Jugendhilfe

Der Jugendmigrationsdienst in Rumeln geleitet ins Leben

Ali Babursah mit seiner Kollegin und ehemaligen Schülerin Sevim Kizilkaya.

Ali Babursah mit seiner Kollegin und ehemaligen Schülerin Sevim Kizilkaya.

Foto: PR

Duisburg-Rheinhausen.   Die Einrichtung der Grafschafter Diakonie bringt junge Rheinhauser auf einen guten Weg. Ein Erlebnisbericht einer ehemaligen Schülerin.

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Ihre erste Begegnung ist fast zehn Jahre her. Als Schülerin der 9. Klasse der Hauptschule Schulallee in Rumeln kam Sevim Kizilkaya an die Beethovenstraße 18. Den Tipp, sich an Ali Babursah vom Team des dort ansässigen Jugendmigrationsdienstes (JMD) der Grafschafter Diakonie gGmbH – Diakonisches Werk Kirchenkreis Moers zu wenden, hatte die 16-Jährige von ihren Freunden bekommen. In den folgenden Jahren besuchte die junge Rheinhauserin den Nachhilfeunterricht, den der JMD organisierte.

Die Schulnoten in Mathe waren gut, die in Englisch und Deutsch sollten besser werden. „Die Noten wurden so gut, dass Ali mich gefragt hat, ob ich selber den anderen Schülern Nachhilfe in Mathe geben will“, erinnert sie sich. Das Angebot nahm die Schülerin an.

Ein Rollenwechsel mit System: Ali Babursah, Leiter des Jugendmigrationsdienstes der Grafschafter Diakonie, setzt bei den Honorarkräften in der Lernförderung neben studentischen Hilfskräften bewusst auch auf ehemalige Schüler. So wachse deren Selbstbewusstsein, und die eigenen schulischen Leistungen würden besser „Es ist eine gute Erfahrung, die eigene Entwicklung vom Nachhilfeschüler zum Nachhilfelehrer zu erleben und dabei auch noch ein bisschen Geld zu verdienen.“

Hilfe bei der Berufswahl

Sevim Kizilkayas Entwicklung führte indes weiter: Auf die Qualifikation für den Realschulzweig folgte das Abitur auf dem Berufskolleg. Aus dem Teenager von damals ist eine zielstrebige 24-Jährige geworden, die an der FH Dortmund Sozialarbeit studiert. „Eigentlich habe ich mich für Maschinenbau interessiert wie meine Cousins“, sagt sie. Doch die soziale Arbeit mit den Jugendlichen prägte: „Ich habe erfahren, was geschehen kann, wenn man gefördert wird.“

Bis heute ist sie dem Jugendmigrationsdienst treu geblieben: Viermal die Woche ist die Studentin an der Beethovenstraße als Honorarkraft tätig. „So sammele ich Berufserfahrung und finanziere mein Studium.“

Kein reines Nachhilfeprojekt

Für Ali Babursah ist die Lernförderung ein Türöffner für weitere soziale Arbeit: „Wir sind kein reines Nachhilfeprojekt. Wir nutzen die Lernförderung als ein Angebot, um an die Jugendlichen und ihre Eltern heranzukommen und weiter mit Ihnen zu arbeiten“, erklärt er.

Gefördert werden sollen die Jugendlichen sozial, sprachlich, beruflich und persönlich, so der Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, das den Jugendmigrationsdienst finanziert. Die schulische Situation sei der Aufhänger für die Beratung. „Wir überlegen etwa zusammen, welchen Berufswunsch die Jugendlichen haben und legen Schritte fest, die sie machen müssen, um diesen zu erreichen.“

Ein Studium der Psychologie

Das haben an der Beethovenstraße schon viele getan: Eine ehemalige Schülerin, die heute Psychologie studiert, ist eine davon. Eine andere engagiert sich im Studentenparlament und organisierte EU-geförderte Austauschprogramme. Wichtig ist dem Sozialpädagogen aber nicht der soziale Aufstieg seiner jungen Klienten. Er freut sich über jeden seiner Schützlinge, der heute mitten im Leben steht. „Wenn jemand hier vorbei schaut, den ich als jungen Schüler kennengelernt habe, und der mir erzählen will, dass er gerade Vater geworden ist, bin ich glücklich“, sagt er.

>>>>>> Hintergrund <<<<<

Das Team des Jugendmigrationsdienstes nahm 2005 seine Arbeit an der Beethovenstraße in Rheinhausen auf. Zielgruppe des JMD sind Jugendliche mit Migrationshintergrund zwischen im Alter von 12 bis 27 Jahren

Neben der Beratung und Begleitung unterstützte der JMD 2016 rund 160 Rheinhauser Kinder- und Jugendliche in der Hausaufgabenbetreuung und Lernförderung. Aktuell nutzen in diesem Schuljahr 96 Schülerinnen und Schüler das Angebot. 16 Honorarkräfte betreuen sie.

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