Stadtentwicklung

Ein Jahr nach Verkauf: Besuch in der Homberger Rheinkirche

Blick von der Orgel hinunter in das gewaltige Kirchenschiff.

Blick von der Orgel hinunter in das gewaltige Kirchenschiff.

Foto: Volker Herold

Duisburg-Homberg.   Vor gut einem Jahr kauften die Architekten Kay Fromm und Andreas Knapp die Rheinkirche. Weg zur neuen Nutzung ist hindernisreich. Ein Besuch.

Das massive Hauptportal mit seiner Stahlklinke und dem riesigen Schlüsselloch bleibt zurzeit meistens geschlossen. Es ist schon etwas hakelig, die mehr als 120 Jahre alte Eichentür zu öffnen. Ein Zustand, der so aber keinesfalls bleiben soll: Der Hauptzugang des früheren Gotteshauses (Baujahr: 1893-1895) soll mit der noch nicht terminierten Eröffnung des geplanten Kolumbariums wieder zugänglich sein. Der Rundgang durch die Rheinkirche mit dem neuen Hausherr beginnt am nördlichen Seiteneingang an der Sakristei.

Zwei Architekten aus Düsseldorf und ihre Pläne

Bei dem Eigentümer handelt es sich um ein Duo, die beiden Düsseldorfer Architekten Andreas Knapp und Kay Fromm („Küss den Frosch“) haben die Kirche der Evangelischen Gemeinde 2018 abgekauft. Die beiden haben sich auf die Sanierung historischer Gebäude spezialisiert und wollen die Kirche mit dem Bau des genannten Kolumbariums, einer Art Friedhof mit Urnengräbern, einer neuen Nutzung zuführen (wir berichteten). Dazu aber später mehr.

Beim Rundgang ist diesmal nur Kay Fromm dabei, los geht’s. Die Sakristei sieht heute noch so aus, als würde ein Gottesdienst unmittelbar bevorstehen. Der Raum ist komplett möbliert mit Tisch, Stühlen und Schränken. Auf einem steht ein Flasche Wein, es ist Traubensaft, stellt ich beim näheren Anschauen heraus. Auch noch da: Nahezu ein Dutzend Klingelbeutel und die eingestaubten Schuhe des Organisten.

Die Orgel soll bald wieder spielen

Der Weg ins imposante Gebäude stoppt am Abendmahltisch, so heißt der Altar in der evangelischen Kirche. Der steht ebenso noch an seinem Platz wie das Taufbecken direkt daneben und die mehr als 60 Kirchenbänke davor. „Tisch, Becken, die Orgel und auch die Kirchenglocken gehören nicht uns, sie sind Dauerleihgaben der Kirchengemeinde“, sagt Fromm. Die Kirche habe zum einen keinen Platz mehr dafür gehabt, zum anderen wollte man durch das Behalten verhindern, dass die neuen Eigentümer die Besitztümer womöglich verramschen.

Fromm: „Die Gemeinde berichtete uns von anderen Kirchenverkäufen in Deutschland, bei denen die neuen Besitzer als erstes die Glocken vom Turm warfen und zum Schrotthändler brachten. So etwas wollten sie verhindern.“ Solche Ideen schließen Kay Fromm und Andreas Knaup kategorisch aus. In enger Absprache mit der Gemeinde soll später entschieden werden, was mit den genannten Dingen geschieht.

Fest steht aber, dass die Orgel wieder spielen soll. Die müsse zwar erst gestimmt und auch repariert werden, so manche kleine Pfeife versagt aktuell ihren Dienst. Danach könne sich dort wieder ein Organist versuchen. Oder auch mehrere im Wechsel. Kontakte hat Kay Fromm bereits hergestellt, offenbar sind Übungsorgeln Mangelware in der Stadt.

Herausforderungen: Die Heizung und der Boden

Bevor jedoch an ein Stimmen der Orgel zu denken ist, geht es an die Umsetzung des Kolumbarium-Baus. „Der Antrag für die Bezirksregierung Düsseldorf ist so gut wie fertig, wie lange es dann bis zur Genehmigung dauert, können wir leider nicht abschätzen.“ Erst dann sollen die Arbeiten beginnen. Dort, wo jetzt noch die Kirchenbänke stehen, sollen kleine Inseln entstehen, in denen die Urnen aufbewahrt werden.

„Sie haben dann eine Liegezeit von zwölf Jahren, danach kann die Grabstätte verlängert oder abgegeben werden“, erklärt Fromm. Nach Aufgabe des Platzes im Kirchenraum könnte die Urne wenige Meter weiter hinter der Kirche auf der Wiese ihre dann letzte Ruhe finden. Eine entsprechende Grabstätte ist dort nämlich geplant.

Vor dem Umbau des Kirchenschiffs gibt es allerlei Hindernisse zu überwinden, Haupthürden sind die Heizung und der Boden. Einen solchen gibt es unter dem Podest der Kirchenbänke nämlich gar nicht, wie die beiden Experten schnell feststellen mussten. Einziger Vorteil: Mit dem Verlegen eines Estrichs könnte auch eine partielle Fußbodenheizung installiert werden. Die Ölheizung mit ihren dutzenden Heizkörpern fliegt dann raus. „Die gesamte Kirche auf Zimmertemperatur zu bringen, ist schlicht unmöglich“, so Fromm.

So habe der 20.000 Liter fassende Öltank nicht einmal ausgereicht, um die Kirche während der sonntäglichen Gottesdienste muckelig warm zu machen. Was übrigens auch nicht gewünscht sei. „In der Kirche ist es üblich, dass die Besucher ihre Mäntel im Winter anlassen, da die gewaltigen Bauten eben nicht hochgeheizt werden können.“ Dass dem so sei, erkenne man eben auch daran, dass es keine Garderobe gebe. „Wärme in der Kirche entsteht, wenn viele Besucher da sind, von ganz alleine.“

1,5 bis zwei Millionen Euro wollen sie investieren

1,5 bis zwei Millionen Euro wollen die beiden Düsseldorfer kurz- bis mittelfristig investieren, das Dach ist inzwischen abgedichtet, spätestens im Sommer sollen Zimmerleute die vom Schwamm angegriffenen Balken ersetzen. Ein Projekt, das bekanntlich auch Dank Fördermitteln des Bundes schnell realisiert werden konnte.

Es geht Schritt für Schritt. Steht dann, womöglich im Verlaufe des kommenden Jahres, das Kolumbarium, kann die Orgel gestimmt und dann auch die Eingangstür saniert werden. „Wir statten die alte Tür mit moderner Technik aus. Sie lässt sich dann per Chip öffnen.“ So könnten Angehörige zu verlängerten Öffnungszeiten ins Gebäude. Allgemeine Öffnungszeiten, etwa zwei bis vier Stunden am Tag, soll es aber auch geben. Zwischen Kanzel, Abendmahltisch und Taufbecken ist planen die beiden Architekten einen Bereich für Trauerfeiern. Entwürfe dazu sind in der Mache...

Welche Gebäude die Kirche wann verkauft hat

Neben der Rheinkirche hat sich die evangelische Kirchengemeinde Homberg bekanntlich von weiteren Gebäude getrennt. 2016 verkaufte sie das Lutherhaus an der Wilhelmstraße, 2018 Dietrich-Bonhoeffer-Haus an der Dietrich-Bonhoeffer-Straße und 2019 das ehemalige Pfarrhaus an der Königstraße.

Erlöse wurden unter anderem verwendet für die Deckung der Baukosten vom Haus der Gemeinde (2,3 Millionen Euro), die Innenausstattung und den Bau eines Glockenturms. „Die Planung lag vor, jetzt ist auch die Entscheidung gefallen, ihn zu bauen“, so Pfarrer Matthias Immer.

Das ehemalige Pfarrhaus steht seit zehn Jahren leer

Die Rheinkirche ist sozusagen eingerahmt vom früheren Pfarrhaus und dem von der Evangelischen Altenhilfe Duisburg betriebenen Seniorenheim „Haus an der Rheinkirche“. Dieses wird laut Aussage des Geschäftsführers Peter Leuker „nicht vor 2022 saniert.“ Bis dahin habe man Zeit, die Einzelzimmerquote von 80 Prozent zu erfüllen.

Durch eine Sanierung in den 1990-ern und über 50 Jahre laufende Abschreibungen sei aktuell nicht genügend Geld in der Kasse, um die Arbeiten beginnen zu können, heißt es. Auch dann erst könne man das seit zehn Jahre leerstehende Pfarrhaus verkaufen. Es aus der Kreditfinanzierung mit mehreren Banken herauszulösen sei aktuell nicht möglich, so die Altenhilfe. „Küss den Frosch“ hat bereits Interesse an einem Kauf geäußert.

Kirchenbänke abzugeben

Abgeben wollen Kay Fromm und Andreas Knapp die rund 4,5 Meter langen Kirchenbänke, die kleineren wollen sie zumindest vorerst behalten. Weitere Informationen und Kontakt: info@kuessdenfrosch.haus

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