Prozess

Zuhälter sollen Angst vor Juju-Kult ausgenutzt haben

Der Gebäudekomplex des Land- und Amtsgerichts Duisburg an der Königstraße

Der Gebäudekomplex des Land- und Amtsgerichts Duisburg an der Königstraße

Foto: Stephan Eickershoff

Duisburg.  Eine Duisburgerin steht vor dem Landgericht, weil sie sechs junge Frauen zur Arbeit als Prostituierte gezwungen haben soll.

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Wegen schwerer Zwangsprostitution muss sich seit Donnerstag eine 33-jährige Meidericherin vor dem Landgericht Duisburg verantworten. Gemeinsam mit einem 27-jährigen Mann aus Gelsenkirchen soll sie seit Juni 2015 sechs junge Frauen aus Nigeria dazu gezwungen haben, sich für Geld an Männer zu verkaufen.

Die Anklage geht davon aus, dass den Opfern in deren Heimatland das Blaue vom Himmel versprochen worden war: In Europa hätten sie alle Möglichkeiten, könnten einem ordentlichen Beruf nachgehen. Doch zuvor mussten die Frauen im Rahmen des Juju-Kultes schwören, ihren Meistern in der neuen Heimat zu gehorchen. Anderenfalls würden sie sterben.

19-Jährige soll vom Opfer zur Komplizin geworden sein

Die Geschädigten wurden meist über Paris und Brüssel nach Duisburg gebracht. Dann wurden sie mit der Realität konfrontiert: Von den Frauen sollen für deren Einschleusung hohe fünfstellige Beträge gefordert worden sein. Um die Schulden abzuarbeiten, mussten sie im Bordell-Viertel an der Vulkan- und Julius-Weber-Straße arbeiten. Die 33-Jährige soll die Arbeit der Mädchen überwacht, gemeinsam mit dem Mitangeklagten regelmäßig kassiert haben.

Eine dritte Angeklagte, eine 19-jährige Oberhausenerin, soll noch minderjährig gewesen sein, als es auch ihr so erging. Doch obwohl sie zeitweise in der Obhut des Jugendamtes war, soll sie zu den Hauptangeklagten zurück gekehrt und sogar eine Gehilfin geworden sein. Die Anklage wirft ihr Beihilfe vor: In mehreren Fällen soll sie junge Frauen, die aus Nigeria eingeschleust wurden, in die Arbeit eingewiesen und Geld kassiert haben. 14 Tage lang, so die Anklage, durfte sie sogar einmal die Chefs vertreten, als die gerade gemeinsam Urlaub machten. Die Heranwachsende legte zu Prozessbeginn ein Teil-Geständnis ab. Die Mitangeklagten wollen sich später äußern.

Für das Verfahren sind bis Mitte November sieben weitere Verhandlungstage geplant.

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