Pflege

Wie ein Rentnerpaar in Duisburg mit der Demenz kämpft

Brunhild Magunia ist an Demenz erkrankt und nimmt gemeinsam mit ihrem Mann Roland am Gedächtnistrainingskurs der AWO teil.

Foto: Lars Fröhlich

Brunhild Magunia ist an Demenz erkrankt und nimmt gemeinsam mit ihrem Mann Roland am Gedächtnistrainingskurs der AWO teil. Foto: Lars Fröhlich

duisburg.   Roland und Brunhild Magunia träumten den Traum vom Reisen mit dem Wohnmobil, wenn sie mal im Ruhestand sind. Doch dann kam die Demenz.

Roland und Brunhild Magunia leben seit 10 Jahren in Rheinhausen. Sie war Verwaltungsangestellte und er kaufmännischer Angestellter. Beide freuten sich auf die bevorstehende Rente. Beider Traum war es, mit dem Wohnmobil Europa zu entdecken. Viele freuen sich auf so einen Ruhestand, doch für die Magunias wird er sich nicht realisieren lassen. Vor vier Jahren bekam Brunhild die Diagnose „Demenz“. Mit knapp 61 Jahren. „Das hat uns natürlich komplett den Boden unter den Füßen weggerissen“, sagt Roland Magunia. „Wir hatten so viele Pläne und standen erstmal ziemlich ratlos da“. Der 65-Jährige erzählt ohne Wut, Enttäuschung und Frust.

Liebevoll blickt er immer wieder zu seiner Frau hinüber, die ohne ihn verloren wäre. Brunhild sitzt still neben ihm und hört zu. Sprechen tut sie nicht. „Ich bin sehr froh darüber, dass es in Duisburg so viele Beratungsstellen gibt, die Möglichkeiten aufzeigen. Irgendwann wird es zu viel für einen alleine.“ Ein Jahr lang hat Roland seine Frau alleine gepflegt. Sie morgens geduscht, angezogen, dafür gesorgt, dass ihr nicht zu kalt oder zu warm ist. „Der Pflegende lebt in zwei Menschen“, fasst er die Situation zusammen.

„Wenn ich etwas trinke, dann muss ich mich daran erinnern, dass auch meine Frau regelmäßig trinkt, zur Toilette geht und so weiter. “ 43 Jahre sind die beiden jetzt verheiratet. Ein gemeinsames Leben, das vor vier Jahren noch einmal von vorne begonnen hat. Nur eben anders. „Meine Frau ist stark auf mich fixiert. Wenn ich am Computer sitze, dann ist sie gerne in meiner Nähe. Wir verbringen den ganzen Tag gemeinsam.“

Nach einem Jahr schwanden ihm die Kräfte

Roland Magunia sagt mit keiner Silbe, dass es ihm ab und zu zu viel wird, dass er Raum und Zeit für sich braucht. Er meistert die Situation so, wie sie ist. Mit seiner Frau, für seine Frau. Die beiden haben keine Kinder, so dass direkte familiäre Unterstützung nicht vorhanden ist.

Nach einem Jahr Vollzeitbetreuung merkte der Rentner dann, dass seine Kräfte schwinden. „Da habe ich mich dann nach Hilfe umgesehen. Jetzt ist meine Frau dienstags und freitags in Moers, im Mariengarten, in einer Tagespflege. Mir ist wichtig, dass sie dort unter Leute kommt. Und ich kann zu Hause Dinge schneller und effektiver erledigen.“

Donnerstagvormittag besuchen die beiden zusätzlich einen Gedächtnistrainingskurs für Paare bei der AWO-Familienbildung. „Hierbei gefällt mir besonders, dass wir den Kurs gemeinsam besuchen. Meist sind die Angebote nur für die Betroffenen selber.“ Schwierig ist aus Rolands Sicht das richtige Navigieren durch das Angebotsdickicht. „Die Beratungsstellen machen viele Vorschläge, doch die Gruppe oder der Kurs, der letztendlich der Richtige ist, den muss man selber finden. Und das dauert oft recht lang.“

Stück für Stück loslassen in das Vergessen

Roland Magunia rät allen Angehörigen, nicht zu lange zu warten, bis sie sich Hilfe holen. Auch, wenn es anfangs schwerfällt. „Man muss Vieles lernen. Vor allem das Loslassen können. Die hilfebedürftige Person in fremde Hände geben ist schwer.“ Hier blickt er seine Frau lange an.

Es ist nicht nur das räumliche Loslassen, sondern auch das Stück für Stück loslassen ins Vergessen, das erlernt werden muss.

Weitere Infos: www.forum-demenz.net

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik