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Diskussionen um den Breitbandausbau

Glasfaser ist die Übertragungstechnik der Zukunft – darin sind sich alle einig. Während der Kreis aber auch auf die Ertüchtigung des Kupfernetzes mittels Vectoring setzt, sehen die Piraten diesen Weg als nicht zielführend an.

Glasfaser ist die Übertragungstechnik der Zukunft – darin sind sich alle einig. Während der Kreis aber auch auf die Ertüchtigung des Kupfernetzes mittels Vectoring setzt, sehen die Piraten diesen Weg als nicht zielführend an.

Foto: Julian Stratenschulte

Ennepe-Ruhr.   Der Breitbandausbau im Ennepe-Ruhr-Kreis wird zum Streitthema. Die Piratenpartei wirft der Verwaltung Schönrederei vor.

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In einer Sache sind sich alle einig: Der Breitbandausbau wird für die kommenden Jahre ein ganz zentrales Thema werden, wenn der EN-Kreis infrastrukturell für Unternehmen und Privatleute attraktiv bleiben möchte. Daher wird der Kreisausschuss aller Wahrscheinlichkeit nach zustimmen, dass der Arbeitsvertrag des Breitbandbeauftragten Ulrich Schilling um drei Jahre verlängert wird. Kritik kommt von Seiten der Piratenpartei, die der Verwaltung an bestimmten Stellen Schönrederei unterstellt und einen Strategiewechsel fordert.

Was bisher geschah

Die Stelle des Breitbandbeauftragten, die Ulrich Schilling seit knapp zwei Jahren bekleidet, hat es zuvor überhaupt nicht gegeben. Was seitdem geschehen ist, listet die Kreisverwaltung auf. Demnach erkundet Schilling permanent den Markt und hat eine Arbeitsgruppe ins Leben gerufen, in der in sechs- bis achtwöchigen Abständen Vertreter der neun Kreis-Kommunen, der AVU, des Katasteramts und Schilling selbst zusammenkommen. „Außerdem hat er hervorragende Kontakte in die Branche aufgebaut“, sagt Jürgen Köder, Geschäftsführer der EN-Agentur, bei der die Stelle des Breitbandbeauftragten angesiedelt ist.Die Herstellung von Synergien zwischen den einzelnen Akteuren und Anbietern ist ein sehr langwieriger Prozess. Nicht zuletzt ist Ulrich Schilling für die Akquise von Fördergeldern zuständig. Seitdem ist ein Förderantrag über 50 000 Euro positiv beschieden worden, ein weiterer über 150 000 Euro, die sich auf drei Jahre verteilen würden, befindet sich noch im Verfahren.

Die Kreisverwaltung und Jürgen Köder betonen zudem: „Mit dieser Stelle sind wir Vorreiter in der Region.“ Noch Mitte 2016 habe es landesweit erst ein knappes Dutzend Breitbandbeauftragte in ganz NRW gegeben.

Was passieren soll

Im Hinblick auf die kommenden Jahre gelte es, den Kreis zukunftssicher aufzustellen. Bis Ende des Jahres will die Telekom ihre Ausbaupläne vorlegen. Ein zentrales Element ist das so genannte Vectoring. Reduziert auf das Wesentliche und stark vereinfacht bedeutet dies, dass das Unternehmen sein vorhandenes Kupferkabelnetz ertüchtigen will, um hier dreistellige Übertragungsraten zu realisieren. „Schon jetzt gilt es allerdings, einen möglichst flächendeckenden FTTB-Ausbau vorzubereiten. Dahinter verbirgt sich ein Glasfasernetz, an das jedes einzelne Gebäude angeschlossen ist.

Dementsprechend schlägt die Kreisverwaltung vor, die Stelle des Breitbandbeauftragten um drei Jahre zu verlängern. Dieser habe die Erstellung eines Konzepts „FTTB 2025“ zu forcieren.

Was die Piraten fordern

Die Piraten, die im Kreistag eine gemeinsame Fraktion mit den Freien Wählern bilden, sehen die Sache anders. „Ein Strategiewechsel beim Breitbandausbau ist dringend erforderlich“, sagen sie. Es gehe ihnen dabei nicht um die Kritik an der Arbeit Schillings aber: „Seit mehr als zwei Jahren versuchen wir mit Markterkundungen und Ausschreibungen den Breitbandausbau anzustoßen und erleben de facto Stillstand“, sagt Kreistagsmitglied Jörg Müller. Der Kreis stelle die Arbeit des Breitbandbeauftragten zu positiv dar, denn aus Sicht der Piraten verzögere der Ausbau der alten Kupfertechnik mittels Vectoring nur den Weg zum Glasfasernetz.

„Die Provider verspüren zu wenig Druck, um ihre Kunden mit besserer Technik zu versorgen. Deshalb sollte der Kreis selbst in den Ausbau mit Glasfaser einsteigen. Damit wird eine Wettbewerbssituation geschaffen, die auch die privaten Anbieter anspornt, höhere Geschwindigkeiten anzubieten“, fordert Kreistagsmitglied Chris J. Demmer, dass der Ennepe-Ruhr-Kreis als Akteur auftreten soll, um den Ausbau voranzutreiben. Es gebe im ganze Land positive Beispiele für dieses Vorgehen.

Jürgen Köder stellt dem die Kosten entgegen: Laut einer Studie kostet der Komplettausbau, wie ihn die Piraten fordern, 140 Millionen Euro. Die aktuelle Doppelstrategie schlage lediglich mit 51 Millionen Euro zu Buche. „Mir fehlt die Fantasie, woher das Geld kommen soll“, sagt der Geschäftsführer der EN-Agentur. Der Prozess benötige Zeit und er hoffe, dass Ulrich Schilling diese auch bekomme.

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