Schwerer Unfall

Anwohnerin in Gevelsberg weist Gaffer-Vorwürfe zurück

Ein schwerer Verkehrsunfall verursacht am Sonntag die Sperrung der Heidestraße in Gevelsberg. Nachdem ein Mann von einem nahen Balkon aus ein Foto schießt, spricht die Feuerwehr von Gaffern. Der Mann sieht darin ein Missverständnis.

Ein schwerer Verkehrsunfall verursacht am Sonntag die Sperrung der Heidestraße in Gevelsberg. Nachdem ein Mann von einem nahen Balkon aus ein Foto schießt, spricht die Feuerwehr von Gaffern. Der Mann sieht darin ein Missverständnis.

Foto: Feuerwehr Gevelsberg

Gevelsberg.   Nach dem Unfall auf der Heidestraße in Gevelsberg weist eine Anwohnerin die Gaffer-Vorwürfe zurück. Ihr Sohn habe etwas anderes fotografiert.

Nach unserer Berichterstattung über einen schweren Unfall auf der Heidestraße am Samstagabend hat sich eine Zeugin zu Wort gemeldet. Nach Angaben der Feuerwehr soll ein Anwohner die Einsatzstelle gefilmt haben. Rüdiger Kaiser, der zuständige Einsatzleiter der Feuerwehr, sprach in diesem Zusammenhang davon, dass das Problem des Gaffens auch in Gevelsberg immer heftiger werde. Die Zeugin – eine 69-Jährige und nach eigenen Angaben Anwohnerin der Heidestraße und Mutter des besagten Mannes (43) – widerspricht den Aussagen der Feuerwehr bezüglich des Filmens.

„Gaffer filmt schwerst verletzte Frau nach Unfall“ – der Bericht dieser Zeitung schlug am Sonntag vor allem im sozialen Netzwerk Facebook hohe Wellen. Viele Nutzer äußerten dort in der Kommentarspalte ihr Unverständnis.

Ein 20-jähriger Gevelsberger war am Samstagabend in einem blauen VW Scirocco auf der Heidestraße in Richtung Wittener Straße gefahren. Auf Höhe der Einmündung Röllingheider Straße geriet er auf die Gegenfahrbahn und stieß mit dem Mercedes „Strich-Acht“ einer 18-Jährigen zusammen.

Beide Fahrer wurden schwer verletzt. „Während ein Passant die Rettungskräfte während der Behandlung des Mädchens mit seinem Schirm netterweise vor dem einsetzende Regen schützte, zog ein Anwohner den Zorn der Einsatzkräfte auf sich“, hieß es im Bericht dieser Zeitung. „Er filmte die Einsatzstelle“, sagte Rüdiger Kaiser am Sonntag gegenüber unserer Redaktion.

„Da ist kein Video gemacht worden“, betont die 69-jährige Anwohnerin nun ausdrücklich. Sie sei über Facebook auf den Artikel gestoßen und habe sich und ihre Familie dort wiedererkannt. „Wir haben den einzigen Balkon an dieser Ecke“, sagt die Frau.

69-Jährige ist entsetzt

Der Vorwurf des Gaffens habe sie entsetzt. „Ich krieg’ das nicht raus“, sagt sie. Sie habe mit ihrem Sohn und ihrem Enkel (15) auf dem Balkon gesessen. „Wir wollten grillen“, so die Anwohnerin. „Dann hat es geknallt – direkt unter unserem Balkon.“ Ihr Sohn habe sofort die Polizei gerufen und sei runtergegangen, um zu helfen. Der 43-Jährige bestätigt: „Ich war derjenige, der den Notruf alarmierte, Erste Hilfe angeboten hat, den Schirm und ein Kissen gereicht hat.“

Weiter habe er für die Rettungskräfte ein Firmentor geöffnet. „Damit der Abschleppwagen wenden kann“, so seine Mutter. Zudem hätten sie Wasser und Kaffee für die Einsatzkräfte und alle Beteiligten angeboten.

Ärger über Polizei

Durch den Regen und die Sonne habe es einen Regenbogen gegeben. „Den hat mein Sohn fotografiert“, sagt die 69-Jährige. Dieser äußert sich dazu wie folgt: „Ja, ich stand mit dem Handy auf dem Balkon und habe die Szenerie an sich fotografiert.“ Er habe nicht gefilmt. „Das teilte ich auch unverzüglich der Feuerwehr und der Polizei mit“, sagt er.

„Plötzlich kam die Polizei hoch in meine Wohnung“, schildert die 69-Jährige die Situation. „Ich habe mich total erschrocken.“ Wenn Videos von dem Unfall gedreht worden seien und diese im Netz landen würden, gebe es eine Anzeige, habe es dann geheißen.

„Das geht gar nicht“, ärgert sich die Frau. „Mich nimmt sowas total mit, ich fange an zu zittern, weil man eben total hilflos der Situation ausgeliefert ist. Da kommt mir filmen nicht in den Sinn“, sagt sie über den Unfall.

Kein anderer Gesundheitszustand bekannt

Sonja Wever, Pressesprecherin der Kreispolizeibehörde, glättete die Wogen gestern: „Der Verdacht des Filmens hat sich nicht bestätigt.“ Nachdem die Feuerwehr darauf hingewiesen habe, habe sich ein Kollege das Handy zeigen lassen und nichts darauf gefunden.

Die Anwohner hätten freiwillig Einsicht in das Handy gegeben. „Das hier aber ein Kollege einfach die Wohnung betreten haben soll, kann ich mir nicht vorstellen“, so Wever.

Auf die Frage nach dem aktuellen Gesundheitszustand der beiden Verletzten sagt sie gestern: „Bislang ist uns kein anderer Gesundheitszustand bekannt.

Tägliches Thema

So eine Einsatzstelle breite sich schon ein paar Meter aus, äußerte sich Feuerwehr-Einsatzleiter Rüdiger Kaiser bezüglich der Schilderungen der Anwohner. „Da ist es natürlich relativ ungünstig, mit dem Handy da zu stehen.“ Gaffen sei mittlerweile täglich Thema.

„Nicht umsonst arbeiten wir gerade an der Beschaffung einer Gafferwand“, so Kaiser. Als Einsatzleiter lasse er sich auch nicht auf Diskussionen ein.

„Wir waren zu falschen Zeit am falschen Ort“, so die Einschätzung der 69-jährigen Anwohnerin. Im Nachhinein könne sie verstehen, dass die Sache mit dem Handy auf die Einsatzkräfte in dem Moment komisch gewirkt habe.

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