Kino in der Kirche

Mel Gibsons Passion Christi als Stummfilm mit Live-Chor

Über die Leinwand in der Kirche Christus König flimmert der legendäre Mel Gibson-Streifen mit Untertitel. Für den Soundtrack sorgt ein Chor.

Über die Leinwand in der Kirche Christus König flimmert der legendäre Mel Gibson-Streifen mit Untertitel. Für den Soundtrack sorgt ein Chor.

Foto: Oleksandr Voskresenskyi

Duisburg-Rheinhausen.   So gab es Mel Gibsons Passion Christi noch nie. Der Chor TonArt lieferte in der Rheinhauser Kirche Christus-König die Filmmusik.

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„Bleibet hier und wachet mit mir“, dunkle Stille wird aufgelöst, auf der riesigen Leinwand erscheint ein verhärmter Judas, der gerade seinen Herrn Jesus für 30 Silberlinge an die Hohepriester verraten hat. Irrwitzig grinst der Schauspieler die Zuschauer an. Dazu bleibt Jesus im Garten Getsemani im Dunkeln auf dem Boden liegen und betet. „Wachet und betet“ schallen die etwa zwanzig Sängerinnen und Sänger des katholischen Chors „TonArt“. In der Christus-König-Kirche singen sie quasi die Filmmusik zu „Die Passion Christi“ von Mel Gibson, einer unglaublich brutalen Darstellung der Leidensgeschichte Jesu. Und im Dunkeln der Kirche erscheinen die Chormitglieder mit ihren Leseleuchten an der Stirn, wie die betenden Jünger im Olivenhain.

Das Katholische Bildungsforum Duisburg-West hatte die Idee zu der Veranstaltung. „Der Chor TonArt hatte dieses Konzert schon zweimal mit großem Erfolg rechtsrheinisch aufgeführt“, erzählt Markus Kuhlmann vom Bildungsforum. Andreas Rabeneck, Leiter des katholischen Chors, ergänzt: „Wir wollten dem Film über die Musik die Brutalität nehmen, über den musikalischen Stummfilmcharakter wird er für die Zuschauer erträglicher.“ Na ja, jetzt nicht unbedingt, wenn dieser Jesusdarsteller über zehn Minuten von drei römischen Folterknechten windelweich geprügelt wird und die Opferstelle am Ende blutüberströmt ist. Aber macht man die Augen zu, und das tun an dieser Stelle viele Gäste, hören sie sakrale Sequenzen von „Adiemus“, die synkopisch verschlungen die Kirche füllen.

„Allein über die Geräusche, wenn man die Peitschenhiebe weglässt, kann man viel Gewalt aus dem Film herausnehmen“, meint Andreas Rabeneck, der den Chor aus dem Duisburger Süden seit 24 Jahren leitet. Derweil steht im Film Jesus vor der aufgebrachten Menge in Jerusalem und Pontius Pilatus fragt sie, ob er lieber Jesus oder den Stadt bekannten Mörder Barabas freilassen soll. „Lass Barabas frei“, singt der Chor in einer kurzen Sequenz dazu.

Pfarrer Johannes Mehring ist auch anwesend. Er kennt die Orte, an denen der Film gedreht wurde. „Das ist bei Bari, der Ort heißt Matera in Apulien. Dort war ich im letzten Jahr noch im Urlaub gewesen“, sagt der Pfarrer. Landschaftlich schön sind die weiten steppenartigen Flächen schon, aber nicht, wenn sich auf einmal dieser Judas im Film an einem Baum erhängt und man sein Ableben sehr detailliert erlebt.

John Miles und der sterbende Judas

Na gut, es hellt ja vielleicht die Stimmung der Zuschauer auf, dass Andreas Rabeneck das Outro aus dem Song „Music“ von John Miles auf dem E-Piano dazu einspielt. Wie man überhaupt sagen muss, dass diese Live-Einspielung schwer zu timen ist, just als Judas im Film stirbt, endet auch die Musik. „Ich finde es sehr spannend, so eine gewagte Mischung aus Live-Musik und Film, aber das ist den Ausführenden gut gelungen“, sagte ein Zuschauer hinterher. Nur die Härte des Films konnte nicht wirklich über die Musik entschärft werden – trotzdem langer Applaus.

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