Verbraucherschutz

Wenn sich das Traumhotel an der Ostsee als Flop entpuppt

Nach Kolberg an der polnischen Ostseeküste führte die Reise unserer Leserin aus  Rumeln. Eine Tour, die sich als großer Nepp erweisen sollte.

Foto: Hans Blossey

Nach Kolberg an der polnischen Ostseeküste führte die Reise unserer Leserin aus Rumeln. Eine Tour, die sich als großer Nepp erweisen sollte. Foto: Hans Blossey

Duisburg-Rumeln.   Helga Wedekind aus Rumeln ist auf eine Hotel-Annonce hereingefallen. Das in höchsten Tönen beworbene Kurhotel entpuppte sich als Absteige.

Es klang so schön. Zwei Wochen im Kurhotel, Massagen, Fangopackungen, Whirlpool, Tanzabend, Klavierkonzerte, Rundumverpflegung mit Büffet und den Ostseestrand nur ein paar Schritte entfernt. Als Helga Wedekind die Anzeige in der Apotheken Umschau entdeckte, entschied sie sich spontan zur Reise ins polnische Kolberg. Auch, weil Hin- und Rückreise inklusive waren und das Hotel damit warb, dass die Gäste direkt von zu Hause abgeholt werden. „Das war das Lockangebot“, sagt die Rumelnerin rückblickend und seufzt. „Hätte ich mir doch bloß vorher mal im Internet Bewertungen angeschaut.“

Tatsächlich sind die einschlägigen Portale im weltweiten Netz voll mit Warnungen vor dieser Reise. Denn die Glanzzeiten des Kurhotels sind längst passé. Das Urteil von Helga Wedekind ist eindeutig: „Das war die absolute Abzocke!“ Und weil sie andere vor diesem Reinfall bewahren möchte, hat sie uns von der Reise erzählt, die am 12. August nachts um 4.20 Uhr startete. Pünktlich wurde die Reisende aus Rumeln zuhause abgeholt. Bis mittags ging’s quer durch die Lande, um andere Gäste abzuholen, bis die Gruppe dann endlich auf der Autobahn den polnischen Badeort ansteuerte. 16 Stunden dauerte die Fahrt, zum Entsetzen der Duisburgerin bewältigte der Busfahrer, der kein Wort Deutsch sprach, die ganze Tour alleine, mit lediglich kleinen Pause. „Sowas kann lebensgefährlich werden.“

Versiffte Toilette, herunter hängende Gardinen

Nach der Ankunft um 20.15 Uhr im Hotel mussten die neuen Gäste nicht nur ihre Personalausweise abgeben, sondern auch gleich die komplette Reise bezahlen. „Das kam mir irgendwie komisch vor, aber ich habe das gemacht.“ Als sie kurz darauf ihr Zimmer betrat, ahnte sie den Grund der Vorkasse. Nach dem Anblick der dreckigen Unterkunft hätte Helga Wedekind den vollen Preis nie und nimmer mehr bezahlt. „Ich dachte mich tritt ein Pferd.“ Versiffte Toilette, herunter hängende Gardinen, nirgends sauber gemacht. Ein Zimmerwechsel wurde abgelehnt und Helga Wedekind sah keine andere Möglichkeit, als ihre Urlaubsbleibe notdürftig selber zu reinigen.

„Leider ging das alles dann so weiter.“ Handtücher wurden nicht gewechselt, das Essen war ungenießbar, der Kurbereich mit den Bädern war ebenfalls verdreckt. „Da war ein Ehepaar aus Leipzig, das hatte gar keine Handtücher, die haben sich Stoffservietten vom Tisch mitgenommen.“ Die Rumelnerin wollte ihren Aufenthalt eher abbrechen, aber sie hatte keine Rückreisemöglichkeit. Als sie im Hotel ankündigte, dass sie sich nach ihrer Rückkehr nach Deutschland über die Abzockreise beschweren wird, da sprach sie ein älterer Mann an, ob er sich an die Beschwerde dranhängen könne. Er hatte seine Hand verbunden. Der gebrechliche Herr war nach einer Badeanwendung im Kurbereich in der rutschigen Wanne gestürzt. Eine Angestellte hatte ihm einfach das Wasser abgelassen und war verschwunden, ohne dem Gast herauszuhelfen.

Mitleidige Blicke anderer Touristen

„Unfassbar“, wettert Helga Wedekind. „Die locken alte Menschen mit der Haustürabholung und dann landet man in so einem Drecksloch.“ Die Apotheken Umschau, in der die Anzeige erschienen ist, hat übrigens reagiert. „Nach Beschwerden von Lesern nehmen wir keine Anzeigen des Hotels mehr an, seit 1.9.2017 sind keine Anzeigen des Hotel Awangardia mehr erschienen“, schreibt eine Verlagsmitarbeiterin auf unsere Anfrage. Im Kurort selber ist der Zustand des Awangardia offenbar kein Geheimnis. „Wir wurden überall mitleidig angeschaut, als wir gesagt haben, wo wir wohnen.“ Ein Taxifahrer, der Helga Wedekind zu einem Restaurant fuhr und etwas Deutsch sprach, formulierte es unverblümt drastisch: „Hotel Awangardia? Ganz große Scheiße!“

>>> DAS SAGT DIE VERBRAUCHERZENTRALE

Beate Wagner, Rechtsanwältin mit Schwerpunkt Reiserecht bei der Verbraucherberatung Nordrhein-Westfalen, kennt derartige Fälle. „So etwas haben wir immer wieder.“ Vor allem das Angebot, Reisende abzuholen und wieder nach Hause zu bringen, wirke gerade bei Senioren als „großes Verkaufsargument“.

Der Rechtsweg jedoch gestalte sich als schwierig: Es handelt sich um keinen deutschen Veranstalter, so dass deutsches Reiserecht hier nicht greift - vielmehr trete das angebliche Kurhotel in Polen selbst als Veranstalter auf bzw. eine eigens dafür gegründete Gesellschaft. Dadurch gelte nicht einmal europäisches Pauschalreiserecht, sondern polnisches Recht. Folge: „Wir sind rechtlich außen vor.“

Die Fachfrau rät, immer dann hellhörig zu werden, wenn ein Vertragspartner wie hier im Ausland sitzt. Dies bedeute natürlich nicht zwingend, dass Probleme auftreten - aber wenn, ist es sehr schwer, sich zu wehren.

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