Kultur

Eiszeit beim Konzert in der Friemersheimer Dorfkirche

Duisburg-Rheinhausen.   Christian Behrens und Thomas Hunsmann spielten bei ihren Kleinen Welten tapfer gegen die frostigen Temperaturen an: Musik für Hartgesottene.

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Auf der Orgelbühne zeigt das Thermometer zehn Grad Celsius an – Tendenz fallend. „Wir sind schon seit fünf Uhr hier und haben versucht, alles möglich zu machen, dass Sie sich hier bei uns wohl fühlen“, sagt Pianist Thomas Hunsmann, eingemummelt in einer dicken Winterjacke. Doch die Heizung in der Friemersheimer Dorfkirche streikt beharrlich. „Wir können jetzt das Konzert absagen und kommen irgendwann wieder und spielen das volle Programm. Oder wir verkürzen es stark auf eine Stunde und kommen trotzdem nochmal wieder und spielen das Programm ganz“, bietet er an.

Die knapp 70 Zuschauer scheinen mit einem „Eiskonzert“ bei einer stetig sinkenden Außentemperatur von Minus 6 Grad Celsius gerechnet zu haben, zeigen sich unverwüstlich. „Wir können es ja versuchen, aber wundern Sie sich nicht, wenn Piano, Cello und Flöten gleich verstimmt klingen“, improvisiert Christian Behrens.

Einige Male haben die beiden Kleinkünstler schon in ihrem Programm „Kleine Welten“ für die Reparatur der Heizung der Dorfkirche gesammelt – doch dieses Mal wird das zum bitterkalten Running Gag in ihrem Programm „Ohne Ende – Niederrhein“.

Frühlingsmusik, stark verkürzt

Da es um die Jahreszeiten in der grenznahen Region geht, sparen die beiden dieses Mal den Winter pietätvoll beim Anblick des vermummten Publikums aus. Auch die Bilder vom Frühling wollen zwar das Herz, so doch nicht den bibbernden Körper der Zuhörer erwärmen. Richtig schöne Fotos von Tulpen und Zitronenfaltern huschen über die Dia-Leinwand und suggerieren jedenfalls etwas frühlingshafte Wärme.

Dazu gibt es Songs, die wohlige Gefühle vermitteln sollen, handeln sie doch von Liebe und Glück. „Wie eine leise Melodie, fängt es an und endet nie“, singt Christian Behrens in den chansonhaften neuen Kompositionen. Begleitet werden die beiden Kleinkünstler von Volker Kuinke an verschiedenen Flöten und der dick verpackten Cellistin Karin Jochums. „Wir spielen unsere Frühlingsmusik jetzt stark verkürzt“, scherzt Christian Behrens und Thomas Hunsmann huscht dabei über die Tasten seines nicht ganz wohltemperierten Klaviers.

Es versprüht auch nicht unbedingt Hoffnung, dass die Temperatur von zehn Grad auf der Orgelbühne als durchgängige niederrheinische Prognose der Kunstfigur des „Wetterexperten Winnifried Wolkenreich aus Korschenbroich-Süd“ sowohl für April, Juli, aber auch Oktober vorausgesehen wird. Aber der ist ja zuständig für das „Wetter von Gestern“.

Am Ende waren es sieben Grad, Tendenz fallend

„Das sind so Tage, da legen Sie sich am besten wieder hin“, lächelt Christian Behrens und deutet auf ein passendes Foto, das er aus seinem Fenster gemacht hat. Grau in weiß verschlungene Wolken – oder ist es weiß in grau? „Wie man sieht, sieht man nichts“, kommentiert er. Dazu gibt es die Geschichte der EU-Kuh, die von allen Mitgliedsstaaten gemolken wird, aber doch hier am Niederrhein - irgendwo zwischen Vrasselt und Zyfflich - beheimatet ist.

Als Christian Behrens bei einem Chanson mit Leuchtkugeln jongliert, sagt er lächelnd: „So jetzt wird mir langsam warm.“ Die meisten auf den eisigen Kirchenbänken klatschen sich warm für die Zugaben - denn die Temperatur zeigt am Ende sieben Grad auf dem Thermometer der Orgelbühne, Tendenz fallend...

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