Serie: Künstler@Home

Eine Hombergerin bewahrt Franz Schuberts Gesamtwerk

Dr. Christiane Schumann aus Duisburg-Homberg ist Vorsitzende der Deutschen Schubert-Gesellschaft und verwaltet das Gesamtwerk des Wiener Komponisten.   

Dr. Christiane Schumann aus Duisburg-Homberg ist Vorsitzende der Deutschen Schubert-Gesellschaft und verwaltet das Gesamtwerk des Wiener Komponisten.   

Foto: Stadt Moers

Duisburg-Homberg/Rheinhausen.  Die Hombergerin Christiane Schumann ist eine Frau von Welt. Sie bewahrt das Gesamtwerk des Komponisten Franz Schubert in Duisburg-Rheinhausen.

Sie ist die Bewahrerin des Schubertschen Gesamtwerks: Nicht nur an die 600 Lieder, auch das Notenmaterial von Messen, Opern und vor allen Dingen des unergründlichen, romantischen Klavierwerks aus dem Schaffen des Wiener Komponisten finden sich in dem kleinen Archiv, das Dr. Christiane Schumann Interessierten zugänglich macht. Ihr Namensvetter, Robert Schumann, war es schließlich, der sich für die Aufführung der letzten Sinfonie Franz Schuberts, die Große Sinfonie in C-Dur, nach dessen Tod im Jahr 1839 einsetzte.

So passt es, dass Christiane Schumann die Vorsitzende der Deutschen Schubert-Gesellschaft (DSG) mit dem Sitz in der Rheinhauser Bibliothek ist, natürlich an der Händelstraße. „ Das Meiste manage ich aber von zuhause über meine Netzwerke“, sagt die Frau von Welt, die in Homberg wohnt. „Es ist übrigens ein Ehrenamt, was ich hier ausführe.“ Bereits länger als 30 Jahre ist sie zu Ehren des Komponisten Franz Schubert unterwegs.

Was aber tut eine künstlerische und wissenschaftliche Leiterin in einer solchen Gesellschaft? „Ich organisiere Meisterkurse, die sich mit der Interpretation des Schubertschen Liedgutes befassen“, sagt Christiane Schumann. Also in coronafreien Zeiten. Dazu werden bekannte bühnenerfahrene Solisten engagiert, die ausgesuchten Hochschulstudenten über zwei Wochen bei der Interpretation Anweisungen geben – sei es nun als Liedbegleiter am Klavier oder als Sänger.

Schubert-Gesellschaft will eine Brücke zwischen Musikschule und Bühne bauen

Im vergangenen Jahr fand eine Sommerakademie am Moerser Martinsstift statt. „Wir versuchen den Schülern aus ganz Deutschland dadurch die Brücke zwischen Musikhochschule und Bühne zu bauen“, sagt die Frau, die selbst als Sopranistin auftrat. Ein ganz wichtiger Schritt im Leben eines jungen Solisten, wie sie aus Erfahrung weiß. „Ich hatte schon so bedeutende Künstler wie den Sänger Peter Schreier oder den Liedbegleiter Cord Garben dafür als Dozenten gewinnen können.“

Jetzt im Beethovenjahr hätte sie bei diesen Kursen Beethovens Liederzyklus „An die ferne Geliebte“ dem Schubert-Werk „Die schöne Müllerin“ gegenübergestellt. Daneben organisiert sie Kongresse, gibt das Schubert-Jahrbuch heraus oder bereitet Vorträge vor.

Selbst kommt sie aus der Musikpraxis, schon mit 13 Jahren trat sie im Berliner Opernhaus auf, bei einer Aufführung eines Werks von Benjamin Britten. Sie studierte Gesang und absolvierte die Künstlerische Reifeprüfung für Opern- und Konzertgesang an der Musikhochschule München. „Ich habe einen lyrischen Sopran mit Koloratur“, sagt die Frau, die als Gesangspädagogin und -psychologin lange Musikschüler unterwies.

Zahlreiche Belastungsproben während ihrer Gesangskarriere

„Das wesentliche für einen guten Sänger ist immer, dass er ein Diener des Werkes ist und sich nicht selbst darstellt“, vermittelt Christiane Schumann. Von Belastungsproben während ihrer Karriere kann sie erzählen: „Wenn man in sechs Tagen fünf Mal den ,Messias’ von Händel singen kann, dann stimmt die Gesangstechnik.“ In Salzburger Kirchen interpretierte sie die Sopran-Soloparts verschiedener Mozart- Messen. „Das ist natürlich etwas ganz besonderes in der Geburtsstadt des Komponisten“, so Schumann. Im Xantener Dom musste sie den „schwierigen Nachhall“ mit einer angemessenen Akzentuierung im Gesang kompensieren.

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Die so von der Musik geprägte Frau betrieb ein Musikwissenschaftliches Studium mit Nebenfächern Kunstgeschichte und Germanistik, und erklärt ihren Doktortitel, den sie für die Dissertation „Mozart und seine Sänger“ erhielt. „Ich habe dafür in persönlichen Briefen des Komponisten an vielen Bibliotheken recherchiert. In denen stand, was Mozart von den zeitgenössischen Interpreten seiner Musik hielt“, sagt Christiane Schumann.

Jetzt singt sie gerne Volkslieder mit ihren drei Enkelkindern

Lange organisierte sie die klassische Konzertreihe und den Moerser Musiksommer als Musikreferentin der Stadt Moers. „Ich kann sagen, dass die Abozahlen unter meiner Führung nicht abgenommen haben.“ Doch dieses Amt übergab sie 2017 an einen Jüngeren. Auch um mehr Zeit für ihre Tochter und Enkel zu haben.

Während sie früher gerne Schubertiaden organisierte, ist sie jetzt auch froh, mit ihren drei Enkelkindern zu singen. „Ich bin gerne Großmutter und die drei singen gerne mit mir Volkslieder“, sagt die lebensfrohe Leiterin der DSG. Und Franz Schubert hatte ja auch so manches Volkslied in seinem Oeuvre…

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