Baerler Busch

Duisburgs Förster kämpfen gegen die Traubenkirsche

Der Setzling einer Küstentanne reckt sich zum Licht. Er steht für die Zukunft des Waldes.

Der Setzling einer Küstentanne reckt sich zum Licht. Er steht für die Zukunft des Waldes.

Foto: Volker Herold

Duisburg-Baerl.   Nach dem großen Baumschlagen 2018 wächst der Wald im Nordwesten Duisburgs jetzt wieder. 4,5 Hektar im Baerler Busch werden neu bepflanzt.

Noch sieht das insgesamt 4,5 Hektar große Waldgelände entlang der Straße Laakmannsfeld in Baerl sehr kahl aus. Das Bild trügt. Beim näheren Hinschauen sind unzählige zarte Pflanzen von höchstens 80 Zentimetern zu entdecken. Eine Pflanzmaschine setzte unlängst an anderthalb Tagen verschiedene Nadelhölzer und Rotbuchen, die in einigen Jahren auf eine Höhe von 30 bis 40 Metern ausgewachsen sein werden.

„Für viele Menschen sieht der Wald hier erst mal schlimm aus. Förster denken jedoch in anderen Zeiträumen und müssen viel Aufklärungsarbeit leisten. In fünf bis zehn Jahren wird das Gebiet wieder dicht bewachsen sein“, sagt Andrea Zimmermann, als Revierleiterin des Forststützpunktes Niederrhein für den Baerler Busch zuständig. Die Abholzungen waren nötig, um die amerikanische Traubenkirsche zu verdrängen. Sie hatte sich massiv ausgebreitet – zum Schaden von heimischen Arten wie Eiche, Ahorn, Buche, Fichte, Kiefer und Lerche.

„Wir wollen einen Mischwald mit Nadel- und Laubhölzern, weil es verschiedene Lebensräume gibt. Wir wollen sie breit aufstellen, damit es auch in 100 Jahren noch einen funktionierenden Wald gibt“, erklärt Andrea Zimmermann. Das hat viel mit dem Klimawandel zu tun. Extrem trocken war der vergangene Sommer, was nicht jede Baumart verträgt – wie zum Beispiel die Rotbuche. Deshalb sind diese Bäume inzwischen in Richtung Wald gepflanzt worden. Dort, so die Fachfrau, speichere der Boden mehr Wasser und habe sehr viele Nährstoffe.

Ein Heim für Fledermäuse

Entlang der Wege setzten die Pflanzmaschinen Nadelhölzer wie europäische Lerche, Douglasie und Küstentanne. Diese Bäume sind resistent gegen Trockenheit und gedeihen gut auf einem Boden mit wenigen Nährstoffen.

Auf dem gesamten Gelände blieben einige Eichen stehen, unter anderem als Windschutz für die neu gesetzten Bäume. Mittendrin thront ein hoher Eichenstamm ohne Krone. Er ist tot, hat aber eine besondere Funktion. „Er ist unser Biotopbaum“, erklärt die Revierleiterin und ergänzt: „Biotopbäume gibt es überall in Wäldern. Nach dem Naturschutzgesetz sind wir dazu verpflichtet, solche Bäume stehen zu lassen. Sie bieten Lebensraum für Fledermäuse und können Brutstätten für Sperlinge sein.“

An vier verschiedenen Punkten hat der Regionalverband Ruhr insgesamt 15.000 Bäume neu im Baerler Busch pflanzen lassen. Problematisch war in einem Bereich der zu dichte Bewuchs von Brombeersträuchern. In anderen Bereichen hatte sich die „amerikanische Traubenkirsche“ breit gemacht. Hier reichte es jedoch, so Andrea Zimmermann, dass die Bäume „geringelt“ werden. Hinter dem Fachbegriff verbirgt sich, dass 30 bis 40 Zentimeter der Rinde rundum entfernt werden. Der Baum stirbt ab.

Hund auf dem Reitweg: Frau fiel vom Pferd

Pflegerisch dran bleiben müssen wird der Forststützpunkt Niederrhein unter anderem im Bereich der abgeholzten Fläche. So wird vermutet, dass sich noch viele Samen der „amerikanischen Traubenkirsche“ im Boden befinden. Die Hoffnung ist, dass die möglicherweise wachsenden Pflanzen später von den jetzt gesetzten Bäumen verdunkelt werden und somit absterben. Andrea Zimmermann ist überzeugt, dass in etwa fünf Jahren auch wieder Rehe auf der jetzt noch kahl wirkenden Fläche heimisch werden.

Kritik übt die Revierleiterin allerdings am Verhalten mancher Waldbesucher. Das Zusammenleben im Wald zwischen Fußgängern, Radfahrern und Reitern funktioniere nicht immer, bedauert sie. So erlebte sie bei einem Spaziergang mit ihrem kleinen Kind, dass ein Radfahrer von hinten an ihr vorbei sauste – ohne zu klingeln. Erst unlängst fiel eine Reiterin von ihrem Pferd, weil ein Hundebesitzer mit seinen freilaufenden Tieren auf dem Reitweg spazierte, und die Hunde unter das Pferd hindurch liefen und ansprangen. „Es ist ein gesellschaftliches Problem. Mancher denkt, der Wald gehört ihm“, resümiert Andrea Zimmermann.

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