Serie Kirchenkunst

Ein Engel für den Heiligen Josef

Wolfgang Wollenhaupt kennt sich aus mit den Kunstwerken der Friemersheimer Kirche St. Joseph.

Wolfgang Wollenhaupt kennt sich aus mit den Kunstwerken der Friemersheimer Kirche St. Joseph.

Foto: Ulla Michels

Duisburg-Friemersheim.   Unsere Serie zur Kirchenkunst führt diesmal nach Friemersheim. Wolfgang Wollenhaupt kann spannende Geschichten über St. Joseph erzählen.

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Die St. Joseph-Kirche in Friemersheim ist dem Zimmermann Josef geweiht. Wolfgang Wollenhaupt von der Gemeinde weiß einiges über die Schätze und nimmt uns mit auf eine spannende Reise durch das neugotische Kirchenschiff. Rechts vom Eingang steht eine Skulptur des Hl. Josef mit einem Engel, die von dem Bildhauer Heiner Kuhlmann aus Marl geschaffen wurde. „Sie wurde aus dem damals gängigen Material Polyester als Hohlplastik geschaffen“, weiß Wolfgang Wollenhaupt, „bezeichnend ist die Darstellung des Joseph als Arbeiter, was durch ein Beil, auf das er sich stützt, versinnbildlicht wird.“

Der Engel, der ihm im Traum erscheint, gilt als unüblich, obwohl von diesem Ereignis in der Bibel mehrfach berichtet wird. Die Figur wirkt von weitem so, als ob sie dem Expressionismus entstammt, ja als ob sie von Ernst Barlach geschnitzt wäre. Mit seinem mächtigen Arm weist der Engel Josef als Schutzherrn der Gemeinde darauf hin, sich in Liebe der Gemeinschaft anzunehmen. „Anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der KAB wurde die Plastik im Jahr 1960 der Gemeinde geschenkt“, so Wollenhaupt.

Die Kirche wurde vom Architekten Alfred Tiepe geplant, und vom Friemersheimer Bauunternehmer Ludwig Meyer 1907 umgesetzt. „Im Zweiten Weltkrieg war das Dach völlig weg gebombt, nur noch die Säulen des Kirchenschiffes standen“, weiß Wolfgang Wollenhaupt und erinnert sich an so manchen Gottesdienst unter freiem Himmel nach Kriegsende.

So ist auch das alte Taufbecken von 1907 in Mitleidenschaft gezogen worden, das jetzt als Weihwasserbecken im Eingangsbereich steht. Granatsplitter machten die schönen Reliefs an den Seitenflächen unkenntlich. Aufwändige Renovierungsarbeiten führte im Jahr 1993 der Meerbuscher Künstler Karl Franke daran durch. „Er ließ eine neue Silberschale ein und bestückte das Becken mit vier Bronzeplatten, auf denen die Sakramente dargestellt werden.“ In den gemeißelten Steinreliefs an den Seiten des Achtecks befinden sich Sinnbilder für die Taufe: Moses, der aus einem Felsen eine Wasserquelle schlägt, oder die Taufe Jesu Christi selbst. Vor der Restaurierung diente das jetzige Weihwasserbecken lange als Blumenkübel im Pfarrgarten.

Ebenfalls von 1907 sind noch die Kopfstücke der Seitenstützen der Bänke. Eine feine Ornamentik weisen sie auf. „Sie sind massiv aus Eiche und lagen nach der Zerstörung der Kirche zerstreut im Raum. Eine Friemersheimer Schreinerei hat die Bänke dann mit ihnen neu zusammengefügt“, so Wollenhaupt, der lange als Ingenieur arbeitete.

Als Aufbewahrungsort der heiligen Hostien fällt der Tabernakel in der Apsis des linken Seitenschiffes ins Auge. Es handelt sich um eine Arbeit des Borkener Goldschmieds Hermann Kunkler aus Kupfer, das golden schimmert. „Besonders schön sind die eingelassenen Halbedelsteine und Emaillearbeiten, die Trauben und Ähren symbolisieren sollen“, sagt Wolfgang Wollenhaupt.

Die Gebeine des Heiligen Viktor

Ein moderner Altar steht vorne im Chorraum. In Form eines Tisches ist er vom Architekten Hubert Teschlade entworfen worden, die Arbeit selbst wurde von einem Münsteraner Steinmetzbetrieb ausgeführt. Das Material ist Anröchter Stein, aus dem auch das rechts daneben stehende moderne Taufbecken gefertigt ist. Unten im Altar ist eine mit einer Bergkristallplatte überdeckte Reliquienkassette sichtbar eingelassen. Dort werden Teile der Gebeine des Hl. Viktor aus Xanten und der Hl. Innozentia aus Köln aufbewahrt. „Lange gehörten wir ja als St. Joseph-Gemeinde zum Erzbistum Köln. Heute sind wir hier die südlichste Spitze des Bistums Münster.“

>>> KIRCHENDENKMAL FÜR KRUPP

Die Stahltüren am Hauptportal und der Südseite sind in der Lehrwerkstatt des Kruppschen Hüttenwerks gefertigt und der Gemeinde geschenkt worden. „Feuer und Glut lobe den Herrn“ prangt auf der Haupttür und zeigt drei Männer am Hochofen. An der Seitentür erkennt man die Rheinbrücke und einen Kran als Symbole für Rheinhausen. Viele Menschen der St. Joseph-Gemeinde waren lange im Krupp-Werk beschäftigt.

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