Verkehr

Friemersheimer Bahnhofsgebäude gehört jetzt dem Bauverein

Dietmar Vornweg, Vorstands-Chef des Spar- und Bauvereins Friemersheim, steht in der Schalterhalle. Der neue Hausherr plant eine millionenteure Sanierung.

Dietmar Vornweg, Vorstands-Chef des Spar- und Bauvereins Friemersheim, steht in der Schalterhalle. Der neue Hausherr plant eine millionenteure Sanierung.

Foto: Volker Herold

Duisburg-Friemersheim.   Besuch im ehemaligen Rheinhauser Bahnhofsgebäude. 20 Jahre nach der Stilllegung gehört es nun dem Spar- und Bauverein. Und der hat große Pläne.

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Die Tür fliegt auf, nach längerer Parkplatzsuche muss sich der Pendler beeilen. Er rennt durch die Schalterhalle, die Treppe zum Tunnel hinunter. Ein Kneipengast schaut ihm gedankenverloren hinterher, als er in Richtung Bahnsteig verschwindet. Eine Szene, wie sie sich auf dem Bahnhof Friemersheim in Rheinhausen genau so hätte abspielen können. Nur sind Schalterhalle, Treppe, Tunnel und Gaststätte seit Jahrzehnten passé. Seit Ende vergangenen Jahres befindet sich der verwaiste Bahnhofsbau an der Windmühlenstraße im Besitz des Spar- und Bauvereins Friemersheim. Ein Rundgang.

„Ein Architekt war bereits vor Ort, jetzt kommt die Denkmalbehörde“, sagt Bauvereins-Vorsitzender Dietmar Vornweg. Er steht dabei im Staub der früheren Bahnhofskneipe, einige Einbauschränke sind noch da, ein ramponierter Lüfter auch. Über einem Durchgang hängt ein Schild „Zu den Toiletten“. Lieber nicht.

Im Keller der Kneipe befindet sich ein Luftschutzraum, in der 1. Etage gibt’s vier Wohnungen, der letzte Mieter zog 2005 aus. Anschauen ist nur mit Schutzhelm, Sicherheitsschuhen und gescheiter Beleuchtung möglich, sagt Vornweg. „Beim nächsten Mal“, verspricht er, bevor es weiter geht in Richtung Schalterhalle. Nach dem Abschließen einer Stahltür, einer Runde ums 600 Quadratmeter- Gebäude, dem Aufschließen eines Tores und einer weiteren Stahltür ist der Schalterbereich erreicht.

Bau aus dem Jahr 1904

Die Deutsche Bahn muss aus dem 1904 errichteten Bau fluchtartig verschwunden sein. Teile der Einrichtung aus massivem Holz sind noch da, ebenso ein verschlossener Tresor und auch die Vorhänge im DB-rot der 1970er-Jahre. Auf der Sprechanlage klebt ein Schild, „Ihr Weg zur Expo“, steht darauf. Dabei sieht die Anlage deutlich älter aus. Ach ja, die Expo in Hannover ist ja auch bereits 18 Jahre her. „Was mit den Sachen geschieht, ist noch nicht klar“, sagt Vornweg, der betont, dass die DB-Überbleibsel keinesfalls weggeworfen werden.

In der Schalterhalle scheint die Zeit gleich zwei Mal stehen geblieben zu sein, Kübel und Fliesen: 1960er, Schaukasten samt Fahrplan: 2007/08. Halle und Tunnel sind offenbar als letztes außer Dienst gestellt worden. „Hier könnte ich mir eine Bühne vorstellen für Kulturveranstaltungen“, blickt Vornweg voraus.

2020 soll alles fertig sein

2019 wird der Spar- und Bauverein 100 Jahre alt, bis dahin soll hier deutliche Bautätigkeit zu sehen sein, 2020 dann alles fertig sein. 1,5 bis zwei Millionen Euro hat der Bauverein für die Verwandlung von der DB-Ruine zum „Bürgerbahnhof Friemersheim“ veranschlagt, 100.000 Euro für das Gebäude als Kaufpreis an die Bahn überwiesen.

Die Aufteilung der insgesamt drei Etagen ist noch nicht klar, vermieten will der Bauverein sowohl kommerziell, womöglich an ein Reha-Zentrum, aber auch „sozial“, an Einrichtungen, die eher wenig Geld, etwa für Standardmieten übrig hätten. Kulturveranstaltungen seien gewünscht, und die Idee, einen Teil der Räume selbst zu nutzen, besteht beim Spar- und Bauverein auch. Wohnungen, so viel ist klar, wird es nicht geben. Dafür ist es am ehemaligen Rheinhauser „Hauptbahnhof“ einfach zu laut.

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