Der Mann am Klavier – ein gern gesehener Gast

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Er ist gern gesehener Gast in der Freitagsmusik von Ludger Morck an Christus-König. Dieses Mal spielte Marius Furche ein Solokonzert unter dem Arbeitstitel „Prayers & more“. Gebete also waren die musikalischen Stücke, auf die der ausgebildete Jazzpianist aus Duisburg sein Hauptaugenmerk legte. Das passte gut zur abendlichen Stimmung, die etwa 160 Zuhörer im schummrigen Licht der Kirche umfing.

Furches Kompositionen sind inspiriert von Alltagssituationen. Das Stück Prayer VII aus seiner 2016 erschienen CD „Prayers“ zum Beispiel: „Die Noten habe ich niedergeschrieben quasi als Schlafgebet für meine Tochter, als ich sie zu Bett gebracht habe.“ Die Hoffnung schimmert oft durch in diesen musikalischen Anrufungen, so zum Beispiel im Eröffnungsstück Prayer I, das aus düsterstem Moll in eine Improvisation über den von Martin Luther verfassten Choral „Christ ist erstanden“ eine strahlende Wendung zum Ende nimmt. „Es sind auch Stücke, in denen ich meinen Glauben an die Hoffnung in diesen schlimmen Zeiten ausdrücken kann“, so der 44-jährige Pianist.

Richtig aufbrausend wird es aber, als er ein Stück des einstigen Weather-Report Keyboarders Joe Zawinul „Mercy, mercy, mercy“ gnadenvoll interpretiert, zum Ende richtig wummig über die gehämmerten Akkorde auf seinem E-Piano. Und fast wirkt er wie der einpeitschende Techno-DJ David Guetta als Schattenspiel vor dem spärlich beleuchteten Altar, wenn er mit wilder Mähne und wehenden Händen die Zuhörer animiert, beim treibenden „Insomnia“ von Faithless mitzuklatschen.

Für Jazzkenner sicherlich der Höhepunkt des Konzerts war die Komposition des 2008 verstorbenen Ausnahmepianisten Esbjörn Svensson, lange Kopf des schwedischen Trios EST, das die Jazzwelt um die Jahrtausendwende richtig aufmischte. Eine nordische Weise strahlte als Thema durch die von vielen Harmoniewechseln geprägte Interpretation und Improvisation Furches in Svenssons Werk „Eighthundred Miles by Feet“ hindurch. Und wenn eine Zuschauerin nicht aufgepasst hätte, hätte Furche wohl seine schöne Hommage an David Bowie mit einer Improvisation über den Welthit „Heroes“ ausgelassen.

Furche verlor aber nicht den Faden und lächelte: „Das ist das Problem, wenn ich nach Programmheft spiele.“ So endete das abendliche Konzert mit dem „Halleluja“ von Leonhard Cohen und es war so, als ob der gesamte Chor von Ludger Morck im Publikum saß - so feinfühlig sangen sich die Zuschauer in das Stück hinein. Morck selbst weilte im Urlaub, und hätte wohl gerne mitgespielt...

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