Zwangsarbeiter

Neues Denkmal erinnert an Bombardierung zweier Züge in Werth

Mehr als 100 Menschen waren zur Enthüllung des Denkmals in Werth gekommen.

Mehr als 100 Menschen waren zur Enthüllung des Denkmals in Werth gekommen.

Foto: Konrad Flintrop

Werth.   Zur Erinnerung an ein tragisches Ereignis wurde in Werth in der Nähe des ehemaligen Bahnhofs ein Denkmal vom Heimatverein Werth enthüllt.

Vermutlich war es ein Missverständnis, das am Morgen des 3. Dezember 1944 gegen 9.30 Uhr zur Bombardierung zweier Züge im Werther Bahnhof führte. 4500 Zwangsarbeiter aus den Niederlanden sollten zur sogenannten Ijssellinie transportiert werden.

Da die Züge von deutschen Soldaten begleitet wurden, dachten die Alliierten wohl, dass durch einen militärischen Transport die Ijssellinie gesichert werden sollte. Um das zu verhindern, nahmen diese die beiden Züge unter Beschuss. Mit fatalen Folgen.

Johann Radstaak recherchierte

20 Menschen starben – und viele wurden verletzt. Wieviele genau, ist leider nicht bekannt.

Bereits vor einigen Jahren ist beim Werther Heimatverein die Idee gereift an die tragischen Ereignisse im Dezember 1944 zu erinnern. Johann Radstaak übernahm die Aufgabe mehr über die damaligen Begebenheiten herauszufinden und Kontakt mit der Stichting „Dwangarbeiders Apeldoorn 1940-1945“ aufzunehmen.

Über 100 Menschen kamen zur Enthüllung

Zur Erinnerung an dieses Ereignis wurde am Samstagnachmittag in Werth auf der Deichstraße in der Nähe des ehemaligen Bahnhofs ein Denkmal mit einer Gedenktafel vom Heimatverein Werth enthüllt. Mehr als 100 Menschen waren zu dieser Enthüllung gekommen – viele von ihnen kamen aus Apeldoorn. Darunter auch zwei der ehemaligen Zwangsarbeiter, die damals 16 und 17 Jahre alt waren, mit ihren Familien.

„Ob wir diesen Tag, an welchem wir an die Tragödie des 3. Dezember 1944 erinnern möchten, als Zeichen des Verzeihens werten dürfen,“ erläuterte Hermann van Thiel bei seiner Begrüßungsansprache, „das können uns nur unsere niederländischen Gäste beantworten.“

Erinnerung an die getöteten „Nachbarn“

Dieser Ort jedoch steht jetzt als Erinnerung an die getöteten „Nachbarn“ und er steht für die Verpflichtung, dass sich Ähnliches nicht wiederholen darf.

Und bevor die beiden ehemaligen Zwangsarbeiter das Denkmal enthüllten, sprach auch Bürgermeister Michael Carbanje mahnende Worte. Die heutige Veranstaltung habe auch eine mahnende Funktion.

Bürgermeister sprach mahnende Worte

Die Erinnerung an die unvorstellbaren Ereignisse zeige, dass diese auch in abgewandelter Form sich niemals wiederholen dürften. Unsere Geschichte zeige, dass die Demokratie eines unserer höchsten Güter sei, die es zu verteidigen gelte.

„Wichtig ist daher auch“, fügte Carbanje hinzu, „dass unsere junge Generation ein mahnendes Denkmal hat, das immer wieder in Erinnerung ruft, welche Grausamkeiten in Deutschland und auch in Isselburg-Werth geschehen sind, um sich so in Zukunft zu engagieren für demokratische Grundwerte einzusetzen“.

Geschichte über das Erlebte vorgetragen

Beweglich und nachdenklich machend war auch die Geschichte über das Erlebte an dem Tag von Jacob Regt, der gemeinsam mit seinem Vater und seinem Bruder am 2. Dezember 1944 abgeholt wurde und diesen Angriff überlebte.

Vorgelesen von Arends Disberg, Vorsitzender der Stiftung „Dwangsarbeiders Apeldorn“ und von Tina Oostendorp vom Stadtarchiv Rees ins Deutsche übersetzt. Im Anschluss daran verlas Disberg die Namen der 20 Männer, die bei dem tragischen Ereignis ums Leben gekommen waren.

>> Blumen niedergelegt

Nicht nur Annelore Blecking vom Heimatverein Werth legte Blumen an dem Denkmal nieder, sondern auch viele der Anwesenden hatten Blumen und Kränze mitgebracht.

Begleitet wurde die Veranstaltung von einer Bläsergruppe des Isselburger Blasorchesters und Musikstücken auf der Violine von Astrid Marunkski-Radstaak.

Nach der Besichtigung des alten Bahnhofsgeländes überwiegend durch die niederländischen Gäste hatte der Heimatverein zu Kaffee und Kuchen ins Werther Jugendheim geladen.

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