Gevelsberg

Bauchredner Tim Becker lässt Konstantin Opel tanzen

Bauchredner Tim Becker hat seine Puppen im Griff – wie auch das Publikum.

Bauchredner Tim Becker hat seine Puppen im Griff – wie auch das Publikum.

Foto: Heike Büchsenschütz / WP

Gevelsberg.  Der Bauchredner Tim Becker ließ in Gevelsberg nicht nur die Puppen tanzen, er ließ sie auch zu Wort kommen.

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Es war rappelvoll in der Alten Johanneskirche. Claudia Reichel ergatterte kurz nach 19 Uhr bereits die vorletzte Karte für den Bauchredner Tim Becker mit seinem Programm „Tanz der Puppen“ – es war ausverkauft (199 Gäste aus Nah und Fern). Die „neue“ Quatiersmanagerin Anja Steller (seit 14. Oktober im Amt) nahm sie liebevoll wie eine alte Bekannte in Empfang und schmunzelte: „Schwelmer sind auch willkommen.“ Reichel, die zum ersten Mal im Bürgerhaus war, schwärmte in der Pause: „Super Atmosphäre, toll, was die Ehrenamtlichen hier auf die Beine stellen“ – und kaufte sich gleich eine Karte für die Musikgruppe Celtic Voyager („Epic Folk in Rock“), die am Samstag, 23. November, um 20 Uhr aufspielen wird.

Wer genau hinguckte, der entdeckte in der letzten Reihe Regina Potarczyk, die zum ersten Mal als Rentnerin unbeschwert die Show genießen konnte. Sie freute sich darüber, dass die Veranstaltung so einen Zuspruch bei den Gästen erhalten habe. Potarczyk hatte in ihrer Amtszeit noch das Abendprogramm bis Anfang 2020 gebucht. Sie verriet: „Mir geht es richtig gut. Wir hatten Tim Becker bereits letztes Jahr für unser Kinderprogramm gewinnen können, obwohl er sonst nur Abendveranstaltungen macht. Es war klasse – ich freue mich, so ganz ohne weitere Verantwortung.“

So, wie das Team die Veranstaltung im Griff hatte, genauso perfekt hatte Tim Becker (38) seine Puppen und das Publikum in der Hand. Schnell ließ der sympathische Künstler vergessen, dass es nur leblose Puppen sind, nein, in seiner Nähe entwickelten sie sich zu eigenständigen Persönlichkeiten. Er stellte dem Publikum, darunter auch viele Kinder und Jugendliche, in seiner Bühnen-WG acht verschiedene Charaktere vor, die in unterschiedlichen Stimmlagen, Dialekten oder sogar mit Gesang die Herzen eroberten. Jeder hatte schnell einen Liebling, sein persönlicher Favorit sei die Punker-Ratte Konstantin Opel: „Die berlinert so schön.“ Wenn er von oder mit seinen Puppen spricht, die allesamt nach seinen Ideen angefertigte Originale sind, ist es, als spräche er von guten Freunden.

Der sensible Künstler beobachtete sein Publikum genauso aufmerksam, wie er beobachtet wurde – seine Mimik oder die der Puppen, „ob man nicht doch den Zaubertrick entdecken könne“ -- und entdeckte schnell den medizinischen Notfall im dunklen Saal. Daraufhin brach er die Zugabe ab und anstatt mit tosendem Applaus verabschiedete sich das Publikum leise mit „Daumen rauf“ und räumte professionell den Saal. Der anwesende Freiwillige Feuerwehrmann Thomas (46) verstärkte schnell das Team der Alten Johanneskirche, bis Rettungswagen und Notarzt eintrafen. Die Dame sei stabilisiert ins Krankenhaus gebracht worden. Becker, der ruhig das Publikum lenkte, gestand: „Das war für mich auch das erste Mal.“ Der Künstler versprach: „Ich habe bereits ein zweites Programm, damit komme ich gerne wieder und dann gibt es zwei Zugaben.“ Steller resümierte: „Ich habe mir meine erste Veranstaltung auch anders vorgestellt – aber so spielt das Leben.“

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