Sturmschäden

Wer zahlt, wenn Nachbars Baum fällt

Das Dach von Josef Kriegers Werkstatt wurde bei Sturm durch herabstürzenden Äste eines Baumes vom Nachbargrundstück beschädigt.

Foto: WAZ FotoPool

Das Dach von Josef Kriegers Werkstatt wurde bei Sturm durch herabstürzenden Äste eines Baumes vom Nachbargrundstück beschädigt. Foto: WAZ FotoPool

Duisburg-Bergheim.  Fällt ein Ast oder gar ein ganzer Baum aus Nachbarsgarten aufs eigene Dach, ist das höhere Gewalt, und der Geschädigte hoffentlich gut versichert. Es sei denn, der Nachbar hat sich nicht ausreichend um den Baum gekümmert. Man kann seine Gebäude natürlich dagegen versichern. Ein Beispiel aus Rheinhausen.

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Wenn einem der Sturm einen Ast von Nachbars Baum aufs Dach wirft, hat dann der Besitzer des Daches Pech, oder ist der Besitzer des Baumes zu Schadenersatz verpflichtet? Zu dieser Frage haben Josef Krieger, der in Bergheim eine Autowerkstatt betreibt, und die Stadt Duisburg unterschiedliche Auffassungen.

Die Stadt ist für Krieger nämlich besagter Nachbar: Hinter seiner Werkstatthalle grenzt eine öffentliche Grünfläche mit diversen Bäumen an. Und die verlieren laut Krieger „regelmäßig“ Äste, die auf seinem Hallendach landen und Schäden verursachen - Schäden, die dann seine Versicherung reguliert, weil die Stadt angibt, dafür nicht zuständig zu sein.

Klingt komisch, ist aber so

Klingt für Laien seltsam, ist laut einem von der Redaktion befragten Juristen aber tatsächlich so: „Sturmschäden sind höhere Gewalt. Es gibt also keinen Verursacher, den man dafür haftbar machen könnte. Man kann seine Gebäude natürlich dagegen versichern. Tut man das allerdings nicht, bleibt man auf dem Schaden sitzen“, sagt Anwalt Jürgen Malberg. Um einzuschränken: „Der Nachbar ist gemäß der allgemeinen Gesetze natürlich verpflichtet, seine Bäume ausreichend zu sichern. Äste dürfen nicht zu weit über das Nachbargrundstück ragen, und wenn sie morsch sind, muss man sie entfernen, bevor etwas passiert.“

Das, hatte die Stadt Krieger des Öfteren versichert, sei regelmäßig geschehen: „Die haben mir gesagt, das Grünflächenamt würde zwei Mal im Jahr kontrollieren und die Bäume, wenn nötig, beschneiden.“ Er bezweifelt das: „So weit, wie die über den Zaun hängen, kann das doch nicht richtig sein. Und Arbeiter, die mal was beschneiden, habe ich hier auch schon sehr lange nicht mehr gesehen.“

Morsche Bäume sind oft ein Dauerstreitthema

Gut möglich, dass sich demnächst ein Gericht näher mit dieser strittigen Haftungsfrage befasst. Denn Krieger ist nach dem letzten Sturm, Ende vergangener Woche, nicht gewillt, erneut seine Versicherung zu bemühen. Ein rund zehn Meter langer, mehr als oberarmdicker Ast flog auf sein Dach, beschädigte mehrere Ziegel und die Dämmung darunter: „Wer weiß, wie lange die sich das noch bieten lassen, dass die bei mir am laufenden Band neue Schäden zu regulieren haben, weil nebenan die Bäume stehen, von denen dauernd Äste abbrechen. Am Ende schmeißen die mich noch raus.“

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