Kirche

Friemersheimer Pfarrer wird Seelsorger bei der Bundespolizei

Pfarrer Thomas Gregorius an seinem Arbeitsplatz im Friemersheim Pastorat, das er zum Jahreswechsel verlässt, um noch einmal eine neue berufliche Herausforderung anzunehmen.

Pfarrer Thomas Gregorius an seinem Arbeitsplatz im Friemersheim Pastorat, das er zum Jahreswechsel verlässt, um noch einmal eine neue berufliche Herausforderung anzunehmen.

Foto: Patrick Friedland

Duisburg-Friemersheim.   Zum Abschied spricht PfarrerThomas Gregorius über neun Jahre Friemersheim, die Sanierung der Dorfkirche und das Reformationsjahr.

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Nach neun Jahren als Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde verlässt Pfarrer Thomas Gregorius Friemersheim in Richtung Süden. Der 54-jährige Geistliche tritt zum Jahresbeginn eine neue Stelle als Seelsorger bei der Bundespolizei in St. Augustin bei Bonn an. Gregorius hatte dem Presbyterium seinen Entschluss Anfang November mitgeteilt. Auf der Website www.evangelisch-in-friemersheim.de hat sich der Pfarrer bereits von seiner Gemeinde verabschiedet. Die Ankündigung steht auch im aktuellen Gemeindebrief. Martin Krampitz sprach mit Thomas Gregorius.

Wie ist es zu Ihrer Entscheidung gekommen, als Seelsorger zur Bundespolizei zu wechseln?

Ich habe eine Ausschreibung gesehen, dass ein Bundespolizei-Seelsorger für den Standort St. Augustin gesucht wurde. Ich habe Gespräche geführt und festgestellt, dass das ein Bereich ist, der mich für die letzte Phase meiner Berufstätigkeit noch reizen würde. Es handelt sich um eine auf sechs Jahre befristete Stelle mit der Möglichkeit der Verlängerung um weitere sechs Jahre. Zwölf Jahre - das ist genau die Zeit bis zur Pensionierung.

Unser Sohn kommt nach den Sommerferien auf eine weiterführende Schule. Deswegen ist das jetzt der ideale Zeitpunkt für einen Wechsel. All das hat mich bewogen, mich zu bewerben. Die Gespräche waren für beide Seiten erfreulich. Wichtig: Es gab keinerlei äußere Gründe, aus Friemersheim wegzugehen. Es war für mich die letzte Möglichkeit, einen neuen Schritt zu wagen. Manchmal ergeben sich durch Zufall solche Chancen.

Mit welchen Gefühlen verlassen Sie Friemersheim?

Mit den gleichen Gefühlen wie unser Sohn. Er sagte mal so nett: Manchmal sitze ich in der Ecke und weine, weil ich meine Freunde zurücklasse und weil ich hier zuhause bin. Auf der anderen Seite freue ich mich auf das Neue, was kommt und bin gespannt. Diese beiden Pole habe ich auch in mir. Ich gehe in freudiger Spannung nach St. Augustin. Gleichzeitig weiß ich auch, dass Friemersheim eine Heimat für uns und für mich geworden ist. Natürlich ist das auch ein Stück Abschied.

Welche Ereignisse und Erkenntnisse waren für Sie in neun Jahren in Friemersheim besonders wichtig?

Wichtig ist mir, dass wir es geschafft haben, einen Zusammenhalt in der Gemeinde zu entwickeln, der nicht an Bezirksgrenzen halt macht. Vielmehr haben wir jetzt das Gefühl, wir sind als Friemersheimer Gemeinde insgesamt auf dem Weg. Das ist für mich in der Phase sehr deutlich geworden, als die Dorfkirche wegen der Sanierung geschlossen war. Da habe ich gemerkt, dass die Kreuzkirche auch von Menschen diesseits der Bahnlinie gerne angenommen wird. Ich habe die Hoffnung, dass das so bleibt.

Ich glaube, wir sind für die Zukunft gut aufgestellt. Wir haben uns von Ballast getrennt und versuchen mit leichtem Gepäck in die Zukunft zu gehen. Wir haben uns von Immobilien wie dem Clarenbachhaus und dem Gemeindehaus an der Wörthstraße getrennt. Gleichzeitig sind die Begegnungs- und Versammlungsstätten der Gemeinde in einem Zustand, der uns für die nächsten Jahre Ruhe gibt.

So sind die Dorfkirche und die Kreuzkirche komplett saniert, der Kindergarten an der Clarenbachstraße wurde durch einen Neubau erweitert. Gerade die Restaurierung der Dorfkirche ist erfolgreich verlaufen, wir sind mit dem Ergebnis sehr zufrieden. Die Kirche ist ein Symbol für Friemersheim und für Duisburg. Und übrigens noch einmal: Diese Kirche hatte immer ein rotes Dach! Die roten Ziegel waren früher nur durch die Industrieabgase schmutzig geworden.

Was hat das Gedenkjahr zum 500-jährigen Beginn der Reformation an Erkenntnissen gebracht? Hat es sich gelohnt, das Reformationsjahr zu feiern?

Ich glaube ja. Das Reformationsjahr war ja in eine Reformationsdekade eingebettet, zehn Jahre wurde das Gedenkjahr vorbereitet. Es ist eine ganze Menge in Bewegung gekommen. Die Menschen haben über die Kirche hinaus wahrgenommen, dass die Reformation auch ihr Leben geprägt hat. Wir sind nicht nur bei Luther stehen geblieben. Ich sehe schon einen Bedarf an Reformation und Erneuerung in der heutigen Zeit. Kirche muss mutig genug sein, sich wieder in Politik einzumischen und Stellung zu beziehen. Sie muss sich ihrer eigenen gesellschaftlichen Verantwortung wieder bewusst sein. Das ist notwendig, sonst werden wir irrelevant.

Wie wird Ihre künftige Arbeit bei der Bundespolizei aussehen?

Die Arbeit besteht aus der seelsorgerischen Begleitung von Bundespolizisten und -polizistinnen vor, während und nach ihren besonderen Einsatzlagen, aber auch in ihrem Alltag. Auch dort gibt es eine seelsorgerische Notwendigkeit, durch die Trennung von Zuhause oder die Ungewissheit, wie ein Einsatz endet.

Es geht auch um Arbeitsüberlastung. Teilweise ist die Soll-Stärke der Bundespolizei in vielen Bereichen noch nicht erreicht, es geht um Sonderschichten. Die Aufgaben der Bundespolizei sind vielfältig, dazu gehören Grenzsicherung, Großdemonstrationen, Fußballspiele, der große Bereich der Bahnpolizei, die Sicherung von G-20-Treffen, Terrorismusbekämpfung, der Schutz von Botschaften im Ausland. Es ist ein weites Feld. In St. Augustin arbeiten rund 4.500 Bundespolizisten. Ich werde viel unterwegs sein.

Herr Gregorius, wir danken Ihnen für dieses Gespräch!

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