Berufsorientierung

Neues Projekt lässt Schüler in Emmerich Potenziale entfalten

Die Beteiligten des Kooperationsprojekts zwischen der Gesamtschule und dem Theodor-Brauer-Haus freuen sich über die Vertragsunterzeichnung.

Die Beteiligten des Kooperationsprojekts zwischen der Gesamtschule und dem Theodor-Brauer-Haus freuen sich über die Vertragsunterzeichnung.

Foto: Thorsten Lindekamp

Emmerich.   Die Gesamtschule in Emmerich und das Theodor-Brauer-Haus kooperieren. Im Rahmen des BOK-Projekts werden Schüler für den Arbeitsmarkt fit gemacht.

Seit Ende der Herbstferien läuft ein gemeinsames Projekt zwischen der Gesamtschule Emmerich und dem Theodor-Brauer-Haus: Das Konzept zur Förderung der Berufsorientierungskompetenz (BOK), das sich konkret an Schüler wendet, deren Abschluss in Gefahr ist.

An zunächst zwei Tagen in der Woche drücken die aktuell sieben Neuntklässler nicht die Schulbank, sondern bekommen in den Werkstätten des Theodor-Brauer-Hauses erste Einblicke ins Berufsleben. Nach der Probephase ziehen Schule und Bildungseinrichtung nun ein positives Fazit und machen die Kooperation per Vertragsunterzeichnung amtlich.

Schon wie Azubis im ersten Lehrjahr

Eine gemütliche Stimmung herrscht am Mittwochmorgen im Restaurant des Theodor-Brauer-Hauses. Eine Tischgruppe am Fenster ist nett eingedeckt und es stehen Schnittchen bereit. Belegt mit Wurst, Käse und Lachs, garniert mit Feldsalat, Eiern samt Remouladen-Klecks und penibel in Form geschnittenen Trauben und Gurken.

Krisztian Orosz (16) ist einer der beiden BOK-Schüler, die seit den Herbstferien immer montags und dienstags in der Restaurantküche arbeiten. Er kann stolz auf sich sein, denn das erwähnte Brot hat er selbst gebacken, belegt und garniert.

„Das sieht total toll aus!“, lobt Andrea Schaffeld vom Theodor-Brauer-Haus. Sie ist mit der Arbeit der Schüler, gerade den beiden in der Küche, sehr zufrieden: „Wenn ich sie da sehe, glaube ich manchmal, wir haben schon Azubis im ersten Lehrjahr.“ Zuletzt hätten die beiden viel im Bereich Dessert gearbeitet, aber auch schon Hauptgänge angerichtet.

Praktischer Teil macht Theorie verständlicher

Während der Unterricht mit Fokus auf die Pflichtfächer von Mittwoch bis Freitag weiter läuft, erwerben die Jugendlichen zu Anfang der Woche erste berufliche Kompetenzen im Theodor-Brauer-Haus. So sollen sie herausfinden, was am besten zu ihnen passt. Doch das Projekt hat noch mehr positive Effekte: „Wir sehen es auch als Zugabe zum Erreichen einer besseren Note“, erklärt Schulleiterin Christiane Feldmann. Denn durch die praktische Arbeit werden Themen, beispielsweise aus dem Mathe-Unterricht viel verständlicher.

Dies ist zum Beispiel an Dominic de Vrees (17) und Sayit-Can Erzi (15) zu beobachten. Beide erkunden aktuell das Berufsfeld Lagerlogistik und mussten im Rahmen ihrer Arbeit beispielsweise messen, wie groß die verschiedenen Paletten sind und wie viele von welcher Sorte in einen LKW passen. „Das ist jetzt viel einfacher als vorher“, findet Sayit-Can.

Schüler haben Vorteile auf dem Ausbildungsmarkt

Bei ihm ist die Situation zudem eine besondere: Nach einem wenig zufriedenstellenden Zeugnis ist er, anstatt die Klasse zu wiederholen sogar eine Stufe (in die Neunte) aufgerückt, um an BOK teilzunehmen. „Das ist nicht einfach für dich, aber du schlägst dich wacker!“, lobt die Schulleiterin. Und der Schüler erklärt, dass er mittlerweile wieder glaubt, seinen Schulabschluss schaffen zu können.

Ein weiterer positiver Aspekt: Mit den ersten, hier erworbenen Qualifikationen haben die Jugendlichen später bessere Chancen, wenn es darum geht, ein Praktikum oder gar eine Lehrstelle zu finden. So hat Dominic de Vrees schon einen Gabelstapler-Führerschein gemacht, Niklas Fürchtenicht-Götte (16) hat gelernt Metall zu feilen und zu verbauen und Ewa Garusiewicz (17) hat – im Friseurbereich – Haare professionell gewaschen, Frisuren gezeichnet und das Frisieren an Modellköpfen geübt.

Schüler finden heraus, welcher Beruf zu ihnen passt

Für Dominic steht nun bereits fest, dass er beruflich im Lager Fuß fassen will. So macht er auch das Schülerbetriebspraktikum, das regulär in der neunten Klasse ansteht, ebenfalls in diesem Bereich: bei der Firma Gimborn. Dort will er dann auch gleich nach der Möglichkeit einer Ausbildung fragen.

Bei Ewa lief es anders. Sie kann nach der Zeit im Friseurbereich nun sagen, dass dies nicht ihr Berufsweg werden wird. Aber auch Ausschluss gehört zur Berufsorientierungskompetenz. Im Rahmen des Projekts können die Schüler deshalb auch nach jedem Block (acht Wochen) den Arbeitsbereich wechseln, wenn sie mögen.

>>> SO LÄUFT DAS BOK-PROJEKT

Im Rahmen des BOK-Projekts sollen die Schüler wichtige Kernkompetenzen lernen. Diese sind: Kommunikation, Reflexion, Entdecken, Anwendung, Teamfähigkeit, emotionale Intelligenz und Verständnis.

In der Klasse 9 sammeln die Schüler praktische Erfahrungen in ihren eigenen Neigungsbereichen. Zur Auswahl stehen Lager &Verkauf, Garten-Landschaftsbau, Friseur, Service & Küche, Farbe, Holz & Metall und Büro & Design.

Parallel dazu haben sie an drei Tagen Unterricht in den Fächern Deutsch, Mathematik, Arbeitslehre/Wirtschaft, Gesundheit & Sport, Naturwissenschaften, Gesellschaftslehre & Kunst und Englisch sowie zusätzliches Bewerbungstraining.

In Klasse 10 werden die praktischen Elemente dann in einem Ausbildungsbetrieb absolviert. Idealerweise können die Schüler dann nach ihrem Abschluss gleich in die Lehre gehen.

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