Bildung

Zwei Duisburger Kollegs beteiligt an Demokratie-Projekt

Im Sophie-Scholl-Berufskolleg präsentierten am Freitag beim Transfertag Schüler von landesweit 20 Berufskollegs die Ergebnisse ihrer Arbeit im Projekt.

Im Sophie-Scholl-Berufskolleg präsentierten am Freitag beim Transfertag Schüler von landesweit 20 Berufskollegs die Ergebnisse ihrer Arbeit im Projekt.

Foto: Jörg Schimmel / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Zwei Duisburger Berufskollegs machen mit beim Projekt „Demokratie für mich“. Zum Transfertag in Marxloh kam auch die NRW-Bildungsministerin.

„Es reicht nicht, das Grundgesetz ins Arabische zu übersetzen und zu hoffen, dass die Menschen es verstehen“, sagen Sabine Sommer und Stefan Schacke. Sie leiten „Demokratie für mich“, an dem Projekt der Landeszentrale für politische Bildung (LZPB) sind landesweit 20 Berufskollegs beteiligt. Zum Austausch aller Beteiligten beim Transfertag kam am Freitag auch NRW-Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) ins Sophie-Scholl-Berufskolleg, in Duisburg ist außerdem noch das Walther-Rathenau-Berufskolleg beteiligt.

Dialogbegleiter unterstützen die Lehrer

Einen „Paradigmen-Wechsel im Demokratie-Bildungsprozess“ nennt Maria Springenberg-Eich, die Leiterin der Landeszentrale, das auf ein Jahr angelegte Projekt, in dem es nicht darum gehe „eine Broschüre zu verteilen, sondern um Grund- und Menschenrechte“.

Beteiligt sind jeweils die Internationalen Vorbereitungsklassen (IVK), in denen junge Geflüchtete und Zuwanderer sich auf den Einstieg in den Regelschulbetrieb vorbereiten. Die Lehrer werden unterstützt von so genannten „Dialogbegleitern“, die oft selbst einst aus den gleichen Staaten nach Deutschland kamen.

Auch für die Sprachbildung

„Die Jugendlichen sollen auf der Grundlage eigener Erfahrungen und ihrer Lebenswirklichkeit diskutieren“, erläutert Sabine Sommer. In vier Module gliedert sich der Unterricht. Da geht’s um Themen wie persönliche Freiheit und Unversehrtheit, um Gleichheit und Gleichberechtigung sowie um Glaubens-, Gewissensfreiheit. „Da tauchen erfahrungsgemäß die meisten Fragen auf“, berichtet Stefan Schacke.

Auch die Erfahrungen mit Demokratie oder Diktatur im Herkunftsland spielten eine Rolle, sagt Dr. Katharina Hauke-Hohl von der Landeszentrale für politische Bildung. „Es ist ein individueller, erfahrungsorientierter Ansatz, mit dem wir Neugier wecken wollen.“

Dass die Schüler dabei zunächst auch in der Muttersprache diskutieren, sei durchaus gewollt. „Es ist auch ein Sprachbildungsprojekt, die Schüler sollen über die Diskussion besser Deutsch lernen.“

Demokratische Kultur erfordert Haltung

Die Evaluation durch die Uni Münster sei ebenso positiv wie die Erfahrungen, so Hauke-Hohl: „Vor allem bei den jungen Frauen erleben wir, dass manches Kopftuch im Verlauf des Proiekts weiter nach hinten rutscht.“

In Zeiten, in denen sich viele Menschen von den Grundrechten abwenden, sei der Erhalt von Menschenrechten und Demokratie keine Selbstverständlichkeit mehr, mahnte Yvonne Gebauer. „Eine demokratische Kultur erfordert Haltung, um sie mit Leben zu füllen“, so die Ministerin, „und diese Haltung sollten in diesem Land durchaus auch Menschen ohne Fluchtgeschichte erwerben.“

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