Regionalbahnen

Neue Abellio-Linie: Ein extra Führerschein für 20 Kilometer

Spricht jetzt fließend Niederländisch und darf Züge jetzt auch in den Niederlanden steuern: Abellio-Triebfahrzeugführer und Bereichsleiter Niederrheinnetz Philipp Thielmann. (Foto: Dagobert Ernst)

Spricht jetzt fließend Niederländisch und darf Züge jetzt auch in den Niederlanden steuern: Abellio-Triebfahrzeugführer und Bereichsleiter Niederrheinnetz Philipp Thielmann. (Foto: Dagobert Ernst)

Emmerich/Rees.   Der Anbieter Abellio übernimmt ab Sonntag die Bahn-Verbindung bis Emmerich, ab April dann bis Arnheim. Das Personal ist bereits vorbereitet.

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Ab diesem Sonntag ändert sich vieles im Bahnverkehr in der Region. Das „Niederrheinnetz“ geht an den Start, betrieben vom Unternehmen Abellio Rail NRW, statt wie bisher von der Deutschen Bahn.

Nicht nur der Anbieter wechselt, auch die Züge sind neu - und die Linie RE19. Sie wird den bisherigen Regionalexpress RE5 ersetzen, der künftig von Koblenz aus bereits in Wesel wendet.

Testfahrten im laufenden Betrieb

„Bei einem Fahrplanwechsel kann immer etwas schief gehen“, sagt Sabine Tkatzik, Sprecherin des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr (VRR). Diesmal aber ist das Risiko vielleicht etwas geringer.

Seit 1. August waren die neuen Züge vom Typ Stadler Flirt³ im Test-Einsatz – im laufenden Betrieb auf der Linie RB 35, die ab Sonntag Wesel über Duisburg mit Mönchengladbach verbindet und dann ebenfalls von Abellio übernommen wird. Mit der Deutschen Bahn war ein „sanfter Betriebs-Übergang“ vereinbart worden, obwohl die Unternehmen Konkurrenten sind. Insgesamt 100.000 Zugkilometer wurden seitdem mit den neuen Zügen zurückgelegt. „Ohne größere Probleme“, hieß es jüngst bei Abellio.

Der Blick geht schon in Richtung Arnheim

„Die Fahrzeuge sind schon schön eingefahren“, sagt Philipp Thielmann, bei Abellio örtlicher Betriebsleiter für das Fahrpersonal im Niederrheinnetz. Bei der offiziellen Jungfernfahrt kürzlich von Duisburg nach Wesel gab es nach wenigen Metern auf der Rückfahrt zwar plötzlich einen Zwangsstopp, „weil eine Tür nicht richtig geschlossen war“. Das Problem war nach kurzer Zeit geklärt.

Dabei richtet sich der Blick bei Abellio bereits auf den 6. April 2017. Dann soll die Linie RE19 bis Arnheim verlängert werden, mit stündlicher Anbindung des rechten Niederrheins in die Niederlande. Bei den Zügen steht dort noch die technische Genehmigung aus. Das Abellio-Personal jedoch ist bereits weitgehend geschult.

Zusätzliche Bahnausbildung für die Niederlande nötig

Der Aufwand für die etwa 20 zusätzlichen Gleiskilometer von Emmerich aus, ist groß: Alle 22 Triebfahrzeugführer dieser Linie mussten dafür erneut in die Schule und jeweils neun Prüfungen absolvieren, darunter Philipp Thielmann und der zuständige Ausbildungslokführer des Unternehmens, das eine Tochter der niederländischen Bahn ist.

„Am Anfang stand ein Niederländisch-Kurs mit Abschlusstest auf dem Sprachlevel B1“, sagt Thielmann. Dann folgten acht Bahn-Prüfungen. “In den Niederlanden gibt es zum Teil andere Regeln und Vorschriften“, sagt Thielmann. Am Ende wartete der Abschluss „Volledig bevoegt“. So gesehen, könnte die Linie RE19 auch bis Amsterdam oder Den Helder verlängert werden - die Fahrerlaubnis des Personals im Führerstand jedenfalls geht weit über Arnheim hinaus.

Info-Tafeln im Zug auch auf Niederländisch

55 Triebfahrzeugführer werden insgesamt auf den drei Abellio-Linien im Niederrheinnetz tätig sein, viele davon waren zuvor bei der Bahn-Tochter DB Regio NRW beschäftigt, deren Marktanteil in den vergangenen Jahren geschrumpft ist. Ein paar Triebfahrzeugführer sind noch für den Betrieb in den Niederlanden auszubilden, egal wieviel Erfahrung sie schon haben. Drei Monate dauert diese Schulung, inklusive Sprachabschluss.

Obwohl es nur wenige Streckenkilometer auf niederländischer Seite sind mit den Bahnhöfen Zevenaar und Arnheim, ist auch der technische Aufwand groß: Sieben der insgesamt 21 Triebfahrzeuge, die Abellio am Niederrhein einsetzen wird, mussten für die Niederlande so umgerüstet werden, dass sei mit drei verschiedenen Stromnetzen klar kommen, weil ein Teil der Trasse ein kurzes Stück über die Betuwe-Strecke führt. Auch im Zug finden sich Hinweise: Info-Tafeln sind zweisprachig.

Philipp Thielmann fühlt sich vor der Betriebsaufnahme am Sonntag „entspannt“. Er spüre aber auch „etwas Bauchkitzeln“, sagt der 28-Jährige. Wird alles gelingen? „Es ist schon was anderes, wenn wir dann wirklich für den Betrieb der Linien verantwortlich sind“, sagt er.

Mehr Informationen zum Fahrplanwechsel finden Sie hier:

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