Mord-Prozess

Tankstellenpächter ermordet: Anklage nennt grausame Details

Am 15. Dezember, am Tag nach der Tat, fiel die Tat auf. Die Spurensicherer nehmen ihre Arbeit auf.

Foto: Klaus-Dieter Stade

Am 15. Dezember, am Tag nach der Tat, fiel die Tat auf. Die Spurensicherer nehmen ihre Arbeit auf. Foto: Klaus-Dieter Stade

Elten/Kleve.   Am Landgericht beginnt der Prozess gegen einen Klever, der einen Mann (77) aus Mordlust umgebracht haben soll. Die Tat war äußerst brutal.

Das Geräusch eines berstenden Schädels habe er hören wollen, sagte der Klever dem Psychiater. Als er das Krachen der Knochen gehört hatte, rauchte der 25-Jährige eine Zigarette der Marke R1, bestellte sich ein Taxi und ließ sich von Elten nach Kellen zu seiner Freundin fahren. Die bat er, ihn in den Arm zu nehmen. Ein bisschen zu kuscheln. Denn der junge Mann wusste für sich: „Mein Leben ist vorbei.“

Zahlreiche Medienvertrer waren im Landgericht

Das aber stimmt nicht ganz. Der Angeklagte sitzt schweigend im Saal A 103 des Landgerichts Kleve, wo die 4. große Strafkammer unter Vorsitz von Richter Jürgen Ruby über seine Verantwortung für die Tat vom 14. Dezember 2017 verhandelt. Vorbei ist das Leben seines Opfers, des 77 Jahre alten Tankstellenpächters aus Elten.

Zahlreiche Medienvertreter und Zuschauer sind zugegen, als die Anklage gegen den gelernten, zuletzt aber arbeitslosen Dachdeckergesellen verlesen wird. Aus Mordlust und Habgier habe der Klever den Mann aus Elten getötet, so die Staatsanwaltschaft.

Die Tat wurde im Video rekonstruiert

Schon die Verlesung der Mord-Anklage hält viele unfassbar grausame Details bereit. Der Dachdecker möchte zu all dem nichts sagen. Allerdings lässt das Gericht am Nachmittag eine Videorekonstruktion der Tat vorführen, zu der sich der 25-Jährige unmittelbar nach seiner Verhaftung bereit erklärt hatte. Die Prozessbeteiligten sehen also, wie er durch das Haus des Opfers läuft und in seinen Worten den Tathergang schildert.

Der Angeklagte in einem blauen Pulli mit über den Kopf gezogener Kapuze, steht am Bett des Opfers und sagt: „...und dann habe ich zugeschlagen.“ Der 25-Jährige steht im Flur an der Haustür und sagt: „...dann ist er noch mal hoch, dann habe ich immer wieder mit der Handkante zugeschlagen.“

Der Angeklagte schildert, wie er mehrfach zuschlug

Er steht im Keller neben der Treppe – das Video zeigt deutlich sichtbar Blutspritzer allerorten – und sagt: „Da kam ein komisches Geräusch, dann habe ich sofort nochmal zugehauen, dann war es vorbei.“

Zuletzt war es ein fünf Kilogramm schwerer Feuerlöscher, der neunmal auf den Kopf des am Boden liegenden, bereits bewusstlosen Opfers geschlagen wurde. Zuvor waren auch zwei Küchenmesser und ein Elektroschocker zum Einsatz gekommen. Auf dem Weg zu seiner Freundin hinterließ der Klever eine Sprachnachricht: „Ich habe richtig, richtig Scheiße gebaut.“

Sie lernten sich im Netz kennen

Die schiere Brutalität machte fassungslos. Das spätere Opfer und der Täter hatten sich über einen Internet-Chat kennen gelernt, wie der Leiter der Mordkommission vor Gericht berichtete. Die beiden Männer tauschten zahllose Botschaften mit eindeutig sexuellen Inhalten aus, bis es Ende September vergangenen Jahres in der Wohnung des Klevers zu einem ersten Treffen kam.

Danach passierte einige Zeit lang nichts, ehe bei dem Arbeitslosen das Geld, das er für seinen ausufernden Drogenkonsum benötigte, knapp wurde. Ursprünglich hatte er die Idee, seinen früheren Arbeitgeber zu überfallen. Doch der hat Frau und Kinder, was ihn von diesem Opfer abrücken ließ.

Am 14. Dezember wurde der Eltener getötet

So fiel die Wahl auf den Mann, mit dem er in seiner Wohnung einmal Sex gehabt hatte. „Das war ein leichtes Spiel in meinen Augen“, sagte der Angeklagte gegenüber der Polizei – ein alleinstehender, alter und körperlich unterlegener Mann.

Am 14. Dezember des vergangenen Jahres kam es zum zweiten, diesmal verhängnisvollen Aufeinandertreffen der beiden Männer. Der eine erhoffte sich Sex und fand den Tod, der andere suchte Geld und fuhr mit 350 Euro in der Tasche zurück nach Kleve.

Die Polizei kam schnell auf die Spur des Dachdeckers. Der hatte im Handy seines Opfers zwar Kurzmitteilungen und Telefonverlauf gelöscht, nicht aber eine Mail, in der auf eine neue Chat-Nachricht von einem gewissen „Raudi123“ hingewiesen wurde. Als die Ermittler das Internet-Gespräch einsahen, fanden sie den Hinweis auf das erste Treffen in Kleve samt Namen.

Als die Polizei kurze Zeit später ebenfalls beim Angeklagten klingelte, hatte dieser schon mit seiner baldigen Festnahme gerechnet. In seinem Internet-Verlauf hatte er bei Google Antwort auf die folgende Frage gesucht: „Wie lange dauern Mordermittlungen?“ Im diesem Fall waren es von der Entdeckung der Tat bis zu seiner Festnahme exakt 95 Stunden.

Der Prozess wird am 25. Juni um 10 Uhr mit der Vernehmung weiterer Zeugen fortgesetzt.

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