Interview

Barbara Mittag: My City Ennepetal plant Serviceoffensive

Die„My City“-Vorsitzende Barbara Mittag in ihrem Kosmetik-Geschäft an der Voerder Straße. Die 69-Jährige hofft, mit einer Serviceoffensive, die Attraktivität der Innenstadt zu erhöhen.

Die„My City“-Vorsitzende Barbara Mittag in ihrem Kosmetik-Geschäft an der Voerder Straße. Die 69-Jährige hofft, mit einer Serviceoffensive, die Attraktivität der Innenstadt zu erhöhen.

Foto: Hartmut Breyer / WP

Ennepetal.  Das ist schon geschehen, das sollte noch kommen: Gespräch mit My City-Vorsitzende Barbara Mittag über die Innenstadt-Entwicklung.

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Sie ist die Initiatorin und Gründungsvorsitzende der Händler- und Dienstleistervereinigung „My City Ennepetal“: Gerade wurde Barbara Mittag in ihrem Amt als Vorsitzende des Vereins bestätigt. Im Gespräch mit dieser Redaktion zieht die 69-Jährige, die an der Voerder Straße eine Kosmetikstudio betreibt, eine erste Bilanz der Arbeit und erläutert die nächsten Vorhaben.

Frage: Frau Mittag, wenn Sie auf die zweieinhalb Jahre seit Gründung von „My City“ zurückblicken: Was hat aus Ihrer Sicht bisher gut funktioniert?

Barbara Mittag: Die Zusammenarbeit mit der Verwaltung, auch bei der Umsetzung des Integrierten Städtebaulichen Entwicklungskonzepts, läuft gut. Außerdem haben wir mit den Händlern und Dienstleistern in der Innenstadt ein großes Netzwerk aufgebaut. Wir besprechen alles, diskutieren und suchen gemeinsam nach Lösungen. Ich empfinde es als eine vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Welche konkreten Projekte konnten Sie umsetzen?

Unsere Mitwirkung bei der Entscheidung zur Öffnung der Fußgängerzone für den Verkehr war sicher mit ausschlaggebend. Viele Händler waren ja schon bei der Einrichtung gegen die Fuzo. Andere Städte hatten zu der Zeit damit begonnen, ihre Fußgängerzonen zurückzubauen. Bei uns ist sie 30 Jahre zu spät gekommen. Mit der Öffnung wird die Anfahrbarkeit für ältere und gehbehinderte Menschen verbessert, insbesondere mit Blick auf die gesundheitlichen Einrichtungen in der Innenstadt. Außerdem werden genügend Parkplätze entlang der Voerder Straße zur Verfügung stehen.

Seit dem Beschluss zur Öffnung sind inzwischen eineinhalb Jahre vergangen, aber die Freigabe ist immer noch nicht erfolgt. Dauert das nicht schon viel zu lange?

Ja. Ich als Geschäftsfrau kann schneller reagieren als eine Verwaltung es kann. Es gibt ja zum Beispiel das Thema der europaweiten Ausschreibungen, durch die sich vieles verzögert. Und wenn Förderanträge gestellt werden, braucht das Zeit. Aber insgesamt geht vieles in der Innenstadt zu langsam voran. Ich habe den Eindruck, dass die Politik sich oft selbst behindert. Es wäre schön, wenn da manchmal zielstrebiger gearbeitet würde.

Sie haben nach jahrelanger Pause in Milspe wieder einen Adventsmarkt auf die Beine gestellt. Mit Ostereiersuchaktion, Muttertags-Fotoaktion und Oldtimermeile haben Sie weitere Veranstaltungen durchgeführt, die punktuell Menschen in die City locken. Doch wie wollen Sie für eine nachhaltige Belebung sorgen?

Eines unserer zentralen Anliegen ist es, den öffentlichen Raum rund um den Marktplatz zu stärken. Der Wochenmarkt als ein wichtiger Frequenzbringer soll geschützt und ausgebaut werden. Wir sind da in Verhandlungen mit weiteren Anbietern. Wichtig ist natürlich ein guter Mix an Fachgeschäften. Klar, wir sind keine Einkaufsstadt. Aber wir wollen mit einer Serviceoffensive punkten. Es geht darum, zu den Kunden eine enge Verbindung herzustellen, mit Menschlichkeit und Verbindlichkeit. Die Kunden sollen gerne in die Geschäfte gehen.

Wie wollen Sie das umsetzen?

Zum Beispiel mit einem Lieferservice, Bestellmöglichkeiten per Telefon oder Internet und auch mit interaktiven Schaufenstern mit QR-Codes, über die man auf eine Internetseite gelangt. Die fachliche Beratung, die man in den großen Geschäften weniger und online gar nicht bekommt, gibt es bei uns. Außerdem ist uns eine attraktive Außengastronomie, die geschützt am Marktplatz liegt, wichtig. Wir möchten gerne kleine Start-Ups gewinnen und nicht zuletzt Kultur und Kunst in leerstehenden Ladenlokalen Raum geben, mit Ausstellungen oder auch kleinen Theatervorstellungen. Außerdem unterstützen wir die von den Jusos beantragte Einführung eines Refill-Systems, um Müll zu reduzieren.

Was fehlt für einen guten Mix an Fachgeschäften?

Ein Geschäft für Damenoberbekleidung und auch für Herrenbekleidung wäre gut, ebenso ein Schuhfachgeschäft und ein Obst- und Gemüsehändler. Einen „Unverpackt“-Laden würde ich ebenfalls gerne in der Innenstadt sehen. Wir befinden uns in Gesprächen. Für ein Obst- und Gemüsegeschäft haben wir einen Interessenten, aber noch kein Ladenlokal.

Leerstände gibt es aber doch einige. Wo liegt das Problem?

Ich wünsche mir bei manchen Vermietern die Einsicht, dass man Interessenten bei der Miete entgegen kommt. Zum Beispiel wäre hilfreich, wenn sie eine Staffelmiete vereinbaren, so dass die Belastung in der Anlaufphase nicht so hoch ist.

Wie schon zur Eröffnung des Berlet-Elektrofachmarkts hat sich die Stadt durch die Neugestaltung des Ennepetal City-Centers eine Belebung versprochen. Insbesondere der Action-Markt als Ankermieter soll die Menschen in die Innenstadt ziehen. Bei Berlet blieb der Effekt aus. Wie steht es nun mit Action?

Ich hätte es begrüßt, wenn andere Geschäftsinhaber auf den Zug aufgesprungen und sich verstärkt präsentiert hätten. Aber die Geschäfte rund um den Action herum verzeichnen nach meinen Erkenntnissen eine spürbare Umsatzsteigerung. Da müssen wir anknüpfen und diesen Umkreis ausdehnen.

„My City“ ist Arbeitgeber des Innenstadtmanagers. Wie läuft die Zusammenarbeit mit Olaf Dau, nachdem sein Vorgänger nicht einmal ein Jahr lang im Amt war?

Die Zusammenarbeit funktioniert gut. Wir sprechen alles ab und bauen gemeinsam für ihn ein Netzwerk auf.

Was sind seine Hauptaufgaben?

Er kümmert sich darum, Impulse vom Handel her aufzunehmen und Geschäfte in die City zu holen. Eine seiner Hauptaufgaben ist der Aufbau eines Leerstandsmanagements. Außerdem hat er an der Organisation der Veranstaltungen mitgewirkt. Vor allem bei der Oldtimermeile hat er durch seine Verbindungen in Motorsportkreise einige zusätzliche Besucher anlocken können. Und er hat sich für die Aktion „Ennepetaler Steine“ engagiert, die den Zusammenhalt in der Stadt stärken soll und sehr gut ankommt.

Bei der Gründung zählten Sie 17 Mitglieder. Jetzt sind es etwas mehr als 30. Sind Sie damit zufrieden?

Ich hätte gerne noch mehr Mitstreiter. Und ich würde mich freuen, wenn zur nächsten Jahreshauptversammlung alle Mitglieder kämen. Diesmal waren nur die dabei, die sich ohnehin seit Anfang an engagieren. Um ein festes Forum zu schaffen, möchten wir einen Ideenstammtisch einrichten, der etwa alle acht Wochen in verschiedenen Lokalen stattfindet.

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