Fußball-WM

Reinhard Stratenwerth zeichnete alle Final-Spielzüge nach

Reinhard Stratenwerth und seine WM-Grafiken. Besonders das Bild, das die ersten 15 Minuten des WM-Finals von 1974 zeigt, ist arg ramponiert. Früher hingen sie mal im Museum, heute lagert er sie auf einem Schrank.

Foto: Oleksandr Voskresenskyi

Reinhard Stratenwerth und seine WM-Grafiken. Besonders das Bild, das die ersten 15 Minuten des WM-Finals von 1974 zeigt, ist arg ramponiert. Früher hingen sie mal im Museum, heute lagert er sie auf einem Schrank. Foto: Oleksandr Voskresenskyi

Duisburg-Hochheide.   Reinhard Stratenwerth hat alle Ballbewegungen des Endspiels von 1974 mitgezeichnet. Sechs museumsreife Grafiken lagern heute auf einem Schrank.

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Sie sind fast 44 Jahre alt und könnten eigentlich aktueller nicht sein. Insgesamt sechs Drucke zeigen jeden einzelnen Spielzug eines Fußballspiels. So wird heute nahezu jedes Profispiel mehr oder weniger seziert. Allerdings digital. Reinhard Stratenwerth hat dafür Filzstift und Lineal benutzt. Und auch kein aktuelles Spiel nachgespielt, sondern das WM-Endspiel von 1974, das Deutschland bekanntlich mit 2:1 gegen die Niederlande gewann.

„Am Tag des Endspiels hatten wir die Bude voller Gäste und haben entsprechend gefeiert“, sagt der 79-Jährige. An ein Mitzeichnen der Spielzüge war während der Live-Übertragung selbstverständlich nicht zu denken. „Das Spiel wurde am 1. Weihnachtstag 1974 noch einmal ausgestrahlt“, sagt er. Warum er zu Stift und Blatt gegriffen hat, weiß er heute gar nicht mehr. „Ich habe mich einfach hingesetzt und war hochkonzentriert“, sagt der Archivar des Freundeskreises Historisches Homberg.

Perfekt auf dem Blatt zu sehen sind die beiden Tore (Paul Breitner per Elfmeter und der unnachahmliche Gerd Müller per Drehschuss), die die DFB-Elf zum Weltmeister machten. Als er das erste Tor einzeichnete, war sein Blatt noch fast weiß. Bekanntlich fiel es per Elfmeter bereits in der ersten Minute des Spiels. Bis dahin war kein einziger deutscher Spieler am Ball gewesen.

Freundschaftsspiel in Homberg

Die sechs Drucke wären vermutlich in der Privatsammlung Stratenwerths in Hochheide geblieben, wäre nicht die Nationalmannschaft 1975 zu einem Freundschaftsspiel gegen Admira Wacker Wien an die Homberger Schillerstraße gekommen. „Ich sprach Bundestrainer Helmut Schön an, erzählte ihm von den Drucken.“ Der war anscheinend so begeistert, dass er Reinhard Stratenwerth ein Empfehlungsschreiben für das Xantener Regionalmuseum verfasste. Wenig später waren die Bilder für einige Monate Teil einer Ausstellung.

Danach wurde es ruhig um die Werke, bis vor einigen Jahren die Zeitung Sport-Bild darauf aufmerksam wurde. Sie veröffentlichte die Drucke noch einmal, Motto: „Moderne Spielanalyse – Reinhard Stratenwerth hat es schon damals gewusst.“ Seither lagert er die Bilder – besonders das Exemplar, das die ersten 15 Spielminuten zeigt, ist bereits reichlich ramponiert – auf einem Schrank in seiner Wohnung. Eine wirkliche Verwendung dafür hat er nicht mehr. „Ich könnte mir eine Versteigerung vorstellen, vielleicht gibt es ja Interessenten. Die Hälfte des Betrages würde ich an soziale Einrichtungen spenden.“

Vom „De-Ef-Beo“ und dem „Paule“

Im Fundus Reinhard Stratenwerths befindet sich auch eine Zeichnung aus dem Jahr 1982. Sie zeigt seinen Entwurf für ein Maskottchen, das der DFB damals über eine Fernsehzeitung gesucht hatte. „70.000 Leute haben mitgemacht, mein ,De-Ef-Beo’ belegte letztlich den 82. Platz.“ Zum Sieger wurde damals „Fritzchen“ gekürt. Das Maskottchen, ein blonder Junge im Trikot, war allerdings schnell wieder von der Bildfläche verschwunden.

Nun hat der DFB bekanntlich seit 2006 ein neues Maskottchen, den Adler „Paule“. „Der sieht meinem Beo sehr ähnlich“, vermutet Stratenwerth Ideen-Klau. Wobei Klau nicht stimmt, hatten doch die Teilnehmer des Wettbewerbs damals ihre Rechte an den Bildern an den DFB abtreten müssen.

>>>Treffen mit Helmut Rahn in Dinslaken>>>

Vom künstlerischen Talent Reinhard Stratenwerths zeugt auch eine Karte, die er 1985 in Windeseile zeichnete. „Im Restaurant der Trabrennbahn in Dinslaken trafen wir Helmut Rahn, den zweifachen Torschützen des WM-Finals 1954“, blickt der 79-Jährige zurück. Stratenwerth bemalte fix die Rückseite seines Wettscheins und marschierte an den Tisch des Weltmeisters.

„Als ich sie ihm zum Unterschreiben hinhielt, war er sehr überrascht“, erzählt Stratenwerth. In so kurzer Zeit solch feine Zeichnungen zu Papier gebracht zu haben, das hatte dem „Boss“ imponiert, der selbstverständlich gleich für beide Tore unterschrieben hatte.

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