Prozess

Amtsgericht „kassiert“ Auto nach Wiederholungstat ein

Justitiat hat Recht zu sprechen. Diesmal im Fall eines 65-Jährigen, der ohne Führerschein und viel zu schnell unterwegs war.

Justitiat hat Recht zu sprechen. Diesmal im Fall eines 65-Jährigen, der ohne Führerschein und viel zu schnell unterwegs war.

Foto: David-Wolfgang Ebener

Schwelm.   Auf der früheren B 7 in Schwelm wurde er wegen Raserei von der Polizei aus dem Verkehr gezogen. Vorm Kadi ging’s für den Kölner dann zur Sache.

Ohne Führerschein und 30 Stundenkilometer zu schnell wurde ein Kölner von der Polizei in Schwelm erwischt. Nach seinem Prozess vor dem Schwelmer Amtsgericht wurde der 65-Jährige nicht nur zu einer dreimonatigen Bewährungsstrafe verurteilt, auch sein Auto ist er für immer los.

Der 65-jährige Kölner verfügte zwar über einen Dr.-Titel, aber nicht über einen Führerschein. Dabei war er in der Vergangenheit einige Male ohne „Lappen“ angetroffen worden, so dass es ihm eine Warnung hätte sein müssen, als er am 18. März vergangenen Jahres in seinen Mercedes stieg und wieder losfuhr. Auf der früheren B 7 auf Schwelmer Stadtgebiet bretterte er 30 Stundenkilometer zu schnell an der Polizei vorbei und wurde aus dem fließenden Verkehr herausgelotst. Bei der Überprüfung seiner Personalien kam heraus: Der Kölner war ohne Führerschein unterwegs.

Auf Bühne, nicht auf Anklagebank

Vor Gericht gab sich der Akademiker theatralisch, sogar wehleidig. Er räumte die Tat zwar ein, aber es klang so, als befände er sich auf einer Bühne und nicht auf der Anklagebank eines Gerichts. „Ach, es war blöde von mir, ja, dumm war das! Ich habe einfach ein zu weiches Herz. Ich fahre ja nicht zu meinem eigenen Nutzen. Es gab einen Notfall, und ich fuhr los, um zu helfen.“

Im Folgenden tischte der Angeklagte dem Gericht eine rührende Geschichte auf von seinem Bruder, dem das Pech förmlich an den Schuhsohlen zu kleben schien und zu dessen angeblicher Rettung er die Fahrt unternommen hatte.

Vier Taten im Register eingetragen

Im Registerauszug waren bereits vier einschlägige Taten eingetragen. Davon waren zwei Taten mit saftigen Geldstrafen von insgesamt 12.000 und 15.000 Euro (120 und 150 Tagessätze) geahndet worden. Außerdem bohrte der Staatsanwalt nach, wer das Auto überhaupt fährt, das dem Angeklagten gehört.

Hier stellte der gut situierte Akademiker die Ohren auf Durchzug: „Ich versichere Ihnen, dass ich nie wieder fahren werde! Ich habe es meiner Mutter geschworen, und was ich sage, das gilt dann!“

Unangenehme Wendung

Die Geschichte nahm für den Kölner ab hier eine äußerst unangenehme Wendung, der sich bis dahin auf eine erneute Geldstrafe eingestellt hatte. Da mit dem Wagen innerhalb von drei Jahren eine Wiederholungstat begangen worden war, stand nun die gerichtliche Einziehung des Gefährts im Raum, die der Staatsanwalt in seinem Plädoyer neben einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe dann auch beantragte. Das Gericht urteilte nach den Buchstaben des Gesetzes. Das Auto wurde eingezogen. Die ausgeurteilte Bewährungsstrafe betrug drei Monate. Darüber hinaus muss der Mann 3000 Euro an die Verkehrswacht zahlen.

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