Dellviertel

Wohnprojekt an der Reitbahn nimmt Form an

Zimmermann Michael Prosch mit den neuen Bewohnern.

Zimmermann Michael Prosch mit den neuen Bewohnern.

Foto: Funke Foto Services

Dellviertel.  Richtfest für das Wohnprojekt „Reitbahn“. Alte und neue Weggefährten zwischen 50 und 72 Jahren wollen den Lebensabend verbringen. Gebag baut das Haus dazu

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Ingrid Weiske steht vor dem Rohbau an der Reitbahn und freut sich. „Steingewordene Vision“ nennt Ulrich Varwig das Gebäude, das ab April 2017 14 Mietparteien ein neues Zuhause bieten soll. Keine reine Wohnungen sollen es sein, sondern ein gemeinsames Leben wollen die künftigen Mieter, die allesamt zwischen 50 und 72 Jahren alt sind, miteinander führen. Nun wurde Richtfest gefeiert. Die Gebag realisiert den Bau und vermietet ihn an den Verein „Gemeinsam Leben.“ Oberbürgermeister Sören Link lobt: „Duisburg ist eine bunte Stadt, das spiegelt sich auch in den Wohnformen.“

Beim Zuschnitt der Wohnungen, die alle barrierefrei sein werden, haben die Gebag und der Architekt Dieter Düster auf die verschiedenen Wünsche eingegangen. Der eine wollte seine Abstellkammer lieber auf der linken Seite, der andere eine offene Küche, ein dritter ein Esszimmer. „Zwei Damen teilen sich nun ein gemeinsames Wohnzimmer, haben aber jeder ein eigenes Schlafzimmer. Man könnte den Raum aber auch mit einer Mauer unterteilen“, beschreibt Düster und fügt lächelnd hinzu: „Alle Wünsche unter einen Hut zu bringen ist wie dreidimensionales Schach spielen.“ Zum Glück wollten nicht alle im Erdgeschoss oder unterm Dach wohnen.

Die Chemie muss stimmen

Wer einziehen will, muss sich übrigens mehreren Gesprächsrunden stellen. „Wichtig ist, dass die Chemie stimmt“, weiß Varwig, der vor Jahren schon einmal mit anderen Nachbarn ein sehr enges Verhältnis pflegte und seitdem die Idee hatte, dies im Alter noch einmal zu verwirklichen. Gezielt spreche man Alleinstehende oder Pärchen an. Für Familien mit kleineren Kindern sei das Wohnprojekt eher nicht geeignet. „Grundsätzlich können sich aber alle melden, die Interesse an so einer Wohnform haben“, sagt Varwig.

Es werde eine einladende Lobby geben, wo man sich begegnet oder gemeinsam essen kann. Dort soll auch ein Fernseher aufgestellt werden. „Aber wir haben kein spezielles Programm“. Stattdessen könnte es lockere Verabredungen geben, um ins Theater oder Kino zu gehen. Gebag-Chef Bernd Wortmeyer , der selbst nie in einer Wohngemeinschaft gewohnt hat, weiß, dass es anfangs etwas gerumpelt hat in der Planung. „Momentan gibt’s keinen Stress. Und die Wohnungen haben ja Türen, die man abschließen kann.“

Ingrid Weiske ist frohgemut, dass alles gut laufen wird. Sie hat sich die Wohnung im zweiten Stock ausgesucht und zieht extra von Berlin wieder nach Duisburg. „In Reinickendorf konnte ich auch in die Baumwipfel gucken, deshalb habe ich mich für diese Wohnung entschieden.“ Nun freut sie sich auf einen neuen Lebensabschnitt in ihrer alten Heimat mit neuen Weggefährten.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben