Blindenführhund

Blinde Gevelsbergerin darf keine Spenden annehmen

Corinna Hoffmann mit Blindenführhündin Paul an der Asbecker Straße in Gevelsberg.

Corinna Hoffmann mit Blindenführhündin Paul an der Asbecker Straße in Gevelsberg.

Foto: Max Kölsch

Gevelsberg.   Menschen wollen der blinden Corinna Hoffmann aus Gevelsberg Geld für einen neuen Assistenzhund spenden. Dabei gibt es aber ein Problem.

Nach der Berichterstattung dieser Zeitung über die blinde Gevelsbergerin Corinna Hoffmann und ihren Streit um Blindenführhündin Paula hat die 35-Jährige viel Zuspruch erfahren. Seit Wochen setzt sie sich mit der Techniker Krankenkasse (TK) auseinander, weil diese ihr keinen weiteren Blindenführhund finanzieren möchte. „Paula ist mittlerweile zu alt für den Job“, sagt Hoffmann. Daher sei die Hündin jetzt außer Dienst, lebe aber weiterhin bei ihr zuhause. Ihren Alltag bestreite sie nun alleine mit ihrem Blindenstock oder in Begleitung von Menschen aus ihrem Umfeld, so Hoffmann. Das mache ihn beschwerlicher.

Der erste Artikel der WP zu diesem Thema stieß vor allem im Internet auf große Resonanz. In einer Facebook-Gruppe schlossen sich schnell einige Gevelsberger zusammen, die Corinna Hoffmann mit Spenden unterstützen wollten. „Ich habe telefoniert und auch mit einigen Leuten geschrieben“, sagt die 35-Jährige.

Von der Hilfsbereitschaft sei sie schier überwältigt gewesen. Einer habe ihr 3000 Euro spenden wollen.

Es sei sogar das Angebot gekommen, ihr einen neuen Hund zu schenken. „Das Problem ist, dass ich mich in der Grundsicherung befinde“, sagt Hoffmann. Sie erhalte Sozialleistungen für ihren Lebensunterhalt. Spendengelder dürfe sie nicht annehmen, da diese sofort eingezogen würden.

„Und bei einem geschenkten Hund weiß ich nicht, ob der als Blindenführhund geeignet ist“, erklärt sie weiter. Nicht jeder Hund sei dazu in der Lage.

Seit Mitte Februar vor Gericht

Seit Mitte Februar setzen sich Corinna Hoffmann und die Techniker Krankenkasse nun vor dem Sozialgericht Dortmund auseinander.

Das habe den Hinweis gegeben, dass das Gutachten, auf das die TK ihre Ablehnung zur weiteren Finanzierung einer Blindenführhündin stütze, nicht ausreiche, so der Gevelsberger Rechtsanwalt Christoph Wortmann, der Hoffmann in der Angelegenheit vertritt. „Derzeit befinden wir uns im Stadium der Nachprüfung“, bestätigt er.

Eine Gespannprüfung habe ursprünglich gestern stattfinden sollen, sagt Hoffmann. Sie habe eine Bescheinigung eines Tierarztes vorgelegt, dass Paula keine solche Prüfung machen könne. Diese Bescheinigung liegt unserer Redaktion vor.

„Eine derartige Prüfung würde eine erhebliche Belastung für den Hund darstellen“, heißt es darin. Und weiter: „Darüber hinaus ist die Führleistung im Straßenverkehr bei Paula nicht mehr gegeben.“

Warten auf Entscheidung

Dennoch beharre die Techniker Krankenkasse weiter auf einer Prüfung, so der Anwalt in einem Schreiben an das Gericht. Gleichzeitig habe die Beklagte aber den gestrigen Termin ohne Angabe von Gründen abgesagt und auch keinen neuen Termin mitteilen können. „Wir brauchen eine schnelle Entscheidung“, so Wortmann.

„Ich warte täglich auf einen neuen Termin für die Gespannprüfung.“ Das liegt auch im Interesse von Corinna Hoffmann. „Bis Ende April wäre ein neuer Hund für mich reserviert“, sagt sie.

Wenn bis dahin nichts entschieden sei, müsse sie eventuell bis nächstes Jahr auf einen neuen Blindenführhund warten.

TK verweist auf Verfahren

Eine Sprecherin der Techniker Krankenkasse sagt auf Nachfrage dieser Zeitung, dass man sich während des laufenden Verfahrens weiterhin nicht zu diesem Sachverhalt äußere.

Sie betont allerdings, dass nicht die TK den Termin für die Gespannprüfung abgesagt habe, sondern Corinna Hoffmann selbst. „Es ist ganz wichtig, dass Frau Hoffmann diese Gespannprüfung macht, damit in der Sache schnell entschieden werden kann“, so die Sprecherin der Krankenkasse.

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