Firmenporträt

Zwischen Konstruktion und Kunst: Stromberg aus Duisburg

Ein Sondergerüst über 100 Jahre alten Duisburger Firma Stromberg. Heute ist Stromberg-Gerüstbau ein 90-Mitarbeiter-starker Betrieb, der auch mehrere Generationen unter den Mitarbeitern beschäftigt.

Ein Sondergerüst über 100 Jahre alten Duisburger Firma Stromberg. Heute ist Stromberg-Gerüstbau ein 90-Mitarbeiter-starker Betrieb, der auch mehrere Generationen unter den Mitarbeitern beschäftigt.

Foto: Foto / Stromberg

Duisburg.  Sie steigt in windige Höhen, in heiße Hochöfen und stapelt kunstvoll Christos-Fässer im Gasometer: Seit 1904 ist die Firma Stromberg vor Ort.

Daran, wie es ist, in Schutzkleidung in einen mit Roheisen gespickten aktiven Hochofen zu steigen, erinnert sich Dirk Grümbel gut: „Unter uns sah es aus wie ich mir das Innere eines Vulkans vorstelle.“ Ausgerechnet hier, in dieser Hitze, musste der Bauleiter ein Gerüst installieren, „die Wandung brauchte einen Schutzanstrich“, meint Grümbel trocken.

Gerüstbau führt an ungewöhnliche Orte

Ungewöhnlich? Schon, aber beileibe nicht der einzige seltsame Ort, an dem die Duisburger Gerüstfirma Stromberg Stangen, Leitern und Träger zu komplexen Ensembles ineinander steckte: im sechs Meter tiefen Giftstoff-Tank, in 80 Meter Höhe des Kamins 1 im Landschaftspark, auf windigen Kirchturmspitzen, als kunstvoller Laufsteg entlang des Lehmbrucksmuseums oder schlicht zu einem Aufstieg, damit Menschen beim „Stilleben“ im Kulturhauptstadtjahr 2010 auf die Autobahn gehen können.

Seit 115 Jahren ist das Duisburger Unternehmen in Familienhand – in vierter Generation leitet es Karl-Georg Stromberg und seitdem „ist für mich kein Tag wie der andere. Man kommt an ganz unglaubliche Orte.“

Nur ein fußbreiter Spalt ist erlaubt: Das Gerüst muss jeder Ecke, jeder Schräge folgen

Dabei ist Gerüstbau auf den ersten Blick etwa so aufregend wie Lego. Ein Gesteck aus geraden Stangen, die sich Ebene für Ebene hochschrauben. Kurze Strecken, möglichst günstig und schnell wieder weg – so simpel ist die Philosophie des Bauens, denn es ist der Weg, nicht das Ziel. Oder auch so schwierig. Denn wie ein Legoturm stößt auch das Gerüst an Grenzen: Schwerkraft und Windlasten zerren an der Konstruktion nicht erst beim besagten 80-Meter-Kamin im Landschaftspark. Ist der Kamin dann auch noch schräg, darf es das Gerüst hingegen nicht sein.

Jeder Ecke, jeder Rundung, jedem Verlauf muss der Gerüstbauer brav folgen – denn maximal eine Fußlänge Abstand ist aus Sicherheitsgründen erlaubt. Und manchmal braucht es sogar ein Gerüst um zum Gerüst zu kommen, etwa bei der Sanierung eines Kirchentürmchens oder der Sanierung einer Siloanlage.

Wie aus Konstruktion eine Kunst werden kann

Auf den zweiten Blick erscheint das Gerüst schon fast selbst als ein Kunstwerk. Vielleicht kein Wunder, dass das Verpackungskunst-Genie Christo die technische Sonderkonstruktion der Duisburger Firma, die eigentlich sein Tonnen-Monument im Oberhausener Gasometer nur stabilisieren sollte, glatt selbst als gezeichnetes Kunstobjekt in seine Dokumentation einbaute. „Er ist ein sehr sanfter, freundlicher Künstlertyp“, erinnert sich Stromberg an die Begegnung, Christos inzwischen verstorbene Jeanne-Claude hingegen eine durchsetzungsstark auftretende Frau.

„Die Kunst der Konstruktion“, ließ Geschäftsmann Stromberg zwar nicht uneitel aber folglich auch nicht ohne Grund zum 111 Firmenbestehen auf ein Transparent drucken. Banner und Turm stehen übrigens immer noch auf dem Firmengelände an der Oberen Kaiserswerther Straße 58.

Angefangen hat Stromberg 1904 als Malerbetrieb

Angefangen jedoch hat das Unternehmen 1904 auf der Heerstraße mit seinem Ur-Urgroßvater Karl, einem Gesellen sowie einem motorisierten Dreirad. Für den damaligen Malermeister war das Gerüst ein notwendiges Übel und später ein Beigeschäft. Das allerdings wuchs, spezialisierte sich und nabelte sich von den Stromberg-Malerbetriebe und -Oberflächentechnik ab.

Heute ist Stromberg-Gerüstbau ein 90-Mitarbeiter-starker Betrieb, der auch mehrere Generationen unter den Mitarbeitern beschäftigt. Und der selbst ausbildet. Im dritten Lehrjahr gibt’s 1250 Euro – das sei überdurchschnittlich, so der Unternehmer. Voraussetzung? Handwerkliches Geschick, Teamfähigkeit, neugierig sein, zählt Karl-Georg Stromberg auf – „und Bock haben“. Was ist mit Höhenangst? „Man sollte immer Höhen-Respekt haben“, sagt Stromberg, „wir stehen morgens nicht für Mutproben auf.“

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