Politik in Rheinhausen

Für Ausländer ist die Europawahl eine komplizierte Sache

    Hier werden die Anträge ausgefüllt.

    Hier werden die Anträge ausgefüllt.

Foto: Marius Fuhrmann

Duisburg-Rheinhausen.   Der Arbeitskreis Hochemmerich hilft Rumänen, die wählen möchten. Das ist gar nicht so einfach. Ausländer müssen zunächst einen Antrag stellen.

Im Hinblick auf die Europa-Wahl wird vor lauter Brexit-Chaos schnell eines vergessen: Es gibt noch 27 weitere EU-Staaten. Und deren Bürger sind über alle Nationen verteilt. Wenn sie an der Wahl teilnehmen möchten, müssen sie entweder in ihr Heimatland zurückreisen oder einen Antrag ausfüllen. Ein Problem, dem viele Menschen nicht gewachsen sind.

Die Sache mit dem Antrag

Der Arbeitskreis Hochemmerich, bestehend aus Kirchen, Schulen, Sozialverbänden und engagierten Mitmenschen, erklärt deshalb gut sieben Wochen vor der Wahl rumänischen Bürgern, wie sie sich in den Wirren der deutschen Bürokratie zurechtfinden. Dazu nutzten die freiwilligen Helfer in Sachen Wahlverständnis die freie evangelische Gemeinde in Rheinhausen, in der die gut 60-köpfige Gruppe regelmäßig Gottesdienste feiert.

„Die Leute sind dienstags sowieso da und haben hier gleich einen Ort, an dem sie sich wohlfühlen“, sagt Pastor Andre Pascher. „Wir sollen die Menschen dafür sensibilisieren, dass sie die Europa-Wahl als Möglichkeit wahrnehmen, sich einzubringen und nicht die Leute wählen, die sie hier nicht haben wollen“, sagt er.

Das Problem erkannt hat jedoch Annegret Keller-Stegmann, die die Menschen schon in der Zeit betreute, als ein Teil von ihnen in den Häusern In den Peschen wohnte. „Dass man einen Antrag stellen muss, um als Ausländer an der Wahl teilzunehmen, weiß einfach niemand, auch in der Stadtspitze nicht. Das ist nicht böse gemeint, es weiß einfach keiner“, sagt sie.

Ruben-Avram wird vorher volljährig

„Dabei ist das Wahlrecht ein wichtiges Teilhaberecht, die Menschen haben auch Interessen und hier können sie sie geltend machen“, erklärt Annegret Keller-Stegmann. Es sei wichtig, den Leuten auf Augenhöhe zu begegnen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen.

In einem Vortrag erklären Bezirksbürgermeisterin Astrid Hanke und Pastor Andre Pascher samt einer Dolmetscherin den Ablauf und die Bedeutung der Europa-Wahl am 26. Mai. Gemeinsam füllen sie im Anschluss die Anträge aus. Wahlinformation betreibt der Arbeitskreis Hochemmerich aber nicht. „Informieren, wen sie wählen wollen, müssen sich die Menschen schon selbst“, sagt Pascher. „Wir haben nur erklärt, welche Parteien welchen Fraktionen im Europaparlament angehören und welche eher europafeindlich sind“, sagt er.

Ruben-Avram Chela freut sich auf die Wahl. Der 17-Jährige wird wenige Tage vorher volljährig. „Das heute ist eine wichtige Sache für mich, ich bin stolz, wählen zu können“, sagt er. „Ich wusste zwar, wie ich den Antrag ausfüllen musste, aber vielen hier fällt das schwer“, meint Ruben-Avram.

Wen er wählen wolle, wisse er noch nicht. „In Deutschland bin ich, um ein besseres Leben zu haben. Zur Zeit gehe ich in die 10. Klasse, im August fange ich eine Ausbildung als Einzelhandelskaufmann an“, sagt er stolz.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben