95 Jahren der Männerchor auf.

Doch der CVJM Milspe lebt und blickt auf Höhen und Tiefen zurück, aber auch in die Zukunft. „Die gesellschaftlichen Veränderungen stellen den Verein vor große Herausforderungen, die es mit Gottes Hilfe zu meistern gilt!“ heißt es optimistisch.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben