Baumfällungen

Wirtschaftsbetriebe fällen acht Linden am Sternbuschweg

Weil bei Bauarbeiten am Sternbuschweg ohnehin die Wurzeln zerstört würden und die Linden in keinem guten Zustand seien, wurden sie gefällt.

Weil bei Bauarbeiten am Sternbuschweg ohnehin die Wurzeln zerstört würden und die Linden in keinem guten Zustand seien, wurden sie gefällt.

Foto: Tanja Pickartz

Duisburg-Neudorf.  Mitarbeiter werben um Verständnis: „Wir können nicht jeden Baum halten.“ Bäume bleiben nach Abholzungsaktionen ein sensibles Thema.

Bäume sind in Duisburg ein emotionales Thema, spätestens seit der Rat die Baumschutzsatzung abgeschafft hat. An der Koloniestraße waren die Bäume bei Bauarbeiten ebenso im Weg wie an der Mercatorstraße. Nun wurden wieder acht Linden entlang des Sternbuschwegs, gegenüber dem Alten Friedhof, gefällt. „Wir können nicht jeden Baum erhalten“, stellt Henning Hürten, Abteilungsleiter für Baumpflege bei den Wirtschaftsbetrieben, klar. „Straßenbäume sind Einrichtungen der Straße und würden sich ihren Standort nie selbst aussuchen.“ Im Fall der Linden am Sternbuschweg sei es so, dass die Kronen nur noch wenige Blätter tragen und die Wurzeln sich kaum noch ausbreiten können. Als nun die Netze Duisburg anmeldeten, neue Leitungen verlegen zu wollten, war klar, dass die Bäume weichen müssen.

Schmaler Ginko als Ersatz

An einer Stelle wurde schon ein Loch gebuddelt. Ein Blick unter die Erde offenbart: Die Wurzeln verlaufen relativ flach an der Oberfläche, suchen sich ihren Weg entlang eines Hauses. Reißt ein Bagger den Boden auf, würden die Wurzeln beschädigt. „Davon erholt sich ein Baum nicht so einfach.“ In den 1950er Jahren, als viele Bäume gesetzt wurden, habe man zum Beispiel schnell wachsende Platanen bevorzugt. Vielleicht sei es nie die Idee gewesen, dass diese mehrere Jahrzehnte stehen würden. „Insgesamt gibt es 52.000 Straßenbäume, das sind mehr als in den 1990er Jahren, als ich in Duisburg angefangen habe, zu arbeiten“, betont Hürten und wirbt bei allen, die vehement gegen Fällungen seien, für Verständnis. Einigen Bäumen sehe man gar nicht an, dass es ihnen nicht gut gehe. Dabei müsse man sich den Bestand genau anschauen und auch in den Aufbau neuer Reihen und Alleen investieren. „Bäume pflanzt man nicht für sich, sondern eigentlich für die Kinder- und Enkel-Generation.“ Die Pflege des Altbestands und die Kontrolle der Äste verschlinge hingegen jedes Jahr viel Geld. Da bleibe kaum noch etwas übrig, um neue Pflanzen zu bezahlen. Rund 30 Mitarbeiter kümmern sich um die Pflege, acht Kontrolleure achten etwa auf die Standsicherheit. Sie haben vor allem nach dem heißen Sommer alle Hände voll zu tun.

Hinzu komme: Die einen Bürger ärgern sich, dass Bäume fallen. Die anderen möchten gerne mehr Licht und unbedingt etwas abholzen. Das sei eine schwierige Gratwanderung. Werden Exemplare von den Wirtschaftsbetrieben gefällt, würde auch Ersatz gepflanzt – in diesem Fall am Sternbuschweg schmaler wachsender Ginko. Ausgewählt werden junge Exemplare mit einem Stammumfang von 18 bis 20 Zentimeter. „Wenn es mit der Baustelle der Netze schnell geht, können wir sie schon im nächsten Frühjahr pflanzen, ansonsten wird es Herbst.“

„Zustand der Bäume untersuchen“

Heinz Kuhlen hat „Baumschule gelernt“, da war er 14 Jahre alt. Später hat er sich bei den Hüttenwerken Krupp-Mannesmann um die Begrünung innerhalb des Geländes gekümmert. Als Fachmann, inzwischen 77 Jahre alt, hält er Vorträge zum Thema Bäume und gilt als Mahner, wenn es darum geht, dass wieder Bäume fallen sollen. Ein Gespräch über die Situation der Straßenbäume.

Was sagen Sie dazu, wenn die Wirtschaftsbetriebe irgendwo im Stadtgebiet mit einer Säge anrücken?

Das muss man differenziert betrachten. An vielen Stellen ist es so, dass die Bäume an den Straßen gar nicht mehr den Platz für ihren Wurzelraum haben und sie über die Jahre zu groß geworden sind. Die Gärtner von heute müssen das Erbe der Planer von vor 50, 60 Jahren antreten. Es gibt viele Standorte, die würde man heute anders wählen. Trotzdem tut mir jeder Baum weh, der gefällt wird.

Gibt es denn auch Alternativen?

Am Kalkweg haben die Bäume zum Beispiel mit ihren Wurzeln den Fahrradweg hoch gedrückt. Dort hat man dann die Spur für die Radler auf die Straße verlegt. Das ist sicher eine gute Lösung.

Die Wirtschaftsbetriebe und die Stadt argumentieren, dass es in Duisburg mehr als 50.000 Straßenbäume gibt. Ist das eine gute Nachricht?

Man müsste auch einmal untersuchen, in welchem Zustand diese Bäume sind. Es gibt Untersuchungen, dass Stadtbäume nur etwa die Hälfte ihres Lebensalters erreichen. Bei Straßenbäumen sind es sogar nur rund 30 Prozent. Die Stadt pflanzt zwar neue Bäume, kommt aber mit der Pflege nicht hinterher. Und die Bürger müssten dazu gebracht werden, sich auch mit um die Bäume zu kümmern und bei einem heißen Sommer, diese zu gießen.

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