Gesellschaft

Ein Privathaus in Rheinhausen wird zum Kulturgarten für alle

Barbara Biella in ihrem Garten in Duisburg-Bergheim. Unter den Kirschbäumen fühlen sich Bewohner und Besucher gleichermaßen wohl.

Barbara Biella in ihrem Garten in Duisburg-Bergheim. Unter den Kirschbäumen fühlen sich Bewohner und Besucher gleichermaßen wohl.

Foto: Norbert Prümen

Duisburg-Rheinhausen.   Barbara Biella öffnete in Duisburg-Bergheim ihre Tür für Konzerte und Seminare. Sechs Menschen leben hier zusammen. Jeden Morgen wird meditiert.

Ein Haus mit Garten ist nichts Ungewöhnliches in Bergheim. Auch Barbara Biellas Grundstück an der Moerser Straße birgt auf den ersten Blick nichts Auffälliges. Doch die 57-Jährige hat ihr Haus zum „Kulturgarten“ gemacht.

Seine Mauern sind 300, beziehungsweise 400 Jahre alt. „Je nachdem, in welchem Teil man gerade steht“, sagt Barbara Biella. Ihr Mann Herbert war Atelierschüler bei Volkram-Anton-Schaf, der das Haus zuvor nutzte. 2005 kaufte das Ehepaar es ihm ab und machte es durch eine aufwendige Renovierung wieder bewohnbar. „Mein Mann meinte, jeder Mensch braucht viel Platz.“ Nachdem Herbert vor sechs Jahren starb, überlegte Barbara Biella, was sie mit dem Haus anstellen sollte. „Ich habe überlegt, ob ich es verkaufe, aber ich habe beschlossen: Ich mache es auf“, erzählt sie.

Einige leben hier bereits seit Jahren

Seitdem finden regelmäßig Konzerte und Seminare in den Räumlichkeiten statt. Zudem ist das Haus eine Wohngemeinschaft verschiedenster Menschen. Zu sechst leben sie hier. „Am Wochenende“, Barbara Biella muss überlegen, „sind es zehn“. Einige leben bereits seit Jahren im Kulturgarten, wie das Haus nun heißt, andere nur vorübergehend. „Wir treffen uns fast jeden Morgen und machen Schlafanzug-Meditation“, sagt sie lachend. „Danach frühstücken wir zusammen.“ Die Bewohner, darunter der jüngste ihrer drei Söhne, sind angehalten, einmal pro Woche eine Stunde ihres Könnens in den Kulturgarten zu investieren.

„Bei mir ist immer ein Zimmer frei für jemanden, der ein Dach über dem Kopf braucht. Hier waren schon Messebesucher aus Düsseldorf, Rucksacktouristen aus aller Welt oder auch mal ein junger Mann, der sich von seiner Freundin getrennt hatte“, sagt die Kulturgärtnerin. Ihnen vermietet sie meist das Dachgeschoss, in dem sie auch ihre Seminare abhält: einen großen, verwinkelten Raum mit einer Anhöhe, unter der das Kaminzimmer liegt. Zu dem Haus gehört auch ein großer Garten, in dem Pfirsich- und Kirschbäume wachsen. Es gibt viel Platz für alle Bewohner und Besucher, um sich frei zu entfalten.

Erlebnisse besser verarbeiten

Auch ihren Beruf als Aufstellungscoach übt die 57-Jährige im Kulturgarten aus. Anleitungen sind ein spirituelles Hineinversetzen in andere Personen, auch Fremde. Sie helfen dabei, Erlebnisse mit anderen Menschen besser zu verarbeiten. Auf Neugierige kann das schnell befremdlich, aber auch beeindruckend wirken. Barbara Biella und ihre Mitbewohner hingegen schwören darauf. „Für mich ist Meditation unumgänglich, meine guten Ideen kommen immer aus der Stille. Ich bin davon überzeugt, dass man immer ein Gleichgewicht von Aufregung und Ruhe braucht“, sagt sie.

Auf der Internetseite „Gofundme“ hat sie nun eine Spendenkampagne gestartet, um einige der laufenden Kosten des Kulturgartens zu decken. Denn weiterentwickeln werde sich dieser besondere Ort an der Moerser Straße von allein, davon ist Barbara Biella überzeugt.

Stichwort Aufstellungen

Systemaufstellungen arbeiten mit dem Einsatz von Stellvertretern für eine Situation oder einen Konflikt. Die stellvertretend aufgestellten Personen erleben in oft sehr präziser Weise Gefühle, wählen ähnliche Worte oder zeigen Symptome der wirklichen Personen, ohne sie zu kennen.

Unbewusste Konflikte kommen durch Systemaufstellungen ans Tageslicht. Unglückliche Beziehungen oder unangenehme Arbeitssituationen können deutlich werden. Die Erkenntnisse sind ein erster Schritt, der eine Veränderung bewirken kann.

Zum Beispiel in Therapien können Aufstellungen hilfreich sein.

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