Internet-Kriminalität

Rheinhauser Medienscouts geleiten sicher durchs Netz

Ulrike Huft und Bernhard Wagner mit den Medienscouts der Heinrich-Heine-Gesamtschule.

Foto: Oleksandr Voskresenskyi

Ulrike Huft und Bernhard Wagner mit den Medienscouts der Heinrich-Heine-Gesamtschule.

Duisburg-Rheinhausen.   Die Medienscouts der Heinrich-Heine-Gesamtschule klären Mitschüler seit Jahren über mögliche Gefahren auf. Jetzt wurden sie ausgezeichnet.

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Man darf nicht alles glauben, was im Internet steht. Diese Weisheit hat sich bei den Erwachsenen im Allgemeinen herumgesprochen. Doch was ist mit den Kindern? Die Smartphone- und Tablet-Nutzer werden immer jünger. Und sind somit auch argloser und den zahlreichen Gefahren oft schutzlos ausgeliefert. „Mir ist wichtig, dass jüngere Schüler sich im Internet sicher fühlen und nicht zu Opfern werden“, sagt Maximilian Tadäus. Er ist einer der Medienscouts, die es seit etwa sechs Jahren an der Heinrich-Heine-Gesamtschule in Rheinhausen gibt.

Eine Reise zum Wettbewerb nach Berlin

Maximilian und seine Scoutkollegen haben sich bei verschiedenen Schulungen intensiv mit den Tücken und Fallen der Neuen Medien auseinandergesetzt und erklären den jüngeren Jahrgängen die neuesten Maschen der Online-Verbrecher. „Wenn ein Gleichaltriger den Kindern etwas über ein ernstes Problem erzählt, dann ist die Wirkung 100-mal besser, als wenn ich das mache“, sagt Bernhard Wagner. Gemeinsam mit seiner Kollegin Ulrike Huft begleitet und betreut er das Projekt.

Im wahrsten Sinne des Wortes hat er sie auch neulich nach Berlin begleitet. Die Medienscouts haben bei dem bundesweit ausgeschriebenen Wettbewerb Teach Today – „Medien aber sicher“ mitgemacht und prompt den ersten Preis gewonnen. „Wir durften mit dem Youtuber Max Oberüber ein Video drehen, das auf die lauernden Gefahren aufmerksam macht“, erzählt Maximilian stolz. Konzipiert haben die Schüler den Film selber. Der einminütige Clip ist bunt, rasant und verpackt eine ganz ernste Sache in kindgerecht verdauliche Szenen. Ohne dabei ins Lächerliche abzurutschen.

Keine Fördergelder, keine Zuschüsse

Denn um Banalitäten geht es bei Internetkriminalität beileibe nicht. Hier werden alle Scoutgesichter schnell sehr ernst. „Es gibt ganz fiese Kettenbriefe, die einem androhen, dass man getötet wird, wenn man den Brief nicht an mindestens 20 Leute weiterschickt. Ich hatte auch schon Voicemails mit ganz gruseligen Stimmen, die einem Angst machen“, erzählt Andrea Althoff aus der 8b und schüttelt sich. Selbst die 14-Jährige findet das gruselig. Wie ergeht es dann Kindern, die viel jünger sind?

„Viele Eltern machen sich Sorgen um die Mediennutzung ihrer Kinder, doch die wenigsten wissen, was sie konkret tun können“, erzählt auch Rektor Günter Derksen. Er ist stolz auf sein Medienscout-Team, das sich gegen insgesamt 24 Mitbewerber durchgesetzt hat. Alle Kids machen den Job komplett freiwillig, in der Pause oder in ihrer Freizeit. „Früher wurden wir von der Landesanstalt für Medien regelmäßig geschult. Jetzt müssen wir uns unser Wissen selber erarbeiten und an die heranwachsenden Medienscouts weitergeben“, erklärt Ulrike Huft das System. Es gibt weder Fördergelder noch Zuschüsse. Nur die Motivation und die feste Absicht, die Jüngeren nicht im Regen stehen zu lassen.

Mädchen sind die leichtere Beute

Gerade Mädchen sind hier anscheinend besonders leichte Beute. Wenn sie in einem anonymen Chat mit jemandem ins Gespräch kommen, sind sie eher zu einem Treffen bereit als gleichaltrige Jungen. „Die Anonymität wird gerade immer wichtiger im Netz“, erklärt Andrea. Mega beliebt ist deshalb auch gerade die tellonym app, mit der bestimmten Personen absenderlose Nachrichten geschickt werden können. Ein ebenso großer Hit bei den Mädchen ist musical.ly. Hier performt die junge Dame playback ihren Lieblingssong, filmt sich dabei und lädt das dann hoch.

Wenn Eltern jetzt schon die Haare zu Berge stehen, sollten sie sich schleunigst über weitere Tücken und Fallen aufklären lassen. Derer gibt es viele. Die Frage, was Eltern konkret tun können, ist demnach weit gefächert. „Wichtig ist es, den Kindern ihre Privatsphäre zu lassen. Allerdings sollten sie sich wirklich öfter die Chats und aktuellen Apps zeigen lassen. Auch ein Zeitlimit ist sinnvoll“, erklärt Ulrike Huft.

Vielleicht mal wieder öfter telefonieren

Ferner raten alle Scouts einstimmig dazu, sich einmal in Ruhe die AGBs durchzulesen, damit auch die Kinder verstehen, was mit ihren Fotos, Texten ect. so alles passieren kann, wenn man nicht aufpasst. Außerdem liest man dann auch, dass Whatsapp und Facebook für Kinder unter 16 Jahre sowieso nicht geeignet sind. Vielleicht also mal wieder öfter telefonieren, denn das kann das Smartphone ja tatsächlich auch.

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