Unterhaltung

Furioser Herbert Knebel in der Rheinhausen-Halle

War mit seinem „Affentheater“ wieder einmal Gast in der Rheinhausen-Halle: Herbert Knebel. Rechts im Bild: Ozzy Ostermann.

War mit seinem „Affentheater“ wieder einmal Gast in der Rheinhausen-Halle: Herbert Knebel. Rechts im Bild: Ozzy Ostermann.

Foto: Oleksandr Voskresenskyi

Duisburg-Rheinhausen.   Nachdem sie ihren ersten Termin in Duisburg-Rheinhausen absagen müssten, trumpften Herbert Knebel und sein „Affentheater“ jetzt so richtig auf.

Vor einigen Wochen ist der Termin in der Rheinhausen-Halle wegen Krankheit des Gitarristen Ozzy Ostermann ausgefallen. Wieder genesen, und mit einer durch die Bettlägerigkeit wohl entstandenen, rechtslastigen Trump-Frisur, war das musikalische Mastermind von Herbert Knebels Affentheater beim fälligen Nachholtermin jedenfalls kaum zu halten.

Mit seiner dicken Plauze und schief aufgetürmten Haaren gab Ozzy Ostermann an seiner Fender-Stratocaster wieder den Taktgeber in der Alt-Herren-Riege, spielte eingangs das harte Riff zu „Should I stay, or shoud I go“ so, als ob es gerade vom Original „The Clash“ über die Bühne donnert. Während Herbert Knebel dazu umdichtet „Wir sind so wild wie Johnny Rotten – oder wie die Hottentotten, wir sind außer Rand und Band“, textet er. Schelmisch, verschlagen fragt der Leader mit der Prinz-Heinrich-Mütze in die Menge: „Is heute jemand wegen Schlager da?“. Etwa 800 Zuschauer rufen zurück: „Nein.“ „Dann wärt ihr auch genau falsch hier“, entgegnet Knebel zackig.

Wie immer – bestes Ruhrpott-Deutsch

Und nach dem ersten Song raunzt Knebel im besten Ruhrpottdeutsch: „Boah, da bisse kaum auffe Bühne – und direkt wieda am Suppen. Jungs, macht ersma Pause, die habt ihr euch verdient.“ Ist schon lustig, wenn die weißen alten Männer über Fußball sprechen, sich mit den neuen Begriffen im Ballsport auseinandersetzen: „Heute heiß et falsche Neun, Doppelsechs, Vierakette. Und et gibt jetz Pressing – dat kannten wir früher maximal vom Kreissaal“, schimpft Knebel und nestelt an seinen Hosenträgern.

Während seine Frau Guste zuhause die Hosen anhat, hält er bei „seine Jungs“ zumindest die Träger als Zügel allerdings eher lax im Griff. Denn: „Heut morgen hat ich wieder in meine Rappel-Kiste vonne Medikamente nache Herztabletten gesucht, und aus Versehen Dulcolax genommen. Deswegen hat mein Frau die braune Hose heut für mich rausgesucht“, erklärt einiges über sein Outfit. Und die ist dunkelbraun. Natürlich darf im weiteren Verlauf ein Witz über Granufink-Tabletten nicht fehlen.

Alkoholfrei bei der Pilstour

Und es gibt auch feucht-fröhliche Geschichten der vier von einer Pilzsuch-Aktion in der Eifel, da geraten sie mal nicht ins lamentieren, sondern eher schwadronieren. Nur Knebel nörgelt weiter: „Seit wann gibbet auffer Pilstour erst ma lange kein Tropfen Alkohol.“

Richtig gut covern sich die Vier vom Affentheater durch die 80er. David Bowie‘s „Let‘s dance“ wird zu „Ich tanz“ im Refrain und Herbert Knebel vollführt dazu Tanzfiguren „wie John Travolta auf Ekstase“. So jedenfalls die Meinung vom „Trainer“, seinem Schlagzeuger.

Früher wollte er Tanzlehrer werden

„Ich wollt früher ja mal Tanzlehrer werden...“, erinnert sich Knebel schwärmerisch. Ob dann aber 800 Zuschauer seine Show auch noch im hohen Alter hätten sehen wollen, sei dahingestellt: jedenfalls die meisten Besucher dieses Abends waren ob der witzigen Spielfreude der Truppe den Tränen nahe.

Und als dann noch der Song „I am the passenger“ von Iggy Pop vor dem Vorhang über die Bühne fetzte, war auch das Publikum außer Rand und Band, wie es ja schon im ersten Stück angedeutet war…

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