Kultur

Rumelner bejubeln ein Trio, das eigentlich ein Quartett ist

Das Vier Mann-Trio (v.l.): Ralf Diedenhofen, Jürgen Schwalk, „Poncho“ Valdés und Georg Herz beim Rumelner Jazz-Café.

Das Vier Mann-Trio (v.l.): Ralf Diedenhofen, Jürgen Schwalk, „Poncho“ Valdés und Georg Herz beim Rumelner Jazz-Café.

Foto: Sivani Boxall

Duisburg-Rumeln-Kaldenhausen.   Zum ersten Mal spielte das „Trio Hut up“, das eigentlich ein Quartett ist, im Kulturspielhaus. Eine Besprechung.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Sie hatten schon Angst, dass man vor lauter Klirren der Kuchengabeln an den Tellern und Tassen ihre feinen Percussioninstrumente nicht mehr hören könnte. Doch Glück gehabt - die Zuschauer im Kulturspielhaus rissen sich am Riemen und wippten beim „Jazz Café“ wohl eher mit den Füßen. Beim Auftritt der vier Musiker von „Trio Hut up“, die vom Niederrhein angereist waren, konnten 80 Gäste jedenfalls nicht still sitzen bleiben.

Ein Trio zu Viert? „Ja, ursprünglich waren wir drei, doch unserem Schlagzeuger haben wir ganz viel Geld geboten, damit er bleibt.“ Mit chilenischen Pesos wurde Trommler Alfonso „Poncho“ Valdéz geradezu „bestochen“, damit er weiter für die Formation auf die Felle schlägt. So formuliert es Gitarrist Jürgen Schwalk, der selbst an der Folkwanghochschule in Essen Klassische Gitarre studiert hat.

Südamerikanische Rhythmen klingen durch

Es gibt zwar manche Sonatina zu hören, doch sein Repertoire hat Schwalk längst ausgeweitet: In den selbst geschriebenen Songs klingen viele südamerikanische Rhythmen durch, die er geschickt mit Flamencomelodien oder aufgelösten Jazz-Akkorden kombiniert. Mal klingt es auch einfach nach gutem Funk, wenn er die Akkorde seiner „Silent Guitar“ von Yamaha anschlägt.

Diese Gitarre ist quasi luftleer und ohne Gehäuse, nur der äußere Rahmen ist durch Verstrebungen vorgegeben jedoch ohne Resonanzkörper. „So gibt es auch keine nervenden Rückkopplungen“, weiß der erfahrene Gitarrist. Die kann der Mittfünfziger bei seinem distinguierten Spiel nicht gebrauchen. Denn mal klingt der Mann aus Kempen wie George Benson, wenn er punktuell die Noten seiner Yamaha betont, mal löst er wie John Scoffield schwierigste Septim-Akkorde auf, um dann P-Funk-Licks leise anzustimmen.

Dazu gibt es percussive Unterstützung von Georg Herz an den Congas und der Cajon. „Ich bin sehr weit gereist, war oft in Kuba auch bei ‚Changuito‘ als Lehrmeister und habe mir das Spiel autodidaktisch beigebracht“, sagt der Mann mit dem Hut. Ihr Kontrabassist hat sein Spiel sogar im „Labor“ erforscht und steuert so manches introvertierte Solo bei. „Das hieß damals „JazzLabor“ an der Duisburger Uni, wo ich viel gelernt habe“, lacht Ralf Diedenhofen.

Ausschließlich eigene Stücke

Nur Eigenkompositionen, meist aus der Hand von Jürgen Schwalk, spielt das „Trio-Quartett“. Einen Hit hat die Formation bereits. „Solanie“, das Stück wird sehr oft auf WDR 5 präsentiert momentan. „Ich bin mal auf unsere GEMA-Ausschüttung gespannt“, lacht Schwalk.

Aber überhaupt haben die vier ein beeindruckendes Album mit „Cuarta Avenida“ abgeliefert. Feine Bossa-, Rumba-, und Chacha-Rhythmen wechseln mit spanischen Elementen, oder dem Spiel eines vertrackten europäischen Jazz-Trios. Sehr starke Titel wie „SAGI“ oder „Circulo Magico“ bauen die Vier über ihr driftendes Improvisationstalent ins schier Unendliche aus.

Und es wird sogar plastisch für die Zuschauer durch die Musik, wie der Verkehr in dem Titel „Cuarta Avenida“ (eine viel befahrene Straße in Santiago dé Chile) auf einmal in alle Richtungen zu fließen scheint. Großen Applaus gab es von den 80 begeisterten Gästen, die bestens versorgt waren mit Kaffee und Kuchen und feinstem Jazz.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben