Architektur

Ingenieur aus Rheinhausen sanierte das Thomas-Mann-Haus

Bei der Eröffnungsparty: Marc Sommer (3.v.r.) mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Thomas Manns Enkel Frido (3.v.l.), deren Ehefrauen und Architekten-Kollege Denis Scholtyssek (l.).

Bei der Eröffnungsparty: Marc Sommer (3.v.r.) mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Thomas Manns Enkel Frido (3.v.l.), deren Ehefrauen und Architekten-Kollege Denis Scholtyssek (l.).

Foto: Martin Tazl

Duisburg-Rheinhausen/Los Angeles.   Marc Sommer und sein Team haben das ehemalige Haus des Nobelpreisträgers in Los Angeles saniert. Und von dort jede Menge Anekdoten mitgebracht.

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Manchmal würde er die Umstände, die seine Arbeit umgeben, gerne mehr genießen können. Marc Sommer restauriert Immobilien der Bundesrepublik Deutschland im Ausland. Und neben jeder Menge Arbeit gebe es rund um die Bauten eben auch viel Spannendes zu erleben. Wie jüngst im kalifornischen Pacific Palisades, genauer gesagt, rund um die Adresse 1550 San Remo Drive. Dort steht die Villa, in der zehn Jahre lang einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller lebte – der Nobelpreisträger Thomas Mann (1875-1955). Der Rheinhauser Ingenieur Marc Sommer (43) hat die Villa aus dem Jahr 1941 innerhalb eines knappen Jahres saniert. Und rund um die Baustelle so manche Anekdote erlebt.

Treffen mit der Nachbarin Goldie Hawn

„Als mich eine Nachbarin nach den Umbauarbeiten befragte und dabei ganz nebenbei bat, doch auch mal ihr frisch umgebautes Haus anzusehen, bin ich kurz mit rüber gegangen. Wir saßen am Pool, plauderten und ihr Mann brachte uns ein Bier. Nach meiner Rückkehr fragten die Kollegen ganz aufgeregt, ob ich denn nicht gewusst hätte, bei wem ich da gerade auf der Terrasse gesessen hatte? Es waren Goldie Hawn und Kurt Russell.“ Sommer hatte sie nicht erkannt, was ihm, wenn ihm denn Prominente über den Weg liefen, eigentlich immer passiere. In dem zu Los Angeles gehörenden Ort Pacific Palisades wohnen auch andere Hollywood-Stars wie Tom Hanks. Wer weiß, vielleicht ist er ihm ja auch schon begegnet.

Zurück an den San Remo Drive Nr. 1550. Für 13,6 Millionen Euro hatte der Bund das Haus gekauft, es vermutlich damit vor dem Abriss bewahrt. Nachdem Thomas Mann 1953 zurück nach Europa, nach Zürich, gegangen war, hatte es eine amerikanische Familie gekauft, deren Nachkommen es auch bis zuletzt gehörte. Sie verkauften schließlich an die BRD, die die Sanierung der rund 470 Quadratmeter großen Villa ausschrieb. Marc Sommer und seine Firma „rebuild.ing“ bekamen den Zuschlag.

Die Einbauküche ist noch original

„In dem Haus weht ein besonderer Geist“, sagt Sommer beeindruckt. Ein Kronleuchter sei ebenso noch original vorhanden gewesen wie die voll funktionsfähige Einbauküche und auch die Regale in Thomas Manns Arbeitszimmer. Über die Jahre habe es allerdings An- und diverse Umbauten gegeben. Bei der Sanierung ging es darum, Fotos und auch den Bauplänen von 1941 nahe zu kommen.

Am 18. Juni stieg dann die große Einweihungsparty mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und 230 weiteren Gästen. „Es war sogar gelungen, Bücher aus der Bibliothek des Thomas-Mann-Büros wieder zu beschaffen.“ Entstanden sind vier Appartements mit jeweils einem Arbeitszimmer und Bad. Dazu eine Gemeinschaftsküche, Esszimmer, Wohnzimmer, Hauswirtschaftsbereich und eben Küche und Arbeitszimmer des „Buddenbrooks“-Autors. Die zuvor fixierten 4,2 Millionen Euro habe der Umbau insgesamt gekostet, bei Bundes-Aufträgen im Ausland gelte äußerste Kostendisziplin.

Der Eröffnungstag als Herausforderung

Der Tag der Eröffnung sollte noch einmal eine große Herausforderung werden. Bei aller Planung und Kontrolle (50 Secret Service-Leute und 30 BKA-Beamte waren vor Ort), war den Partyplanern eines beinahe durchgegangen. Zwar gab es ein Gästebuch, das allerdings noch keinerlei Text enthielt. Sommer: „Man fragte mich, ob ich das machen könnte, und ich konnte zum Glück auf Martin Tazl verweisen.“ Der über Duisburgs Stadtgrenzen bekannte Grafiker und Comiczeichner kümmert sich um die Öffentlichkeitsarbeit von rebuild.ing und war zusammen mit Marc Sommer nach L.A. gereist. Perfekt, Martin Tazl griff im Büro von Thomas Mann zum Stift.

Während der Feier gab es dann für die Macher das wohl größte Lob, das man als Sanierer bekommen kann. „Es sieht aus wie früher“, sagte Mann-Enkel Frido, der das Haus von damals gut kannte. Sommer: „Schön, das zu hören, ganz so ist es natürlich nicht, es ist ja viel neue Technik eingezogen. Einige der späteren Anbauten sind integriert worden, wobei die Idee des damaligen Architekten Ralph Davidson beibehalten wurde.“

Erste Stipendiaten ziehen am 1. August ein

Wenn am 1. August die ersten Stipendiaten ins Thomas-Mann-House ziehen - es dient als transatlantische Begegnungsstätte - liegt hinter Marc Sommer ein spannender Auftrag in toller Lage. Er hat ihn trotz aller Arbeit genossen, ganz sicher. Weitere Informationen, Bilder und auch Videos zum Thomas-Mann Haus: www.rebuild-ing.group oder www.martintazl.com.

Das ist Marc Sommer

Marc Sommer wurde 1975 in Duisburg geboren und machte am Krupp-Gymnasium sein Abitur. Er studierte in Bochum, machte sich 2002 selbstständig. Seit 2011 ist er alleiniger Gesellschafter von rebuild.ing. Bei Projekten arbeitet er mit 14 Partnern (Architekten, Ingenieuren) zusammen. 95 Prozent seiner Aufträge erhält er aus dem Ausland, überwiegend vom Bund. Aktuell hat er Aufträge unter anderem in Kabul und auch in Boston (Sanierung Goethe Institut). Zwei Projekte gibt es in Deutschland: Ein kleineres in Velbert und bekanntlich die Sprengung des „Weißen Riesen“ in Hochheide. Der 43-Jährige hat in Homberg ein Büro, wohnt inzwischen in Reilingen (Baden-Württemberg, Nähe Hockenheimring). Er ist verheiratet und hat eine 15-jährige Tochter.

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