Einzelhandel

Möbel Oberreiter schließt nach 60 Jahren in Hochheide

Helmut Oberreiter in seinem Geschäft an der Moerser Straße.

Helmut Oberreiter in seinem Geschäft an der Moerser Straße.

Foto: Oleksandr Voskresenskyi

Duisburg-Hochheide.   Helmut Oberreiter schließt sein Geschäft in der Hochheider Ladenstadt. Mit dem 82-Jährigen verlässt der letzte Möbelhändler den Stadtteil.

Nach 60 Jahren endet in Hochheide eine Ära. Helmut Oberreiter schließt sein Möbelgeschäft. In diesen Tagen beginnt er mit dem Räumungsverkauf. Grund ist das Alter, obwohl man dem 82-Jährigen seine deutliche Überschreitung des Rentenalters nicht ansieht. Schließen will Oberreiter, wenn alle Möbel verkauft sind, die er jetzt mit viel Rabatt anbietet.

Möbel Oberreiter am Hochheider Markt ist seit 1959 eine Institution im Stadtteil. Im September eröffnete Oberreiter als 22-Jähriger sein erstes Ladenlokal an der Grenzstraße 127. Es war im Saal einer Gaststätte, die auch wegen zweier Skulpturen am Eingang „Zu den beiden Pferdeköpfen“ genannt wurde. Für den Hochheider mit Leib und Seele ging es im September 1962 weiter zur Moerser Straße 323-325. „Das war damals ein Glückstreffer, denn es waren alle Ladenlokale auf der Moerser Straße vergeben“, erinnert sich Oberreiter.

Heute ist das bekanntermaßen anders. Auch die benachbarten Geschäfte, so zum Beispiel das Lebensmittelgeschäft Engfeld an der Moerser Str. 317, wurden mit den Jahren Teil des Möbelgeschäftes. Die Eisdiele Panciera nutzte Oberreiter in den Wintermonaten als Ausstellung.

Seit 2010 zurück in Hochheide

Im Jahr 1973 kam das jetzige Möbelhaus an der Moerser Straße 234 in der Hochheider Ladenstadt dazu. Diesmal mietete Oberreiter nicht, sondern kaufte vom Hochheider Baulöwen Josef Kun, der die „Weißen Riesen“ baute und im Juli 1973 in Insolvenz ging. Die Ladenstadt wurde daher erst im Herbst bezugsfertig. 13 Jahre blieb Oberreiter an dieser Stelle. Dann entschied er sich dazu, das Möbelgeschäft vom heimischen Schreibtisch aus zu führen.

Er veranstaltete im Winter 1986 einen Räumungsverkauf und vermietete sein Geschäft an einen Videothekenbetreiber. Der blieb fast zweieinhalb Jahrzehnte, bevor mit dem Internetfernsehen Videotheken reihenweise aufgeben mussten. 2010 traf es auch den Hochheider Verleih. „Es gab dann einfach keinen soliden Mieter, der für die Immobilie infrage kam“, sagt Oberreiter. Also entschied er sich im August des Jahres 2010 selbst wiederzueröffnen. Seitdem ist das Möbelhaus auf zwei Etagen mit insgesamt 430 Quadratmetern an prominenter Stelle wieder ein fester Anlaufpunkt für Möbelsuchende am Hochheider Markt.

Ausliefer-Lkw stammt aus dem Jahr 1973

Oberreiter leitet das Möbelgeschäft bis heute. Sogar bei Auslieferungsfahrten ist er noch dabei. Dafür nutzt er den 46 Jahre alten Lkw mit dem Kennzeichen MO-NV 20H. Der weiße Mercedes mit dem roten Logo aus dem Jahr 1973 habe immer gute Dienste bei der Auslieferung geleistet und war lange Zeit eines der letzten Fahrzeuge mit einem MO-Kennzeichen.

Auf den Ruhestand freut er sich. „Ein schöner Gedanke“, sagt Oberreiter. Das Ladenlokal will er entweder verkaufen oder vermieten – das ist noch nicht sicher. Einen Nachfolger wird es voraussichtlich nicht geben. Kunden bräuchten sich übrigens keine Sorgen machen: Die gesetzliche Gewährleistung will der Möbelprofi auch weiterhin erfüllen. Schließlich haben ihm viele Kunden lange Jahre die Treue gehalten.

Mit Möbel Oberreiter schließt das letzte Möbelgeschäft im Stadtteil. In den 1960er Jahren gab es hier noch sieben Möbelgeschäfte. Bald wird es keins mehr geben.

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