Gesundheit

Veronika-Haus in Rumeln-Kaldenhausen lud zum Parkinson-Tag

Sina Kandora (l.) und Sarah Schepers von der Hamborner Praxis „Covelli und Dickerhoff“ kümmern sich in Kooperation mit Neurologen, Ergotherapeuten und Logopäden um die Parkinson-Betroffenen im Kaldenhausener Veronika-Haus.Foto:Oleksandr Voskresenskyi

Sina Kandora (l.) und Sarah Schepers von der Hamborner Praxis „Covelli und Dickerhoff“ kümmern sich in Kooperation mit Neurologen, Ergotherapeuten und Logopäden um die Parkinson-Betroffenen im Kaldenhausener Veronika-Haus.Foto:Oleksandr Voskresenskyi

Duisburg-Rumeln-Kaldenhausen.   Im Rahmen des Welt-Parkinson-Tages stellte die Einrichtung einen ersten Info-Tag auf die Beine. 280 000 Menschen sind in Deutschland betroffen.

Künstler Salvador Dalí, Box-Weltmeister Muhammad Ali und die amerikanische Country-Legende Linda Ronstadt eint eines: Sie alle erhielten die Diagnose Parkinson. Die Deutsche Parkinson-Gesellschaft schätzt, dass weltweit rund 4,1 Millionen Menschen an Parkinson erkrankt sind. In Deutschland sind etwa 280.000 Menschen betroffen.

Als kurzzeitige und tattrige Phase abgetan, bleibt Parkinson oft unbehandelt und schreitet weiter fort. Dass Parkinson weit mehr ist, als unangenehmes Finger zittern, zeigte sich jetzt im Veronika-Haus. Die Verantwortlichen der Kaldenhausener Malteserstift-Pflegeeinrichtung hatten erstmalig zum Parkinson-Tag eingeladen „Am 11. April fand der Welt-Parkinson-Tag statt. Auf der ganzen Welt informierten soziale Einrichtungen über die weit verbreitete Erkrankung“, so Einrichtungsleiter Joachim Pertz. „Wir nehmen den Tag zum Anlass, um vor Ort über Parkinson zu sprechen und lokale Hilfsangebote zu präsentieren.“

Pflegekräfte werden speziell geschult

Das Konzept ging auf. Schon am Vormittag kamen zahlreiche Betroffene, Angehörige und weitere Interessierte zum Aktionstag. Sie informierten sich über Therapiemöglichkeiten wie etwa den Sport Tai-Chi und lauschten Expertenvorträgen. Fachkräfte finden sich auch im Team des Veronika-Hauses. „Unsere Pflegekräfte durchlaufen eine spezielle Schulung“, erklärte Pertz und führte die Besucher auf die Wohnetage für Parkinson-Erkrankte. Acht Bewohner mit Parkinson leben aktuell hier.

Wer auf den Boden schaute, erblickte einen auffälligen Streifenteppich. „Die Streifen helfen bei der Orientierung. Die Bewohner laufen etappenweise“, erklärte Pertz. Das Sturzrisiko mindern und die allgemeine Lebensqualität erhöhen waren Themen, die auch an den Aktionsständen angesprochen wurden. Anneliese Meyering probierte die Gangbild-Analyse und lief über eine gerade Linie. „Gar nicht so leicht“, fand sie.

„Wir sind froh, dass wir uns heute informieren können“, sagte Tochter Erika. Sie merkte, dass Mutter Annegret in letzter Zeit in kleinen Schritten und stark gebeugt ging, oftmals sehr leise und undeutlich sprach. „Beim Arzt stellte sich heraus, dass es Parkinson ist.“

Die Diagnose Parkinson verändert den Alltag

Wie die Diagnose den Lebensalltag verändern kann, wissen die Logopädinnen Sarah Schepers und Sina Kandora der Hamborner Praxis „Covelli und Dickerhoff“. In Kooperation mit Neurologen und Ergotherapeuten betreuen die Logopäden die Parkinson-Betroffenen im Veronika-Haus. „Es gibt einige Ärzte, die nicht über Therapieformen informieren. Betroffene wissen dann nicht, wie sie mit der Erkrankung umgehen sollen“, so Kandora. Vieles könne man präventiv machen, bevor Gesichtsmuskeln erschlaffen und Schluckstörungen auftreten.

Eine Trainingsform sei ein simples, tägliches Aussprechen der Sprenglaute P, K und T. Jacke und Kiste seien typische Übungswörter, erklärte Schepers: „P kräftigt die Lippen, T hebt die Zungenspitze und K stärkt den Gaumensegel.“ Ferner gebe es spezielles Essbesteck, das Betroffenen die Nahrungsaufnahme erleichtert. Kandora betonte, dass es wichtig ist, über Parkinson aufzuklären: „Niemand muss sich vor der Erkrankung fürchten. Eine regelmäßige Therapie hilft und ermöglicht Betroffenen ein normales Leben.“

Einrichtungsleiter Pertz war überrascht von der positiven Resonanz: „Es ist toll, dass sich so viele Leute informieren. Es zeigt, dass großer Informationsbedarf herrscht und solche Angebote notwendig sind.“ Künftig will er mit seinem Team jährlich einen Parkinson-Tag veranstalten, um möglichst viele Menschen zu erreichen.

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