Eisenbahnsiedlung

Kinofilm über Udo Lindenberg entsteht im Duisburger Westen

Blick zurück in die 1950-er-Jahre mit Karoröcken und Pullundern: Wartende Komparsen an der Henschelstraße.

Blick zurück in die 1950-er-Jahre mit Karoröcken und Pullundern: Wartende Komparsen an der Henschelstraße.

Foto: Arnulf Stoffel

Duisburg-Friemersheim.   Rund ums „Haus Rheindamm“ sieht es aus wie in den 1950-ern. Hier entsteht ein Kinofilm über das Leben von Rockstar Udo Lindenberg. Besuch am Set.

Die Anwohner der Eisenbahnsiedlung leben besonders deswegen gerne hier, weil in den Straßen am Wasserturm die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Genau wegen dieser Atmosphäre ist zur Zeit aber auch ein Filmteam in der Siedlung zu Gast.

Die ganze Woche schon parkt eine Kolonne von Produktionsfahrzeugen an der Uerdinger Straße, Angehörige der Filmcrew laufen hektisch umher, sprechen etwas in ihr Headset und weisen Statisten an, die in Kleidung der 50er Jahre durch die gesperrte Henschelstraße laufen. In der Eisenbahnsiedlung werden Szenen für die Biografie Udo Lindenbergs (72) gedreht, die im kommenden Jahr ins Kino kommen soll.

Duisburg gleich Gronau in den 1950-er-Jahren

Vor der Gaststätte „Haus Rheindamm“, die schon seit Jahren leer steht, ist das Film-Team noch mit dem Aufbau der Technik beschäftigt. Drei große Scheinwerfer sollen ins Innere leuchten, sodass dort kein Licht angeschaltet werden muss. Vier Kleinlaster voller Ausrüstung stehen neben dem Haus auf dem Parkplatz. An der Mauer hängt ein Zigarettenautomat von anno dazumal, Mülltonnen aus derselben Zeit stehen davor. Die Kneipe selbst trägt den Namen „Gaststätte zur Quelle“.

„Wir drehen hier eine Szene aus Udos Kindheit. Sein Vater war lieber in der Kneipe, als sich um die Familie zu kümmern. Die Kinder laufen hinein, um ihn zu holen“, erklärt Produzent Johannes Pohlmann der Filmproduktionsfirma Letterbox. „Außerdem drehen wir Außenaufnahmen vor einem Kino.“ Dazu hat das Team an die Seitenwände einer Garage den stilistischen Eingang eines Lichtspielhauses der 50er Jahre gebastelt. Die Flügeltür aus Holz führt ins Nichts.

Ein Kino aus Holz und Pappe

Auf dem Dach thront in großen Leuchtbuchstaben „Film-Palast“, an den Wänden hängen Schaukästen mit Filmplakaten aus eben dieser Zeit. „Die Innenaufnahmen im Kinosaal haben wir bereits woanders gedreht“, sagt Pohlmann. „Die ganzen Details umzusetzen, das ist ein bisschen wie Modelleisenbahn bauen.“

Etwa sechs Tage lang dreht das 60-köpfige Team in der Eisenbahnsiedlung, rund 40 Komparsen unterstützen es dabei. Andere Aufnahmen werden in Düsseldorf, Köln und Hamburg, aber auch in Berlin und Nordafrika aufgenommen. „Udo Lindenberg ist in Gronau in Westfalen aufgewachsen. Da gab es damals auch viel Industrie. Die Eisenbahnsiedlung erinnert daran, wie der Ort damals ausgesehen haben könnte“, sagt Pohlmann.

Die ersten Zuschauer sind schon da

Seine ersten Zuschauerinnen hat der Film schon, obwohl er noch gar nicht fertig ist. Regina Geiling, Susanne, Thönes, Gabi Spies und Dalmatiner-Dame Bella sitzen in einer Gasse an der Turmstraße in der herbstlichen Sonne und beobachten die Dreharbeiten. „Haus Rheindamm lebt wieder, es ist so wunderschön“, schwärmt Spies. „Wir als Anwohner durften mal rein – und haben es nicht wieder erkannt, uns ging das Herz auf“, sagt sie. Ihre Autos mussten sie für die Filmaufnahmen umparken. „Dafür warten wir jetzt auf die Autos für den Dreh, da sollen ein paar alte Cadillacs kommen“, sagt Spies. „Wann sehen wir unsere Straße mal so wieder?“

Zurück am Set: Dass Johanna Mecklenburg aussieht wie ihre Oma als Kind, stört sie nicht weiter. „Aber die Schuhe sind steinhart und das Kleid kratzt fürchterlich“, sagt die Zehnjährige. Die Statistenrolle bekam sie über ein Casting in Krefeld im Juli. Ihre Rolle: „Wir müssen einfach nur zuhören“, sagt Johanna. Wie alle anderen freut sie sich, sich schon bald selbst im Kino zu sehen.

Hier mehr zum Film

Geplanter Titel des Udo Lindenberg-Films ist „Mach dein Ding“, in Anlehnung an einen Songtitel. Der Film spielt in der Jugendzeit des heute 72-jährigen Sängers und Gitarristen. Produziert wird der Film von Letterbox Filmproduktion, die zu Studio Hamburg gehören. Ein genauer Starttermin steht noch nicht fest.

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