Ahnenforschung

300 Jahre Schwelmer Familiengeschichte digitalisiert

Hans-Friedrich Kartenbender (rechts) hat den Stammbaum der Familie Braselmann digitalisiert. Das Original befindet sich auf zwei 7,5 Meter langen Papierrollen – hier gehalten von (von links) Archivleiterin Cornelia Hackler, FSJlerin Alina Jolie, Archivar Jens Möllenbeck und Archivmitarbeiter Marco Zwick

Foto: Andreas Gruber

Hans-Friedrich Kartenbender (rechts) hat den Stammbaum der Familie Braselmann digitalisiert. Das Original befindet sich auf zwei 7,5 Meter langen Papierrollen – hier gehalten von (von links) Archivleiterin Cornelia Hackler, FSJlerin Alina Jolie, Archivar Jens Möllenbeck und Archivmitarbeiter Marco Zwick Foto: Andreas Gruber

Schwelm.   Hobbyforscher Hans-Friedrich Kartenbender hat den weitverzweigten Stammbaum der bedeutenden Unternehmerfamilie Braselmann digitalisiert.

Ein starkes Stück Familiengeschichte ist nun für Jedermann am heimischen Computer einsehbar: Hobbyforscher Hans-Friedrich Kartenbender hat den weitverzweigten Stammbaum der für Schwelm und in der Region bedeutenden Unternehmerfamilie Braselmann digitalisiert und ins Netz gestellt. Es erlaubt einen Einblick in die bewegte Vergangenheit unserer Region. Mehr noch: Das Werk kann als Grundlage für die Erforschung der eigenen Familiengeschichte genutzt werden.

Wenn man so will, handelt es sich bei dem digitalisierten Stammbaum um einen Freundschaftsdienst unter Hobby-Historikern. Und das kam so: Jürgen Rottmann, Mitglied im Bergischen Verein für Familienkunde sowie im Verein für Heimatkunde Schwelm, hatte über die Ursprünge der evangelischen Kirchengemeinde und über den Bau des Friedhofs in Beyenburg geschrieben. Im Zuge seiner Recherche stieß er dabei immer wieder auf die Mitglieder des Beyenburger Stamms der bergisch-märkischen Familie Braselmann. Sie hatte Mitte des 19. Jahrhunderts großen Einfluss auch auf das Kirchengeschehen in Beyenburg. Die Braselmannschen Personenstandsdaten waren wichtige Ankerpunkte für das geschichtsgetreue Werk.

Doch es kamen Zweifel auf. Zweifel daran, ob die einst niedergeschriebenen Daten, die Rottmann in den Meldebüchern fand, tatsächlich so stimmten. Aufklärung konnte nur ein Abgleich bringen. Ein Abgleich mit der Schwelmer Linie der Braselmanns, deren Stammbaum im Besitz des Stadtarchives ist.

Hans-Friedrich Kartenbender, der 38 Jahre in Beyenburg lebte und seit zwei Jahren in Schwelm wohnt, erklärte sich kurzerhand bereit, die Angaben miteinander zu vergleichen. Da war ihm noch nicht klar, worauf er sich eingelassen hatte...

Der Stammbaum der Schwelmer Braselmanns reicht von 1652 bis 1940 und geht über zwölf Generation. 1655 Personen sind urkundlich erwähnt. Mit Namen, Vornamen, Geburtstag, Sterbedatum und etlichem mehr. Jeder Eintrag: auf kleinstem Raum handschriftlich verfasst. Platz findet das Jahrhunderte-Dokument auf zwei riesigen Rollen. Jede ist 7,5 Meter lang und 70 Zentimeter hoch. „Als ich das sah, bin ich beinahe zusammengebrochen“, erinnert sich Hans-Friedrich Kartenbender und lacht.

Das war jedoch längst nicht alles. Für den Hobby-Historiker war schnell klar: Ein einfacher Abgleich beider Linien ist gar nicht möglich, da man bei dem vielen Klein-Klein auf den riesigen Rollen kaum einen Ansatzpunkt finden konnte. Außerdem waren einige Handschriften unleserlich. Also dachte sich Hans-Friedrich Kartenbender etwas anderes aus.

Er fotografierte den gesamten Stammbaum ab, lud die 23 Einzelbilder daheim an seinem Computer hoch und begann Eintrag für Eintrag in ein genealogisches Stammbaumprogramm zu übertragen. Das Gute: Ab einem gewissen Datenbestand erkennt die spezielle Software verwandtschaftliche Beziehungen selbst dann, wenn wegen unleserlicher Handschriften keine Übertragung möglich war und kleinere Lücken entstanden. „Durch die Programmierung sortierte sich der gesamte Stammbaum nach und nach von selbst“, berichtet Kartenbender. Mehr noch: Die Software kontrollierte alle Einträge, wies auf Fehler im Original hin und ordnete die bis zu 14 Kinder einer Ehe automatisch in der Reihenfolge ihrer Geburt.

Neue Erkenntnisse

Erkenntnisse kamen zu Tage, die für die Erforschung der Heimatgeschichte durchaus von Bedeutung sind. Ergebnis der Digitalisierung ist, dass der Stammbaum im Stadtarchiv aus insgesamt fünf Linien besteht. Es sind dies die zwei Haupt- und drei Nebenlinien der Familie Braselmann in Schwelm und in Beyenburg sowie eine kleine Beyenburger Nebenlinie am Ende des 19. Jahrhunderts, die nicht zugeordnet ist. Heraus kam auch, dass ein gemeinsamer Stammvater fehlt, der vor 1652 gelebt haben muss.

„Das ist für uns stadtgeschichtlich relevant“, bewertete Stadtarchiv-Leiterin Cornelia Hackler die Ergebnisse. Die Familie Braselmann sei für die neuzeitliche Geschichte und Entwicklung der Stadt Schwelm von herausragender Bedeutung und habe als weitläufige großbürgerliche Unternehmerfamilie wesentlichen Anteil an der Modernisierung und Industrialisierung der Stadt und ihrer Umgebung. An der Geschichte und Verwobenheit der Familie würden die traditionell engen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Bezüge zwischen Beyenburg und Schwelm besonders deutlich.

Viele andere angesehene Familien Schwelms weisen enge Verbindungen zur weitverzweigten Familie Braselmann auf, andere wiederum zu denen. Von dieser Tatsache und davon, dass der Stammbaum der Familie Braselmann ab sofort digitalisiert im Internet für Jedermann zugänglich ist, sollen nun auch andere Ahnenforscher profitieren können. Hans-Friedrich Kartenbender hat das Ergebnis seiner Arbeit in den „Bergischen Datenpool“, der Datenbank des Bergischen Vereins für Familienkunde, eingestellt, in der Zehntausende von Personenstandsdaten erfasst sind. Die Suchmaske ist unter der Internetadresse www.datenpool.bvff.de zu finden. „Dort kann jede Familie mit Ursprüngen im hiesigen Gebiet ohne großen Aufwand feststellen, ob sie mit Braselmann verwandt ist oder nicht“, erklärte der Hobby-Historiker. Besonders bei Familiennamen mit typisch bergischem Bezug sei dabei die Chance, Kenntnisse über die eigene Familie zu erweitern, besonders groß.

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