Sportfestival

Wie Spider-Mans Konkurrenz die Ruhr-Games-Gäste begeistert

Die Deutsche Meisterschaft im Speedklettern war ein Publikumsmagnet der Ruhrgames.

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Duisburg.  Egal, ob Speedklettern, Stabhochsprung oder BMX-Artistik auf zwei Rädern: Die Besucher erlebten bei den Ruhr Games in Duisburg ein tolles Flair.

Spider-Man hat Konkurrenz bekommen: Wenn Franziska Ritter (16) die 15 Meter hohe und um fünf Prozent nach vorne geneigte Holzsteilwand im kaum zu glaubenden Express-Tempo hinauf kraxelt, scheinen die Gesetze der Schwerkraft außer Kraft gesetzt zu sein. Mit offenen Mündern und staunenden Blicken verfolgen Hunderte Zuschauer auf dem Vorplatz der Gießhalle im Landschaftspark Nord aber nicht nur die wieselflinken Aufstiege der neuen Deutschen Meisterin, sondern aller Speedkletterer.

Diese rasante Sportart zählte fraglos zu den ganz großen Attraktionen der Ruhr Games, die am Sonntag mit einer Rekordresonanz zu Ende gegangenen sind.

Ruhr Games: Die Kletter-Asse sorgten für staunende Blicke

„Das Speedklettern trainiere ich gezielt zweimal in der Woche“, erzählt die aus Wuppertal stammende Ritter. An ihren Fingern kleben noch Reste des Magnesiumsulfats. Das ist die wirksamste Hilfe gegen Schweiß an den Fingerspitzen. Denn es reicht ein Fehlgriff, ein Abrutschen – und schwups: hängen die Kletterer in den per Spezialkarabinern gesicherten Seilen. Und aus ist der Traum vom Triumph. „Die Kulisse hier ist cool“, findet Franziska in einer Kletterpause und blickt auf die Hochöfen. Ihr Herz ist nicht das einzige, das vom Charme der Industriekulisse im Sturm erobert wird.

Verliebt in das Tanzen

Auch Aaron Mbongo ist hin und weg. Der 24-jährige Essener tritt beim Hip-Hop Freestyle an. Das ist ein Tanzwettbewerb, bei dem jeder der jungen Starter der Jury beweisen muss, welche Bewegungen er drauf hat. Zum Rhythmus der Musik, die aus den Lautsprecher-Boxen knallt, bleiben dafür aber nur ganze 45 Sekunden Zeit. „Da musst du zeigen, was du kannst“, sagt Aaron, der ein Trikot des Real-Madrid-Stürmers Karim Benzema trägt. Früher hat auch er Fußball im Verein gespielt. „Aber vor fünf Jahren habe ich mich in das Tanzen verliebt“, sagt Aaron und strahlt. Inzwischen arbeitet er sogar für eine Tanzschule und gibt Unterricht für die Jüngsten.

Judoka kämpfen im Schatten der Hochöfen

Weiter hinüber zum Center Court, der auf dem Cowperplatz zwischen den Hochöfen 2 und 5 aufgebaut ist. Drei Sitztribünen umgeben das Spielfeld in der Mitte. An der vierten Seite ist der Eingangsbereich für die Aktiven. Ein Judo-Vergleich steht gerade auf dem Programm. Doch egal, welche Sportart es gerade zu bestaunen gibt: Die Tribünen sind eigentlich immer und überall bestens besetzt. Das verleiht dem Ganzen ein besonderes Flair, das sich auch sofort auf die Aktiven überträgt.

Ein Moment der gefühlten Schwerelosigkeit

So auch auf Kieran Reilly. Der ist gerade mal 17 Jahre alt. Doch was der junge Mann aus dem englischen Newcastle da auf seinem BMX-Rad an artistischen und akrobatischen Elementen auf die Rampe zaubert, ist wirklich magisch. In der Halfpipe scheinen sein Rad und sein Körper schwerelos in der Luft zu stehen. Die Zuschauer johlen vor Begeisterung. Diese akustische Auszeichnung erhalten auch die anderen BMX-Asse mit ihren „fliegenden“ Rädern. Auf das Fliegen steht auch Nils Arians. Der 17-Jährige ist Stabhochspringer im Leistungskader von Bayer Leverkusen. Wie er die Kulisse hier findet? „Alt, groß und geil“, bringt es der Leichtathlet auf den Punkt. Und von was träumt er in seiner noch jungen Profisportler-Karriere? „Einmal einen Wettkampf im deutschen Nationaltrikot bestreiten zu dürfen“, sagt Nils und strahlt.

Nach Strahlen ist Alex (20) gerade gar nicht zumute. Der junge Mann steht mit freiem Oberkörper ausgepumpt neben einer Matte. Er gehört zu jener Gruppe, die der Öffentlichkeit Calisthenics vorführt. Das ist ein kraftzehrendes Training, bei dem vor allem das eigene Körpergewicht genutzt wird – etwa bei Klimmzügen, einarmigen (!) Handständen oder Liegestützen. Diesen durchtrainierten Jungs, die keinen Gramm Fett zu viel am Körper haben, reicht das aber nicht. Drum legen sie bei den Liegestützen noch eine 10-Kilo-Gewichtsscheibe als Ballast auf den Rücken – und schaffen trotzdem 50 bis 60 Wiederholungen in 90 Sekunden. „Da bekomme ich ja schon vom Zuschauen Muskelkater“, sagt ein Besucher. Er zieht weiter. Da hinten wartet schon der nächste Hingucker.