„Weißer Riese“

Wie es nach der Sprengung in Duisburg jetzt weiter geht

Da liegt er in Trümmern, der „Weiße Riese“ an der Friedrich-Ebert-Straße. Von seinem Abbruch soll für Duisburg-Hochheide jetzt ein Aufbruch ausgehen.

Da liegt er in Trümmern, der „Weiße Riese“ an der Friedrich-Ebert-Straße. Von seinem Abbruch soll für Duisburg-Hochheide jetzt ein Aufbruch ausgehen.

Foto: Tanja Pickartz

Duisburg-Hochheide.   Das Ende des ersten „Weißen Riesen“ soll für das Viertel Signalwirkung haben. Die Stadt will es aufwerten. Ziel: Der „Central Park Hochheide“.

Als sich der Staub nach einigen Minuten verzogen hatte und den Blick freigab auf die Trümmer, wurde für die Menschen und auch für Politik und Stadt eines sehr rasch deutlich: Das Ende von Friedrich-Ebert-Straße 10-16 steht für eine Art Anfang. Und der geht weit darüber hinaus, dass die 320 jetzt am Boden liegenden Wohnungen zu noch kleineren Schuttstückchen zerkleinert werden müssen.

Diese Reste des „Weißen Riesen“ sollen nämlich an Ort und Stelle bleiben. Zum Teil werden sie benötigt, um die gewaltige Baugrube des 90 mal 16 Meter großen und 62 Meter hohen Ex-Wohnturms zu füllen. Rechnet man sämtlichen Stahl ab, den Magnete zum recyceln aus den Mauern ziehen, ergibt sich noch ein hübscher Haufen, der weniger Meter weiter als Erdwall für eine Sprengung genutzt werden kann. Hier steht nämlich mit der Adresse Ottostraße 24-30 der nächste Abbruchkandidat identischen Bautyps.

Der Sprengmeister kennt auch das Nachbargebäude

Sprengmeister Martin Hopfe kennt das Gebäude gut, liebend gerne würde er es dem Boden gleich machen. „Die Ausschreibung läuft ja noch, es wäre schön, wenn wir hier auch zum Zuge kommen könnten“, sagt der Mann von der Thüringer Sprenggesellschaft bewusst vorsichtig.

Eine gute Hand voll Unternehmen hätte sich an der Ausschreibung beteiligt, laut Projektleiter Marc Sommer ist in den kommenden sechs Wochen damit zu rechnen, dass der Generalunternehmer für die Sprengung von der Stadt bekanntgegeben wird. Ob dies wie beim ersten „Weißen Riesen“ Prangenberg & Zaum wird, ist somit noch völlig unklar. Die Arbeiter packen erst einmal ein und ziehen weiter zu einer anderen Baustelle. Auch sie würden gerne wiederkommen.

Der Zustand von Ottostraße 24-30 unterscheidet sich vom gesprengten Haus. Marc Sommer geht davon aus, dass dort wesentlich weniger Sperrmüll zu finden ist als an der Ebert-Straße (800 Tonnen). Dafür fliegen in dem Haus seit nahezu zwei Jahrzehnten die Tauben ein und aus, der Spitzname des Gebäudes kommt nicht von ungefähr – „Deutschlands größter Taubenschlag“. Sommer beschreibt den Zustand in den Wohnungen so: „Ab der siebten Etage sind sie nicht mehr passierbar.“ Jede Menge Arbeit wartet also auf die künftige Sprengtruppe. In anderthalb bis zwei Jahren soll es soweit sein.

Falttechnik für die Ottostraße

Zum Einsatz soll dann übrigens auch wieder die bewährte Falttechnik kommen. Das heißt, auf zwei Ebenen wird minimal zeitverzögert gezündet, das Gebäude sackt dann quasi in sich zusammen. „Hier würde man die insgesamt vier Türme nicht nach rechts und links fallen lassen“, erklärt Sprengmeister Hopfe. Da neben dem Haus gleich ein nächstes steht, würden die beiden äußeren Viertel in Richtung Hausmitte kippen.

Weiter geht’s mit der Zukunftsmusik. Ist dann auch dieser Koloss gefallen, soll mit Ottostraße 54-56 ein drittes Hochhaus gesprengt werden, die Stadt hat es gekauft und zieht es aktuell leer. In rund vier Jahren soll das Viertel dann ansatzweise so aussehen, wie es sich die Stadtoberen um Oberbürgermeister Sören Link (SPD) vorstellen. Drei weitere „Weiße Riesen“ mit insgesamt 720 Wohnungen sind von den durch Fördermittel des Landes in Höhe von 17 Millionen Euro möglich gemachten Sprengplänen nicht betroffen.

Wohnraum, der schlicht nicht mehr benötigt wird

Das Leben im Hochhaus ist in Duisburg nicht mehr gefragt, so muss die Hälfte der 60 Meter hohen Türme weichen. Und da der Wohnraum in der Stadt nicht mehr benötigt wird, soll auf der Fläche der drei Hochhäuser, rund 50.000 Quadratmeter, eine Grünanlage entstehen. Seit Jahren geistert mit „Central Park Hochheide“ auch bereits ein Name für das Areal durch das Quartier.

Grünfläche statt Wohnungen, in Düsseldorf wäre es aufgrund aktuell akut fehlenden Wohnraums wohl eher umgekehrt. Ein Hochhaus derart guter Bausubstanz würde saniert werden, sagt Landes-Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU). „Es hängt immer von den Umständen vor Ort ab. Hier ist es eben nötig, Wohnraum zurückzubauen.“

Spektakuläres Video: Sprengung des Weißen Riesen in Duisburg

In Duisburg wurde der "Weiße Riese" in tonnenweise Schutt verwandelt. Die Aufräumarbeiten verzögern sich bis 15.30 Uhr. 2500 Menschen betroffen.
Spektakuläres Video: Sprengung des Weißen Riesen in Duisburg
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