P&R-Insolvenz

Fachanwältin gab geschädigten P&R-Anlegern Tipps in Emmerich

Karine Guilleaume, Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht, informierte Betroffene zur P+R Insolvenz. 280 Personen aus dem Kreis Kleve, fast ausnahmslos Kunden der Volksbank Emmerich-Rees, sind auch davon betroffen.

Karine Guilleaume, Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht, informierte Betroffene zur P+R Insolvenz. 280 Personen aus dem Kreis Kleve, fast ausnahmslos Kunden der Volksbank Emmerich-Rees, sind auch davon betroffen.

Foto: Arnulf Stoffel

Emmerich.   Wie sie wieder an ihr Geld kommen, wollten geschädigte P&R-Anleger wissen. Eine Fachanwältin gab ernüchternde Infos und ein wenig Hoffnung.

Bekomme ich mein Geld zurück? Das war die Frage, die allen Anlegern im PAN unter den Nägeln brannte. Ernüchterung herrschte im Anschluss an den Vortrag der Experten in Emmerich, aber es gab auch einen kleiner Hoffnungsschimmer.

Die Anwälte Karine Guilleaume und Herbert Jakobs hatten alle Interessenten eingeladen, um ihnen das komplexe Thema der P&R-Insolvenz etwas näher zu bringen. Wie bereits berichtet ist die Firma P&R insolvent gegangen, über 50.000 Anleger aus ganz Deutschland bangen um ihr Geld.

Geschädigte sind Kunden der Volksbank

Darunter auch rund 280 Personen aus dem Kreis Kleve, fast ausnahmslos Kunden der Volksbank Emmerich-Rees. Die Bank hatte die Container des Anbieters jahrelang als Geldanlage beworben. Das investierte Geld ist jetzt weg.

Die Juristen der Kanzlei Jakobs/Guilleaume sind spezialisiert auf Kapitalanlage- und Bankrecht und vertreten bereits Geschädigte der P&R-Insolvenz.

Honoraranwältin für die Verbraucherzentrale

„Wir werden uns heute damit beschäftigen, was für sie als betroffene Anleger die beste Vorgehensweise ist und was sie unternehmen können“, so Guilleaume, die auch als Honoraranwältin für die Verbraucherzentrale NRW tätig ist.

„Ihnen wurde in Aussicht gestellt, dass sie in etwas investieren, dass man anfassen kann, nämlich einen Container. Das war natürlich ein wunderbares Werbeinstrument.“ Das eine Bank sich im großen Umfang diesen Direktinvestments verschrieben habe, käme laut Experten ausgesprochen selten vor, die Volksbank Emmerich-Rees bilde hier eine der wenigen Ausnahmen.

Mit Schneeballsystem gearbeitet

„Fakt ist, dass eine Millionen von den 1,6 Millionen Container gar nicht existieren. Ob es sie jemals gab, ist extrem fraglich. Viele Container und Nummern wurden doppelt und dreifach verkauft“, stellte Guilleaume klar und führte weiter aus: „Sie haben nicht wirklich ihre Ausschüttung aus den Mieten bekommen, sondern aus den Kaufpreisen, die neue Anleger in das Unternehmen geschossen haben – ein sogenanntes Schneeballsystem.“

Laut der Juristin bestünde daher die große Gefahr, dass die erhaltenen Ausschüttungen an den Insolvenzverwalter zurückgezahlt werden müssen. Zusätzlich könne das Finanzamt die Abschreibungen der letzten fünf Jahren zurückfordern.

„Die Anleger zahlen die Party“

„Es geht also um mehr als den Totalverlust, es kann sogar ein Minusgeschäft werden“, warnte die Anwältin. „Sie als Anleger sind die, die für die Party zahlen!“

Inzwischen wurde, bis auf eine Ausnahme, allen anwesenden Betroffenen eine Vergleichsvereinbarung durch den Insolvenzverwalter Jaffé aus München zugestellt. Die Fachanwälte raten den Geschädigten diese anzunehmen.

Nicht alle Vereinbarungen unterschreiben

„Wenn sie diese Vereinbarung unterschreiben, bekommen sie Geld“, so Guilleaume, auch wenn es sich dabei nur um einen kleinen Teil der investierten Summe handele, nach jetziger Berechnung etwa zehn Prozent. 30.000 positive Rückmeldung habe es bereits gegeben, ließ der Insolvenzverwalter jüngst in einer Pressemitteilung verlauten.

„In dieser Situation kann man niemandem abraten Geld zu nehmen, dass einem angeboten wird. Das ist ein schlechtes Angebot, aber es ist ein Angebot und es ist sicheres Geld, das bekommen sie sofort. Wenn in der Vereinbarung drin steht, dass sie auf weitere Ansprüche gegen weitere Beteiligte rechtswirksam verzichten, dann dürfen sie es nicht unterschreiben“, wies Guilleaume ausdrücklich auf eine Ausnahme hin, „in der Regel steht das aber nicht drin.“

Vermittler haben Fehler gemacht

Wenn die Bank bei der Vermittlung einen Aufklärungsfehler begangen habe, bestehe so weiterhin die Möglichkeit diese in Haftung zu nehmen. „Wir glauben, dass einige der Vermittler hier solche Fehler begangen haben,“ so die Meinung der Expertin.

Diese Fehler müssen aber konkret im Einzelfall nachgewiesen werden. Gelänge dies, bestünde die Möglichkeit einen Teil des verlorenen Geldes von der Bank erstattet zu bekommen.

Viele wollen mit der Kanzlei in Kontakt bleiben

Um dies zu ermöglichen riet Herbert Jakobs den Geschädigten als nächsten Schritt bei ihrer Rechtsschutzversicherung eine Deckungsanfrage zu stellen. Dies solle durch einen Experten geschehen, da eine solche Zusage oft unberechtigt nicht erteilt würde.

Im Normalfall kämen die Versicherungen aber für die Kosten auf. Ihre Kanzlei biete, wie andere auch, diesen Service kostenlos an. Zum Abschluss nutzten viele der Anwesenden die Möglichkeit sich in eine Liste der Kanzlei einzutragen und so ggf. unverbindlich eine juristische Beratung der Experten zukünftig in Anspruch zu nehmen.

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