Kultur

Stehende Ovationen für die Kleine Bühne Friemersheim

Wer nun mit wem und in welchen Zimmer? Bei „Wenn schon, denn schon“ gab es auf der Bühne  jede Menge Verwicklungen.

Foto: Tanja Pickartz

Wer nun mit wem und in welchen Zimmer? Bei „Wenn schon, denn schon“ gab es auf der Bühne jede Menge Verwicklungen. Foto: Tanja Pickartz

Duisburg-Friemersheim.   Zum 20-jährigen Bestehen bot die Kleine Bühne Friemersheim ein stark gespieltes Boulevardstück, Titel: „Wenn schon, denn schon“.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Gerade in Zeiten der „Metoo“-Kampagnen im Brüsseler Europa-Parlament bekommt das Boulevardstück „Wenn schon, denn schon“ von Ray Cooney einen ganz besonderen Beigeschmack. Denn solche Kampagnen müsste es - statt Brexit - wohl auch im britischen Unterhaus geben. Wenn man der Aufführung zum 20-jährigen Jubiläum der Kleinen Bühne Friemersheim in der Aula der Marktschule glaubt, denn da geht es um einen hohen britischen Beamten des Innenministeriums Richard Willey (großartig großmännisch schwäbelnd: Erich Trautmann), der eine Sex-Affäre mit der Sekretärin Jennifer Bristow (wohlproportioniert und sexy: Claudia Pandinu) in einem Hotel in Westminster plant.

Abenteuer auf dem Hotelzimmer

Unter der Regie von Margit Sikorska entwickelt sich eine turbulente Komödie, die deswegen richtig Fahrt aufnimmt, weil Richards Frau Pamela (leidenschaftlich: Ulrike Ambaum) im Nebenzimmer des Hotels ein Abenteuer mit einem unmittelbar Untergebenen ihres Mannes, dem Beamten George Adams (Klaus Rütter) vorbereitet. Und damit hat Rütter, wenn schon keinen Emmy – so doch zumindest den Friemersheimer Hahn verdient. Großartig spielt der Hobbyschauspieler diesen hemdsärmeligen Beamten George, der das Zimmer als Strohmann für seinen Vorgesetzten Richard als Mr. Pfingsten reservieren soll. George muss sich aber, weil er unter dem Pseudonym entdeckt wird, tarnen und gibt sich als Dr. Peter Paul Himmelfahrt aus, womit er noch in die Rolle des Gynäkologen der Damen später schlüpft. In diesem Chaos von drei Persönlichkeiten zu stecken, macht einen guten Boulevardschauspieler aus, denn Klaus Rütter meistert diese Schwierigkeit bravourös. Mal muss er sich den Verführungen von Pamela erwehren, die im sexy Nachthemd fast mannstoll vor ihm steht, mal versucht er die Situation zu retten, als auf einmal Richard in das Nebenzimmer stürmt, und George, mit Badeschaum am nackten Oberkörper bedeckt, dessen Frau in das Badezimmer schubst und sagt: „Da drinnen ist Ted. Er ist mein Teeboy.“ Und sich selbst damit noch eine homoerotische Affäre andichtet.

Die Türen knallten, mehr als 100 Mal

Insgesamt mehr als hundert mal knallen sie zu, die sechs Türen, die in das schöne Hotelbühnenbild eingelassen sind, auf und zu. Immer wieder werden sowohl George und Pamela, aber auch Richard und Janett vom chinesischen Zimmerkellner (immer schräg: Goda Schregel) oder vom neugierigen Hotelmanager (Karl-Heinz Vogt) daran gehindert, miteinander ins Bett zu hüpfen. Und das ganze Chaos ist nicht mehr zu toppen, als noch der Ehemann von Jennifer (Nachwuchshoffnung: Fabian Jürgens) und die biedere Beamtin vom Außenministerium Lilly Chatterton (Jutta Hantke-Bonikat) in diesen über zwei Zimmer verteilten Sündenpfuhl platzen.

Witzige Dialoge, die doppeldeutig bis schlüpfrig waren, und ein atemberaubendes Tempo veranlassten die etwa 200 Zuschauer zu stehenden Ovationen am Ende. Theaterfan Ulrich Fricke: „Großartige Aufführung, schade, dass es solch witzige Boulevardschauspiele nicht mehr im Fernsehen gibt.“ Dafür gibt es sie seit 20 Jahren bei der Kleinen Bühne in Friemersheim.

>>>Drei weitere Vorstellungen>>>

Erstmalig hat die Kleine Bühne Friemersheim mit zwei Bühnenbildern gearbeitet, die übrigens von Karl-Heinz Vogt und Fabian Jürgens Vater entwickelt wurden. So können die Szenen zwischen Empfangshalle und den beiden nebeneinander liegenden Hotelzimmern schnell umschalten, in einer kurzen Umbaupause, an der alle Mitspieler fix mitwirken.

Weitere Termine: Freitag, 24. November, 19 Uhr, Samstag, 25.,19 Uhr, Sonntag, 26., 16 Uhr. Restkarten bei Reiseecke Körner; Kronprinzenstraße, Friemersheim. Preis: Je neun Euro.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik